#Die Haute Couture ist 2022 zurück

Die Haute Couture ist 2022 zurück

Während sich Dänemark diese Woche vorwagte und kurzerhand alle Maßnahmen gegen die Pandemie für beendet erklärte, konnte man in Frankreich immerhin bei der Pariser Couture Week den Eindruck gewinnen, dass alles wieder so ist wie vor zwei Jahren: Bei 15 Schauen vor Publikum zeigten die Designer wieder ihre Frühjahrskollektionen – in der vergangenen Saison waren es noch halb so viele gewesen. Da sich zuletzt jedoch einige durch „bisous“ auf Distanz infiziert hatten, mussten dieses Mal alle geimpft sein. Den neu eröffneten Raum nutzten die Designer: Laufstege wurden wieder aufwendig ausgestattet, es wurde mit Kunstschaffenden kollaboriert, Stars kehrten zurück in die ersten Reihen.

Chanel, berühmt für aufwendige Schauen, ließ seine Markenbotschafterin, Prinzessin Charlotte Casiraghi, zu Pferde den Laufsteg für die Models im Grand Palais Éphémère vorpflügen, während ihr guter Freund, der French-Electro-Musiker Sébastien Tellier, derweil ein Set oberhalb des Publikums spielte. Auf den gewundenen Rollen, die als Bänke dienten, saßen unter anderen die belgische Sängerin Angèle, Sofia Coppola, Choreografin Blanca Li und Vanessa Paradis. Der Dritte im Kollaborationsbunde war Künstler Xavier Veilhan, der den Laufsteg gestaltet hatte: Es sollte „eine Art Garten”, „ein Minigolfplatz mit einem Springparcours“ sein, so Veilhan in seinem Film zur Schau. Gegenüber dem beeindruckenden Set wirkten die Designs von Virginie Viards jedoch gar verhalten: Tweed-Anzüge in dunklem Blau, weite Tüllkleider, Blümchenmuster, die in ihrer Dichte fast bieder wirken, dazu viele Blazer, meist hochgeknöpft; die langen, vorne offen gestalteten Röcke und Kleider lockerten das alles auf. Absolut irritierend war das Makeup einiger Models, blaue Augen bei jungen Frauen. Hoffentlich ein Sturz vom Pferd.

Ein Model präsentiert eine Kreation der Chanel Frühjahr-Sommer 2022 Haute-Couture-Modekollektion.


Ein Model präsentiert eine Kreation der Chanel Frühjahr-Sommer 2022 Haute-Couture-Modekollektion.
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Bild: picture alliance/dpa/AP

Die belgische Sängerin Angèle bei der Chanel-Schau 2022.


Die belgische Sängerin Angèle bei der Chanel-Schau 2022.
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Bild: Chanel

Bei Dior kollaborierte Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri mit dem indischen Malerpaar Madhvi und Manu Parekh, deren übergroße Gemälde eine vermeintlich schlichtere, aber nicht weniger beeindruckende Kulisse boten. Das Paar, bekannt für seine lebhaften und surrealen Gemälde, die von Erzählungen und Volksgeschichten aus ihrer Kindheit im ländlichen Indien inspiriert sind, zeigte großformatige Gemälde, vor denen die Models liefen – gestickt im Chanakya Ateliers in Mumbai. (Übrigens ist es das erste Mal, dass Chiuri, die oft mit Künstlerinnen zusammen arbeitet, einen Künstler in ihren Kreativprozess einbezog.) Mit Chiruris zurückhaltenden Looks machte sie alles richtig: Die konsequent-eleganten Sechzigerjahre-Looks in sanften Farben von Hellgrau und Sand aber auch Schwarz, wirkten keinesfalls schlicht, sondern entschieden. Chiuri wollte auf die „ursprüngliche Exzellenz” des Hauses verweisen: Die Stickkunst und die Form; Kunst und Handwerk, sollten als eines gesehen werden. So wird etwas vermeintlich Nebensächliches wie Strumpfhosen bei Dior zum Markenzeichen der Kollektion: Aufwendig bestickt, glänzen sie unauffällig zum Kleid.

Dior-Models vor den Bildern des Künstlerpaars Madhvi und Manu Parekh.


Dior-Models vor den Bildern des Künstlerpaars Madhvi und Manu Parekh.
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Bild: Dior

Schiaparelli zeigte zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie eine Kollektion, im Petit Palais. Pressewirksam wurden gleich Rapper Ye und seine neue Freundin, Schauspielerin Julia Fox, in passenden Lederoutfits in die Front Row gesetzt (sie rauchte dort, fast wie in alten Zeiten, E-Zigarette). Allerdings brauchte Daniel Roseberrys Schau keine prominenten Pärchen, um in den sozialen Medien weit geteilt zu werden. Die Schau nahm genau auf die Weise Raum ein, wie Schauen es sollten – durch ihre wunderschönen Entwürfe. Opulente Krägen, breite Schultern, weite Hüte. Man wünschte sich, Irving Penn hätte sie fotografieren können. Die Formen sind in sich so vollendet, dass sie keine große Palette brauchen – Schwarz, Gold, Weiß. Die Stoffe: Samt, Seide, Brokat. Und auch Schiaparelli zeigt sich in seiner Opulenz entschieden: Royal durch bestickte Hofschuhe, sakral durch Augen von Hohepriesterinnen, die von goldenen Taschen blicken. „Zwei Jahre lang habe ich viel über das Surreale nachgedacht”, so Roseberry zu seiner Kollektion. Entstanden ist dabei eine imaginierte Muse, ein Wesen des Himmels, zwischen Außerirdischer und Priesterin: „Ich stellte mir ein Wesen vor, dessen Kleidung den Regeln der Schwerkraft widerspricht.”

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