Diane Keaton: Warum ihr Hund Millionen erbt

Diane Keaton stirbt 79-jährig am 11. Oktober 2025 im Kreise ihrer engsten Angehörigen im Saint John’s Health Center in Santa Monica (Kalifornien) an einer bakteriellen Lungenentzündung. Die Hollywoodikone hinterlässt ein beeindruckendes filmisches Erbe als Schauspielerin in Klassikern wie „Der Pate“, „Was das Herz begehrt“ und in rund 70 weiteren Filmen. Für die Rolle der Annie Hall in „Der Stadtneurotiker“ erhält sie einen Oscar als beste Hauptdarstellerin an der Seite ihres damaligen Lebensgefährten Woody Allen.

Diane Keatons finanzieller Nachlass ist immens, er wird auf gut 100 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Stilikone war fünf Jahrzehnte lang eine der prägendsten Gesichter des US-Kinos. Sie war nicht nur als Schauspielerin berühmt, sondern führte bei einem guten Dutzend Produktionen auch Regie. Keaton verdankt ihre Millionen aber nicht nur ihrer beeindruckenden Arbeit im Filmgeschäft. Sie beweist kreatives Talent auch in einer anderen Branche, der Immobilienentwicklung.

Über Jahre kauft Keaton insbesondere in Südkalifornien historische Häuser im spanischen Kolonialstil. Sie liebt diesen ganz besonderen architektonischen Charakter, lässt die Gebäude aufwendig renovieren, designt das Innere und verkauft sie dann gewinnbringend weiter. Mit einer Villa in Bel Air macht sie so 5,5 Millionen US-Dollar Gewinn, ein Strandhaus in Laguna Beach bringt fünf Millionen. Keaton kombiniert ihr gestalterisches Talent mit Anregungen, die sie in der App Pinterest findet. Darüber schreibt sie im Jahr 2017 sogar ein Designbuch: „The House that Pinterest built“. Ihr Erfolgsrezept beschreibt der rührige Filmstar so: „Aufwachen ist die beste Art, seine Träume wahr zu machen.“

Lieber Mutter als Ehefrau

Keaton hat wechselnde Lebensgefährten, stirbt aber unverheiratet. Sie hinterlässt zwei Kinder, die Tochter Dexter und den Sohn Duke Keaton, die sie im Alter von 50 beziehungsweise 55 Jahren als jeweils Einjährige aufnimmt, adoptiert und allein großzieht. Ihr nüchterner Kommentar zu diesem außergewöhnlichen Schritt: „Ich habe viele Männer geliebt, aber am Ende wollte ich lieber Mutter sein als Ehefrau.“ Sie lebt mit den Kindern zurückgezogen und hält sie diskret aus der Öffentlichkeit heraus.

Auch Inhalte des Testaments von Keaton bleiben im Verborgenen, was dafürspricht, dass sie einen Trust nutzt, mit dem die Nachlassdetails privat bleiben und nicht über ein Nachlassgericht der USA („Probate“) öffentlich einsehbar werden. So kann nur vermutet werden, dass Dexter und Duke Keaton den Großteil des Nachlasses erhalten. Doch ein Detail wird bekannt, eine letztwillige Verfügung für den Tierschutz.

Und diese hat mit einer weiteren Rolle des vielseitigen Weltstars zu tun. Diane Keaton ist eine aktive Tierschützerin. Zwei Jahrzehnte lang arbeitet sie unter anderem im Vorstand für das Woodward Animal Center, eine Tierschutzeinrichtung in San Diego. Keaton selbst besitzt einen Golden Retriever namens Reggie. Ein Selfie mit ihm ist das letzte Foto, das sie auf ihrem Instagram-Account teilt. Folgerichtig versorgt Keaton auch – über einen Treuhandfonds – ihren Hund und Tierschutzorganisationen mit einem Teil ihres Nachlasses. Die „Süddeutsche“ titelt dazu „Der reichste Hund der Welt“ und fragt: Was soll der Hund mit fünf Millionen Dollar?

Weniger vermögende Menschen mögen die Frage genauso kritisch sehen, schließlich gibt es genug Menschen, die selbst kleinste Teilmengen einer solchen Summe dringender zum (Über-)Leben benötigen würden. Für den zehnjährigen Retriever Reggie erscheint bei üblicher Lebenserwartung von nur noch drei Jahren auch ein deutlich kleinerer Betrag ausreichend. Es liegt aber in der Natur des Letzten Willens, selbst entscheiden zu dürfen, wer nach dem Ableben was erhält: der Partner, die Kinder, Verwandte, Freunde, ein guter Zweck oder eben auch Haustiere.

Durch das Grundgesetz geschützt

Diese Testierfreiheit wird in Deutschland sogar durch das Grundgesetz geschützt (Artikel 14). Es ist eher der Boulevard, den dies manchmal kopfschüttelnd beschäftigt. So erfuhr man schon von Rudolph Moshammers Yorkshire-Terrier-Dame Daisy, die nach dessen Tod von seinem Chauffeur Andreas Kaplan übernommen und noch fast zwei Jahre lang verwöhnt wird. Von Karl Lagerfelds Birma-Katze Coupette ist überliefert, dass sie auch nach dem Tod des Meisters aus Porzellanschälchen frisst und auf einer Chanel-Decke schläft. Der verzogene Malteser Trouble der Milliardärin Leona Helmsley sollte im Jahr 2007 von ihr zwölf Millionen Dollar erben, bis nach Klagen zu kurz gekommener Enkel ein Gericht in Manhattan diese Summe auf zwei Millionen Dollar reduziert. Argument der Kläger: Sie sei bei den letzten Verfügungen nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte gewesen.

Das mag im Einzelfall zutreffen, doch allgemein gilt: Solange Pflichtteile, Steuern und andere Nachlassverbindlichkeiten bezahlt werden, entscheidet kein Staat, kein Sittenwächter und kein Familienoberhaupt, wohin der eigene Nachlass geht, sondern ein jeder, der testierfähig ist, ganz für sich allein. Und so wird es immer wieder vorkommen, dass aus einem Nachlass bezaubernde Louis-Vuitton-Reise-Accessoires für Schoßhündchen finanziert werden und lebenslang Lachshäppchen in Sushiqualität im Katzennapf landen.

Detaillierte Anweisungen

Vererben wie Diane Keaton heißt also, auch sein Haustier zu versorgen. Wer es der legendären Schauspielerin gleichtun möchte, auch ohne einen Oscar und Golden Globe in der Vitrine, der nehme ein Blatt Papier, schreibe Testament darauf und verfüge sodann zumindest folgende zwei Inhalte: Erstens ist ein Zwischenempfänger zu bestimmen für die (Geld-)Mittel zugunsten des Haustiers, da ein Tier nicht selber Erbe oder Vermächtnisnehmer werden kann.

Keaton nutzt dafür einen Treuhandfonds, unsereins kann denjenigen bedenken, der auch das Haustier übernehmen soll. Dies kann ein Miterbe oder Vermächtnisnehmer sein, der ausreichend Mittel erhält, die für das Tier zu verwenden sind. Zweitens ist durch eine Auflage zu bestimmen, dass dieser Empfänger der Mittel das Haustier bei sich aufnehmen und bis zu dessen Ableben bestmöglich versorgen und pflegen soll. Eine solche Auflage kann abstrakt formuliert werden oder detaillierte Anweisungen enthalten, bis hin zu regelmäßigen tierärztlichen Untersuchungen und auf den Gesundheitszustand des Tieres abgestimmte Nahrung.

Oscarreif wird die Versorgung des Haustiers, wenn an vieles mehr gedacht wird: An eine Ersatzperson (falls der Bedachte und Auflagenverpflichtete wegfällt) oder einen „Aufpasser“, der die Erfüllung der Auflage überwacht (zum Beispiel einer der Erben oder ein Testamentsvollstrecker). Auch eine Sanktion kann formuliert werden (falls die Tierpflege unterbleibt), und ein Vermächtnis zugunsten des künftigen Tierhalters über das „Equipment“, das zum Tier gehört (beim Pferd zum Beispiel der teure Sattel). Auch dies sollte dem künftigen Tierhalter zukommen, ebenso eine etwaige Tierversicherung und der Abstammungsnachweis.

Versorgung von Tieren

Da ein Testament oft erst viele Monate nach dem Tod eröffnet wird, die Versorgung von Tieren hierauf aber nicht warten kann, hilft den Beteiligten eine Kopie des Testaments und eine Vollmacht zur sofortigen Umsetzung. Für den Tierschutz kann übrigens auch anlässlich der Bestattung um Spenden anstelle von Kränzen gebeten werden. Keatons Familie tat dies im Sinne der Verstorbenen.

Diane Keaton liebt ihre Kinder und Al Pacino, Filme und Tiere, Regie und Hund Reggie. Ihr Humor, ihr persönlicher Stil und ihr gesellschaftliches Engagement berühren und ermutigen andere Menschen. Dazu ein Zitat für jeden, der zögert, seine Ziele im Testament umzusetzen, und seien diese so apart, wie das Haustier letztwillig zu versorgen: „Hier ist meine wichtigste Erkenntnis nach 60 Jahren auf diesem Planeten: Es ist sehr wertvoll, furchtlos zu sein. Zu oft in meinem Leben hatte ich zu viel Angst, war zu verängstigt von allem. Diese Angst gehört zu dem, was ich am meisten bedauere.“

Der Autor ist Rechtsanwalt der Kanzlei Dr. Ostertun, die sich auf Erbrecht und Vermögensnachfolge spezialisiert hat.

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