#Die spanische Folter

Die spanische Folter

Die spanische Eröffnung ist eine der ältesten, die das Schach kennt. Sie wurde schon im 16. Jahrhundert von dem damals führenden Meister Ruy Lopez mit Vorliebe gespielt. Manche nennen sie die „spanische Folter“, weil sie dem Weißspieler oft einen kleinen, aber lange anhaltenden Vorteil verschafft. Oft ist Schwarz die ganze Partie über in der Defensive. So war es auch in der fünften WM-Partie. Jan Nepomnjaschtschi war erstmals in diesem Match die ganze Zeit am Drücker und Magnus Carlsen in der Defensive. Anschließend machten beide Geständnisse, die angesichts des Spielgeschehens verblüffen.

Carlsen meinte, „es ist ein perverser Geschmack, die Verteidigung solcher Stellungen zu mögen, aber von Zeit zu Zeit macht mir das Spaß“. Nepomnjaschtschi scheint jedoch an der Rolle des Folterknechts keinen rechten Gefallen gefunden zu haben. „Wenn man Spanisch auf dem Brett hat, ist man schon nicht erfreut“, befand der Russe. „Natürlich bin ich nicht zufrieden. Heute ging es nicht darum, ob er sich gut verteidigt hat, sondern dass ich meine Möglichkeiten nicht nutzte.“ Zu diesem Gefühl wird auch beigetragen haben, dass er schnell und frei spielte und zwischenzeitlich mal fast eine Stunde mehr Bedenkzeit hatte.

Hier hätte Weiß mit seinem c-Bauern vorrücken sollen. Das war der Zug, den Carlsen fürchtete und nach dem die Kommentatoren und Computer Nepomnjaschtschi im Vorteil sahen.


Hier hätte Weiß mit seinem c-Bauern vorrücken sollen. Das war der Zug, den Carlsen fürchtete und nach dem die Kommentatoren und Computer Nepomnjaschtschi im Vorteil sahen.
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Bild: chess24

Die wohl beste Gelegenheit, mehr aus seinen kleinen Vorteilen zu machen, hatte er im 20. Zug mit einem Vorstoß seines c-Bauern. Nepomnjaschtschi wollte sich die Option aber noch für später offenhalten, weil er nicht sicher gewesen sei, wo er diesen Bauern am liebsten hatte. Schon Anfängern wird eingebläut, mit Bauernzügen vorsichtig zu sein, weil sie ja nie rückwärts ziehen dürfen. Carlsen gab zu, dass er ernstlich besorgt war. Nachdem sein Herausforderer versäumte, den c-Bauern vorzurücken, fand er, „dass ich das Gröbste überstanden hatte“.

Er musste trotzdem noch einige Rückzüge auf die eigene Grundreihe finden, um danach nicht in größere Schwierigkeiten zu geraten. Carlsen konnte der Partie Positives abgewinnen. „Offensichtlich war es nicht berauschend. Abgesehen von der Zugwiederholung am Ende habe ich nicht einen einzigen aktiven Zug gespielt. So gewinnt man nicht viele Partien, aber dass Resultat ist in Ordnung.“ Nach diesem fünften Remis im fünften Spiel ist der Donnerstag in Dubai spielfrei. Das auf 14 Partien angesetzte Match wird am Freitag fortgesetzt.

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