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Die Komoren trumpfen auf
Ausgangssperre und Corona-Beschränkungen waren für den Moment vergessen. Tausende Fans feierten auf den Straßen von Moroni ausgelassen ein kleines Sport-Wunder: Das Fußball-Team von den Komoren, einer Inselgruppe im Indischen Ozean, haben sich erstmals für den Afrika-Cup qualifiziert, dafür reichte in der Qualifikationsgruppe G ein 0:0 gegen Togo.
Man kann nicht sagen, dass das Team von Trainer Amir Abdou die Sterne vom Himmel spielt, um den größten sportlichen Erfolg des kleinen Inselstaats zu bewerkstelligen. In den bislang fünf Gruppenspielen erzielten die Südostafrikaner gerade mal vier Tore, davon zwei beim 2:1-Heimsieg gegen Kenia Mitte November in der Hauptstadt Moroni. Doch die stabile Organisation der Mannschaft reicht, um neben Kenia auch den ehemaligen WM-Teilnehmer Togo hinter sich zu lassen und gemeinsam mit dem siebenmalige Afrikameister Ägypten ungeschlagen das Ticket für Kamerun zu lösen, wo im Januar und Februar 2022 das wegen Corona verschobene Kontinental-Turnier ausgetragen wird.
„Wir spielen gemäß unserer Stärken: Disziplin, Organisation und fantastischer Teamgeist“, sagt der in Marseille geborene Amir Abdou. Er hatte die Mannschaft im Januar 2014 mit 43 Jahren übernommen. Damals stand sie auf Platz 198 der Weltrangliste, bei 210 Nationen. Auch Abdou war keine große Nummer: er hatte als Trainer zuvor nur in der sechsten französischen Liga gewirkt. Für ihn sprach, dass er komorische Vorfahren hat. Eigentlich war er auch nur als Assistenztrainer vorgesehen. Doch der als Chef angedachte Henri Stambouli wollte den Job nicht. Und Abdou griff zu.
„Vor allem die Leidenschaft, die unser Team erzeugen kann, macht mich glücklich“, sagte Abdou in einem Porträt auf der Fifa-Homepage, in dem er seine Motivation erklärte, in der kleinen Fußball-Sphäre zu wirken: „Hinter einem Nationalteam steht nicht nur eine Stadt oder eine Region, sondern ein ganzes Land, das Volk einer ganzen Nation. Das verändert alles“.
Die Union der Komoren wird aus einer drei Inseln umfassenden Gruppe im Indischen Ozean zwischen Mosambik und Madagaskar gebildet und hat gerade mal 850.000 Einwohner. Fußball ist der mit Abstand populärste Sport, freilich spielt das Nationalteam bislang keine Rolle in internationalen Wettbewerben. Der Verband wurde erst 2005 in den Weltfußball-Verband (Fifa) aufgenommen. Im Team stehen hauptsächlich Spieler, die im Ausland geboren sind, aber ihre Wurzeln in dem Inselstaat haben. 15 von ihnen spielen in unterklassigen französischen Teams. Stürmer Ahmed Mogni, der für den Drittligaklub FC Annecy spielt, gilt schon als herausragende Figur.
Da auch in Afrika mittlerweile 24 Länder-Mannschaften am Endturnier teilnehmen dürfen, ist die Qualifikation auch kleinerer Fußball-Nationen keine ganz so große Überraschung, wie sie es zu früheren Zeiten gewesen wären. Die Startplätze für Kamerun wurden in zwölf Vierergruppen ausgespielt, bei denen sich nach Hin- und Rückspiel jeweils die ersten beiden Mannschaften qualifizieren.
Auf Platz 130 vorgearbeitet
Mittlerweile haben sich die Komoren unter Abdous Anleitung auf Platz 130 der Weltrangliste vorgearbeitet. Unter den afrikanischen Teams sind sie immerhin die Nummer 36 von 54. Und nun könnte ihnen im letzten Qualifikationsspiel am Montag in Kairo sogar noch der Gruppensieg gelingen. Im Hinspiel hatten die „Coelacanths“ (Quastenflosser) genannten Insulaner dem großen Favoriten Ägypten ein 0:0 abgetrotzt
Bei den Feierlichkeiten nach dem abermaligen 0:0 gegen Togo setzte die Polizei zwar vereinzelt Tränengas ein, um die Menge zu vertreiben, doch die ließ sich davon Berichten zufolge nicht beeindrucken. „Es gibt kein Corona, es gibt keine Ausgangssperre“, riefen sie. Sondern für einen Abend nur Fußball.
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