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„Die Hedgefonds sind angezählt“
Seit Tagen hält die Aktie der amerikanischen Einzelhandelskette Gamestop die Börsen in Atem. Einige Hedgefonds hatten darauf spekuliert, dass der Aktienkurs des Unternehmens fallen würde. Anleger, die sich in sozialen Medien zusammengetan haben, haben dagegen gewettet. Sie treiben seit Tagen den Preis in die Höhe. Am Donnerstag war der Kurs zeitweise auf über 400 Dollar. Im Handelsverlauf fiel er dann wieder unter 200 Dollar.


Laut Daten der Börse Stuttgart war Gamestop die am zweithäufigsten gehandelte Aktie in den vergangenen sieben Tagen. Auch am Donnerstag war das Interesse ungebrochen. Der Handel mit dem Titel erreichte an der Frankfurter Börse und Xetra zusammengenommen einen Handelsumsatz von 44 Millionen Euro.
Handel von Brokern eingeschränkt
In Deutschland konnten Kunden des Neobrokers Trade Republic am Donnerstag nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr handeln. Als Auslöser nannte eine Sprecherin das extrem hohe Handelsaufkommen von einigen normalerweise illiquiden Titeln, darunter Gamestop. Dabei habe es Probleme bei den Handelsplätzen gegeben. In Amerika schränkte am Donnerstag auch der Online-Broker Robinhood den Handel mit Gamestop und weiteren Titeln ein. Dazu zählten auch Aktien von Nokia, Nikola oder Blackberry. Auch auf anderen Handelsplattformen wurde der Handel mit den Gamestop-Aktien ausgesetzt. Die amerikanische Demokratin Alexandra Ocasio-Cortez (AOC) twitterte als Reaktion darauf, dass man dem nachgehen müsse. Hedgefonds könnten die Aktie nach wie vor handeln.

Das Logo der Trading-App Robinhood
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Bild: AP
Im Forum Wallstreetbets auf der Plattform Reddit wird zum Sturm gegen die Hedgefonds geblasen. Mitte Januar wurde laut Daten von Bloomberg kein anderer Titel an der New York Exchange stärker geshortet als der von Gamestop. Zu den Short-Sellern zählen unter anderem die Hedgefonds Melvin Capital und Citron Research. Da die Aktie aber immer weiter steigt, geraten die Hedgefonds zunehmend unter Druck. Melvin Capital erhielt zu Beginn der Woche eine Liquiditätsspritze in Höhe von 2,75 Milliarden Dollar, nachdem das Unternehmen seit Jahresbeginn rund ein Drittel seines Kapitals verloren hatte.
Einige Marktteilnehmer rechnen nun damit, dass die Hedgefonds in die Insolvenz rutschen könnten mit ihrer Fehlkalkulation. Denn um ihre Positionen zu glätten, müssten die Short-Seller die Gamestop-Titel auf dem Markt zu den aktuell sehr hohen Preisen zurückkaufen. Anleger gehen daher von einem Short-Squeeze aus, der die Preise sogar noch weiter in die Höhe treiben könnte. Doch was passiert, wenn die Hedgefonds insolvent werden?
Am Ende bliebe die Investmentbank oder der Broker auf den Verlusten sitzen, sagt dazu Olaf Stotz, Finanzprofessor an der Frankfurt School of Finance. Verluste, die nicht zwingend hoch ausfallen müssten. Der Broker oder die Investmentbank habe dem Hedgefonds ursprünglich die Aktie geliehen. Gerate der Hedgefonds nun in eine Insolvenz, erhielte der Broker lediglich seine Aktie nicht zurück. Hätte er den Wert aber von Beginn an nicht gehabt, also nur auf dem „Papier“ verliehen, würde es sich lediglich um einen Buchverlust handeln. Was dann mit der Aktie passieren würde, wenn der Short-Seller sie nicht zu einem hohen Preis zurückkaufen könnte? „Sie würde in sich zusammenfallen“, sagt Stotz.
Erinnerungen an LTCM
Geht es um das Scheitern eines Hedgefonds, werden sofort Erinnerungen an LTCM wach. Allerdings sind die beiden Fälle nur schwer vergleichbar. LTCM („Long-Term Capital Management“) geriet im Jahr 1998 in Bedrängnis und wurde von einem Konsortium von 14 Wall-Street-Banken unter Federführung der Notenbank Federal Reserve (Fed) vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet, im Jahr 2000 dann aber abgewickelt. Die Partner des Fonds verloren 4,6 Milliarden Dollar. Rechnet man das anhand der Bilanzsumme der damals beteiligten Investmentbank Goldman Sachs hoch, wären dies heute rund 25 Milliarden Dollar.
Der mit viel Prominenz gespickte Fonds setzte zunächst erfolgreich auf Bewertungsunterschiede, vor allem zwischen Staatsanleihen, und nutzte dazu in hohem Maße wenig liquide Zinsderivate. Die Konvergenz der Renditen brachte geringe Erträge, die durch hohen Fremdkapitaleinsatz gehebelt wurden. Als im Zuge der Asien-Krise 1997 die Renditeunterschiede stark gestiegen waren, setzte LTCM auf eine Wiederannäherung. Als aber Russland im Spätsommer 1998 die Zahlungen einstellte, kam es zur Flucht in Liquidität, und die Differenzen stiegen weiter. Weil ähnlich positionierte Marktteilnehmer verkauften, musste auch LTCM Positionen mit hohen Verlusten auflösen.
Regulierung von Hedgefonds
Der Fall führte nur zu vereinzelten Reaktionen der Aufsicht. In Italien etwa wurden Hedgefonds für Kleinanleger verboten, in Deutschland etwa waren diese seinerzeit aber ohnehin nicht zugelassen. In den Vereinigten Staaten entstand 1999 auf Initiative der Börsenaufsicht SEC eine gemeinsame Regulierungsrichtlinie der Behörden. Eine dann 2004 erlassene Verordnung der SEC aber hatte vor Gericht keinen Bestand. Die LTCM-Krise war aber auch ein Mitauslöser für die Gründung des Finanzstabilitätsforums durch die G 7 im Jahr 1998. Im Jahr 2000 legte dieses Vorschläge zur, allerdings indirekten, Regulierung von Hedgefonds vor.
Sollte im Gefolge der Gamestop-Ereignisse ein Hedgefonds zusammenbrechen, scheinen im Zuge einer allgemein höheren Regulierungsneigung indes diesmal Eingriffe denkbar. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren ließ mit Bezug auf Gamestop schon verlautbaren, dass es an der Zeit sei, dass die amerikanische Börsenaufsicht SEC und andere Regulatoren „aufwachen und ihren Job machen“. Unter einem demokratisch geführten Kongress werde Warren dies sicherstellen.
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