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Die Firma, bei der ich angestellt bin, betreibt ein Zweitwerk in Cheyenne, der Hauptstadt Wyomings. John Braker, der viele Jahre lang in unserem Werk in Wyoming gearbeitet hatte, war für die letzten Jahre seines Berufslebens nach Deutschland in das Hauptwerk versetzt worden. Unsere Schreibtische standen sich gegenüber, und so hatten wir uns angefreundet. Als er vor zwei Jahren in den Ruhestand und zurück nach Amerika ging, sagte er: „Wenn du einmal nach Wyoming kommen solltest, dann besuche mich doch bitte. Meine Frau und ich haben uns ein Haus in Elora im Inegma County gekauft, in dem du immer willkommen bist.“
Im Frühjahr dieses Jahres musste ich tatsächlich für eine Woche in unser Zweitwerk reisen. Ich hängte noch ein paar Tage Urlaub an meine Reise und kündigte John meinen Besuch an. „Fahr mit Greyhound-Bussen von Cheyenne nach Clarksville und miete dir dort einen Leihwagen“, empfahl er mir. Wyoming ist ein fast menschenleerer Staat. In Deutschland leben im Durchschnitt hundertmal so viele Menschen auf einem Quadratkilometer wie dort. Inegma County ist sogar noch dünner besiedelt als der Rest des Staates. In dem County gibt es außer einigen weit verstreut liegenden Farmen nur die fünf kleinen Orte Ashdown, Benton, Clarksville, Dumas und Elora. Jeder Ort ist mit jedem der anderen der vier Orte durch eine schnurgerade Straße verbunden. Direkt am Hauptort Clarksville läuft außerdem noch ein Highway vorbei, über den man aber zu keinem der anderen vier Orte gelangen kann.
Gegen Abend erreichte mein Bus Clarksville. Ich war der einzige Fahrgast, der dort ausstieg. Der Ort bestand nur aus ein paar Dutzend Häusern, einer Tankstelle, einer Kneipe und einem Motel, in dem ich mir ein Zimmer nahm. In der Kneipe könne man auch etwas zu essen bekommen, hatte man mir im Motel gesagt. Als ich den Schankraum betrat, verstummte die Unterhaltung, und die beiden Gäste und der Wirt starrten mich an. Ich ging an die Theke und bestellte mir einen Hamburger mit Pommes frites und ein Pint Bier. Natürlich hatten die drei Männer an meinem Akzent sofort erkannt, dass ich von jenseits des großen Teiches kam, und wollten wissen, was mich nach Wyoming verschlagen hatte. So kamen wir ins Gespräch, und nach einer Stunde und vier Pints Bier kannte ich alle Freuden und Sorgen eines Lebens in Clarksville. Ich erzählte, ich wolle am nächsten Tag nach Elora fahren, um einen Freund zu besuchen, und fragte sie, wie weit es bis dorthin sei und wo ich ein Auto mieten könne. „Einen Wagen können Sie bei Carl an der Tankstelle bekommen“, sagte Abe, der Wirt. „Aber wie weit es bis nach Elora ist, weiß ich nicht genau.“
„Von hier bis Ashdown sind es 50 Meilen und von hier bis Dumas 30 Meilen“, sagte der Mann, der sich mir als Ike vorgestellt hatte. Der zweite Gast, der Jake hieß, ergänzte: „Auch von Benton nach Ashdown sind es 30 Meilen, aber von Benton nach Dumas nur 10 Meilen.“ Ich weiß nicht, ob es Ihnen etwas nützt“, sagte Abe und stellte ein Pint Bier vor mir auf die Theke. „Von Dumas nach Elora sind es 40 Meilen und von Ashdown nach Elora 80 Meilen.“ Mir schwirrte der Kopf von den vielen Zahlen und den vier Pints Bier. Darum beschloss ich, ins Bett zu gehen und mir am nächsten Tag bei der Tankstelle eine Straßenkarte zu kaufen.
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