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Nichts gegen schöne Unterwäsche. Auch gegen Spitzenwäsche ist nichts zu sagen, die Frauenkörper sexy in Szene setzt. Dass raffinierte Dessous an attraktiven jungen Frauen besonders gut aussehen und dass Werbung, die Dessous verkaufen soll, deshalb auf attraktive junge Frauen setzt – geschenkt.
Wenn neuerdings außerdem Models Spitzenhöschen zur Schau stellen, die stark auf die 50 zugehen, wenn also mittelalte Frauen genauso mit herausgestreckter Brust und eingezogenem Bauch vor der Kamera posieren wie ihre jüngeren Kolleginnen, darf man das, wenn nicht als Fortschritt, so doch als Zeichen von Diversität begrüßen. Selbst wenn die meisten Frauen in diesem Alter, gerade wenn sie Kinder geboren und gestillt haben, anders aussehen.
Die Frau hat eben Fans und Feinde
Gegen die Marke Intimissimi, für die Heidi Klum und ihre Tochter Leni jetzt zum dritten Mal auf Plakatwänden und Litfaßsäulen Unterwäsche präsentieren, ist grundsätzlich nichts zu sagen. Die Durchschnittsfrau ganz gleich in welchem Alter kann bei der italienischen Firma bequeme Alltagswäsche kaufen oder dosiert mit Extravaganz experimentieren. Die Teile sind erschwinglich, die Qualität ist okay.
Und Heidi Klum – na gut, diese Frau hat Fans und Feinde. Ihr Erfolg als Geschäftsfrau jedoch insbesondere jenseits des Atlantiks sollte selbst Heidi-Hassern Respekt abnötigen. Wenn dieser Vollprofi seinen Nachwuchs nun selbstbewusst in das Business einführt, ist verglichen mit all den anderen Nepo-Babys, die sich in der Modebranche tummeln, die Starthilfe nur sichtbarer.
Neben der Mutter wird die Tochter zum Kind
Ob Mütter und ihre erwachsenen Töchter Freundinnen sein sollten, dazu kann man unterschiedlicher Haltung sein. Für die einen bedeutet eine Beziehung auf Augenhöhe, dass man die dem Generationengefüge eingeschriebenen Rollen nivelliert und sich als „Besties“ gibt. Die anderen halten ein Minimum an Tabus und Abgrenzung für gesund. Unabhängig davon kann demonstrative Nähe zwischen der großen und der kleinen Klum, Hand in Hand, andere Mütter neidisch machen. Den Stolz auf die eigene Tochter wiederum kennen und verstehen – hoffentlich – alle.
Die neue Kampagne von Intimissimi bleibt trotzdem verstörend. Leni Klum ist gerade 19 geworden. Mit der älteren Frau neben sich wirkt sie deutlich jünger: mehr Lolita denn erwachsen. Zudem macht allein die Anwesenheit der Mutter aus einer jungen Frau – ein Kind. Sorry, Heidi, ausgerechnet kurz vor dem Muttertag: Aber wer sein Kind nicht vor lüsternen Blicken schützt, sondern es nahezu nackt auf dem Präsentierteller serviert, macht sich selbst – zur Puffmutter.
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