Deutschlands E-Auto-Hauptstadt ist eine Mogelpackung

In der Gemeinde Reußenköge liegt der Anteil an Autos mit Elektroantrieb bei unfassbaren 59 Prozent. Kein Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt. Wie kann das sein? Die „Schuld“ daran liegt nicht bei den Einwohnern.

E-Autos hinter einem Ortsschild
Deutschlands E-Auto-Hauptstadt ist eine MogelpackungBildquelle: inside digital

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ist bekannt für seine Datenmeere. Monatliche Zulassungszahlen stellen da nur die Spitze des Eisbergs dar. Auf seinem Statistikportal nennt das KBA unter anderem deutsche Gemeinden mit dem höchsten Anteil an Pkws mit Elektroantrieb. Wobei den 1. Platz die Gemeinde Reußenköge aus Schleswig-Holstein inne hat – mit stolzen 59 Prozent (Stand: 01.04.26). Auf dem 2. Platz landet Walldorf mit 44,5 Prozent und auf dem 3. Schenkenberg mit 32,6 Prozent. Doch besitzen wirklich 59 Prozent der Fahrer aus Reußenköge ein E-Auto? Natürlich nicht. Stattdessen dient die Gemeinde als Musterbeispiel für ein allgemeines Problem mit Statistiken zu E-Autos. Und dessen Dimensionen gehen weit über die Reußenköger Gemeindegrenzen hinaus.

Ein Elektroauto-Erfolg, den es nicht gibt

Wie kann es sein, dass die deutsche „E-Auto-Hauptstadt“ einen E-Anteil von 59 Prozent aufweist – Ende 2023 sogar 64 Prozent? Die Antwort besteht aus zwei Teilen, und beide haben etwas mit Statistik zu tun. Zum einen leben in der nördlich gelegenen Gemeinde lediglich 298 Bürger. Und das auf einer Fläche von 45,9 km². Das sind lediglich sechs Einwohner je Quadratkilometer. Zum anderen hat das Unternehmen GP Joule GmbH ihren Sitz in Reußenköge.

Bei GP Joule handelt es sich um einen Anbieter ganzheitlicher Energielösungen mit Fokus auf erneuerbare Energien. Dabei scheint das Unternehmen seine Vision auch selbst zu leben. Denn der Fuhrpark von GP Joule besteht nach eigenen Angaben aus 430 vollelektrischen Dienstwagen.

Genau das ist auch des Rätsels Lösung: Eine geringe Einwohnerzahl gepaart mit dem vollelektrischen Fuhrpark eines einzelnen Großhalters. Ein kleines statistisches Kuriosum also, eine Mogelpackung ohne Täter und Opfer. Und genau das könnte es auch bleiben, nur leider stellt diese statistische Illusion im E-Auto-Segment keinen Ausnahmefall dar.

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Nur wenige E-Autos im Privatbesitz

In den vergangenen Monaten und Jahren waren Headlines keine Seltenheit, die E-Autos gute Zulassungszahlen bescheinigten. Für den Leser kann dadurch der Eindruck entstehen, dass Elektroautos auf dem Vormarsch sind. Und dem ist auch wirklich so, nur ist die Akzeptanz in der Bevölkerung eben nicht ganz so groß, wie die Zahlen vermuten lassen. So fuhren laut dem KBA zum 1. Januar 2026 deutschlandweit bereits stolze 2.034.260 vollelektrische Pkws und 1.122.958 Plug-in-Hybride auf den Straßen umher. Klingt gut, spiegelt jedoch nur einen Teil der Wahrheit wider.

Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass nur etwa 57,5 Prozent der zugelassenen E-Autos und Plug-in-Hybride privaten Haltern gehören. Die übrigen 42,5 Prozent befinden sich in den Händen gewerblicher Halter. Folglich ist die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht ganz so groß, wie es im ersten Moment scheint.

Bei näherer Betrachtung wird jedoch klar, dass es bei den Verbrenner-Neuzulassungen nicht viel anders aussieht. Denn 349.914 der insgesamt 518.175 in der ersten Hälfte 2026 zugelassenen Verbrenner gehören gewerblichen Haltern. Der hohe Privatanteil der deutschen Verbrenner-Gesamtflotte von über 90 Prozent ist seinerseits in erster Linie darin begründet, dass diese alt ist. Wohingegen sich die E-Auto-Flotte im Aufbau befindet. Deshalb dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der aus Reußenköge bekannte statistische Ausnahmefall, also der hohe Elektroauto-Anteil, zum deutschlandweiten Standard wird.

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