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Weit verbreitet ist die Ansicht, Deutschland befinde sich im Klimaschutz in einem Alleingang. Unternehmen würden im internationalen Wettbewerb so stark unter Druck gesetzt, dass sie preislich nicht mithalten könnten. Häufig wird hinzugefügt, ein 80-Millionen-Einwohner-Land könne den Klimawandel nicht allein stoppen. Dieses Bild allerdings korreliert nicht mit dem Eindruck, den internationale Finanzmarktdaten vermitteln. Diese zeigen, dass weder deutsche Unternehmen in der Summe Pionier sind noch Unternehmen in anderen Ländern gänzlich untätig sind.
Die Vermögensverwalter der deutschen Privatbank Oddo BHF haben alle 8626 Unternehmen auf der Welt analysiert, die zum 1. Januar ein ESG-Rating der Agentur MSCI besaßen. ESG steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Nach ihrem eigenen Kriterienkatalog für eine sinnvolle ESG-Geldanlage haben sie für all diese Unternehmen geprüft, wie glaubwürdig der Transitionsplan hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft ist.
Dabei berücksichtigten die Vermögensverwalter, ob ein Unternehmen neue Anlagen für fossile Brennstoffe entwickelt und alle wesentlichen CO₂-Emissionen offenlegt. Auch einen Minderungsplan für Emissionen im eigenen Betrieb und in der Energieversorgung mussten die Unternehmen vorweisen. Für die vergangenen drei Jahre war überdies erforderlich, den Ausstoß effektiv gesenkt zu haben. Sie mussten ein Ziel für geringere Emissionen in der Lieferkette benennen und Investitionen für klimaschonendere Betriebsabläufe beabsichtigen.
Ehrgeiziger sind finnische, irische und französische Unternehmen
Das Ergebnis passt nicht zum häufig wiederholten Bild eines deutschen Alleingangs. Deutschland befindet sich nicht einmal unter den zehn Ländern mit dem höchsten Anteil glaubwürdiger Transitionspläne, wie sie unter anderem die europäische Bankenaufsicht und die Europäische Zentralbank als Basis zur Risikovorsorge von Bankenportfolios verlangen. An der Spitze steht Finnland, wo 63 Prozent der Unternehmen mit Rating glaubwürdig sind oder sogar in die noch höhere Kategorie der Ermöglicher des Wandels fallen. Mit 58 Prozent folgt Irland auf Rang zwei. Frankreich mit 54 Prozent glaubwürdigen oder ermöglichenden Unternehmen steht auf dem dritten Platz.
Deutsche Unternehmen erreichen den elften Platz mit einem Anteil von 37 Prozent. Das mag mit der Größe der Unternehmen zu tun haben. Nach der Analyse von Oddo BHF tun sich kleinere Unternehmen besonders schwer damit, konsistente Pläne aufzustellen. Der deutsche Mittelstand erwirtschaftet einen überdurchschnittlichen Anteil des deutschen Bruttoinlandsprodukts und ist dadurch vielleicht stärker vertreten als in anderen Ländern. Er war auch ein besonders scharfer Gegner der ursprünglich im European Green Deal geplanten europaweiten Regeln zur Nachhaltigkeitsberichterstattung – mit dem Argument, die Bürokratie schwäche ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit.
China hat zwischenzeitlich schärfere Auflagen für Nachhaltigkeitsberichte geschaffen. In der Glaubwürdigkeit ihrer Transitionspläne liegen chinesische Unternehmen nach der Analyse aber nur auf Platz 38. Nur sieben Prozent der Unternehmen mit einem ESG-Rating von MSCI erfüllten die Kriterien der Vermögensverwalter. In den Vereinigten Staaten, in denen das politische Interesse an Nachhaltigkeit unter Präsident Donald Trump stark zurückgegangen ist, gelten immerhin noch zwölf Prozent der Transitionspläne als glaubwürdig. Damit kamen die USA auf Rang 32. Schlusslichter sind Marokko, Pakistan und Qatar, in denen kein Unternehmen die Kriterien erfüllte.
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