#Dividenden-Schock: Das Drama um die Bayer-Aktie, nächster Teil

Inhaltsverzeichnis

Der Leverkusener Konzern streicht die Ausschüttung auf ein Mindestmaß und skizziert seine Nöte sehr offen. Ein weiterer Schritt Richtung Abgrund oder Wendepunkt zum Besseren?

Als wir im November über den „giftigen Cocktail aus höheren Zinsen für den durch den Monsanto-Kauf aufgehäuften Schuldenberg, den weiteren Glyphosat-Klagen und nun auch noch den Schwächen in der Pharmasparte“ berichtet haben, war der Bayer-Aktienkurs gerade an einem Tag um 18 Prozent auf rund 33 Euro in die Tiefe gerauscht. Kein Analyst wollte auf diesem Niveau zum Verkauf der Aktie raten. Im Konzern gebe es Perlen, operativ liefe alles ganz passabel, weswegen mit einer ordentlichen Dividendenrendite zu rechnen sei. Rund 6 Prozent, so die Erwartung der Analysten, werde es geben, etwa 1,80 Euro je Aktie.

Drei Monate später fällt der Aktienkurs bis auf 27,50 Euro. Überraschung am Montagabend: Es werden nur 11 Cent Dividende je Aktie gezahlt und damit nur 0,4 Prozent Dividendenrendite statt 6 Prozent. Bayer verliert damit den Status als verlässlicher, langfristig stabiler Dividendenzahler. Mehr als zehn Jahre hatten die Zahlungen stets 2 Euro bis 2,80 Euro je Aktie betragen.

Die Bestürzung am Markt über die Kürzung hielt sich in Grenzen. Nach einem ersten Schreck und 5 Prozent Kursrückgang auf 27,50 Euro im Handel am Montagabend drehte die Notierung am Dienstag auf gut 29 Euro und damit zeitweise sogar ins Plus. Die Schwierigkeiten von Bayer sind so offensichtlich, dass das Vorgaukeln einer heilen Dividendenwelt nur noch Fassade gewesen wäre, eine teure zumal. 2,4 Milliarden Euro gab es im Vorjahr noch für die Aktionäre, nun gibt es nur noch 100 Millionen Euro.

Anfechtungsklagen vermeiden

Ein Betrag, den Bayer als das „gesetzlich geforderte Minimum“ bezeichnet und auf Nachfrage auf Paragraph 254 des Aktiengesetzes verweist. Dort geht es um mögliche Anfechtungsklagen zur Verwendung des Bilanzgewinns. Die möchte Bayer in jedem Fall vermeiden. Juristischen Ärger hat der Leverkusener Konzern schon zur Genüge. Ob es überhaupt einen Bilanzgewinn gibt und wie hoch der ist, das werden die Anleger am 5. März erfahren, wenn über das Geschäftsjahr 2023 berichtet wird und gleichzeitig der Kapitalmarkttag für Investoren stattfindet, der die weitere Strategie des Unternehmens klarer werden lassen soll.

Dividenden wird es auch dann erst einmal nicht geben. Die fast komplette Streichung gilt zunächst für drei Jahre. Begründet wird dies vom Unternehmen mit „dem aktuellen Schuldenstand von Bayer in Kombination mit hohen Zinsen und einer angespannten Situation beim Free Cash Flow.“ Damit benennt das Unternehmen den eingangs erwähnten Giftcocktail in sehr klaren Worten: Die Schulden seit der Monsanto-Übernahme sind sehr hoch. In der jüngsten Quartalsmitteilung war von einem weiteren Anstieg um fast 3 Milliarden Euro auf knapp 39 Milliarden Euro Nettofinanzschulden die Rede. Im neuen Zinsumfeld lässt sich das nur sehr teuer finanzieren.

Bayer 1 Jahr

BAYER


— (–)

  • 1T
  • 1W
  • 3M
  • 1J
  • 3J
  • 5J

Zur Detailansicht

Und dazu war der „Free Cash Flow“ in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres negativ. Knapp drei Milliarden Euro flossen aus dem Unternehmen ab, keine gute Mischung. Sinnbildlich für die Analysten kommentiert Charlie Bentley vom Analysehaus Jefferies: „Der Schritt ist leicht positiv zu werten. Der Barmittelabfluss wird dadurch deutlich reduziert. Gleichwohl verdeutlicht die Maßnahme auch das Ausmaß der finanziellen und operativen Probleme von Bayer. Es braucht weitere umfangreiche strategische Maßnahmen, um die Bilanz zu reparieren.“

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert