Doppelgänger von Amazon-Chef Jeff Bezos in Venedig

Doppelgänger von Amazon-Chef Jeff Bezos in Venedig

Weißes Hemd, Glatze und ein breites Grinsen: In den Straßen von Venedig wird Cagdas Halicilar gefeiert wie ein echter Star. Der 47 Jahre alte Logistikunternehmer aus Leimen südlich von Heidelberg tritt seit drei Jahren als Doppelgänger von Amazon-Chef Jeff Bezos auf, der an diesem Wochenende in Venedig heiratet. Wir erreichen ihn am Freitagmittag in Deutschland nach seiner Rückkehr – die Arbeit ruft. Am Samstag will er aber schon wieder in die Lagunenstadt reisen.
Herr Halicilar, wie ist die Stimmung in Venedig?

Es ist einfach nur herrlich. Überall, wo ich auftauche, halten die Leute mich für Jeff Bezos. Wenn ich aus dem Wassertaxi aussteige, sind alle Blicke auf mich gerichtet. Das ist der Wahnsinn. In der Stadt kamen die ganzen Restaurantbesitzer zu mir, haben mich gegrüßt und mir alles Gute gewünscht. Obwohl in der Presse stand, dass Jeff Bezos dort nicht willkommen ist.

Das heißt, die Leute erkennen nicht, dass Sie eigentlich gar nicht Jeff Bezos sind?

Nein, gar nicht. Auf dem Markusplatz kamen, schätze ich, Hunderte Leute auf mich zu. Auch ganz viele Schulgruppen. Die wollten alle Fotos mit mir machen. Eine Schulgruppe aus den USA hat im Chor „Der heilige Jeff“ gesungen. Und von einer deutschen Klasse, mit der ich gesprochen habe, meinte ein Schüler: „Der Jeff Bezos kann ja sogar Deutsch.“

Lösen Sie das im Nachhinein auf, dass Sie gar nicht Jeff Bezos sind?

Ich komme gar nicht dazu. Dort sind so viele Menschen auf einmal. Ein paar Leuten habe ich es gesagt, aber die haben das gar nicht richtig wahrgenommen. Irgendwann kamen immer mehr Leute, und ich habe gesagt, wir müssen den Platz wieder verlassen, sonst komme ich gar nicht mehr weg.

Da scheinen Sie sehr gefragt zu sein.

Momentan bekomme ich am Tag 20 bis 30 Mails und Anfragen über Social Media. Die ganze Weltpresse ist hinter mir her. Ich wurde von der „New York Times“ interviewt und von der ganzen italienischen Presse. Auch die „Washington Post“ hat mich angefragt. Sie wissen ja, dass die Zeitung Jeff Bezos gehört. Und aus Asien habe ich mal ein Angebot bekommen, ob ich in Palmöl investieren möchte. Die dachten natürlich, ich wäre der echte Jeff Bezos.

Bei all dem Glamour gibt es auch Proteste wegen der Hochzeit. Aktivisten kritisieren den Massentourismus, die ökologischen Auswirkungen und die Kommerzialisierung ihrer Stadt. Haben Sie davon etwas mitbekommen?

Ja, auf dem Markusplatz waren Demonstranten. Die haben ein Banner hochgezogen. Aber das war alles ganz friedlich.

Kann auch winken wie das Orginal: Der Bezos-Doppelgänger Cagdas Halicilar
Kann auch winken wie das Orginal: Der Bezos-Doppelgänger Cagdas HalicilarAFP

Also brauchen Sie keinen Polizeischutz?

Nein, überhaupt nicht. Keiner hat mich beleidigt oder so. Mittlerweile kennt mich allerdings auch jeder Polizist dort.

Wieso sind Sie überhaupt nach Venedig gereist?

Mit dem Ziel, Jeff Bezos zu treffen.

Ich hatte ein Hochzeitsgeschenk für ihn dabei. Eine Flasche Whiskey, weil er den gerne trinkt. Ich bin am Donnerstag dorthin gelaufen, wo gefeiert wurde. Der Security-Mitarbeiter meinte, dass Jeff Bezos keine Zeit hat und ich es am letzten Tag noch mal probieren soll. Deswegen werde ich am Samstag noch mal dorthin fahren.

Haben Sie Jeff Bezos wenigstens schon aus der Ferne gesehen?

Ja, da stand ich auf dem Steg vor dem Aman-Hotel, wo die Wassertaxis entlangfahren. Die ganzen Leute haben „Jeff“ gerufen und mir gewunken. Ich gehe davon aus, dass Jeff Bezos das irgendwie mitbekommen hat. Als er mit Lauren Sánchez aus dem Hotel kam, sind sie mit dem Boot weggefahren. Als ich gewunken habe, hat er mir vom Boot aus zurückgewunken und einen Daumen nach oben gezeigt. Das war schon ein Highlight. Die ganzen Leute, die hinter mir standen, haben sich nicht mehr eingekriegt.

Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, als Doppelgänger von Jeff Bezos aufzutreten?

Freunde von mir haben mich vor drei Jahren darauf angesprochen, dass ich ihm ähnlichsehe. Ich kannte ihn gar nicht. Sie haben mir ein Bild gezeigt, und ich habe gemerkt: „Der sieht ja so aus wie ich.“ Ich habe ein Foto von mir an eine Doppelgänger-Agentur geschickt und wurde angenommen. Dann ging es erst richtig los.

Ich hatte eine Gastrolle als Jeff Bezos bei der Serie „King of Stonks“, und ich trete auf Messen und Veranstaltungen auf. Ich war zum Beispiel bei der Bootsmesse in Düsseldorf, weil Jeff Bezos ein großer Fan von Booten ist. Hauptberuflich habe ich ein Logistikunternehmen und trete nur als Hobby als Doppelgänger auf. Das mache ich nebenbei.

Haben Sie schon Pläne für die Zukunft?

Ach, ich schaue einfach, was auf mich zukommt, und mache so weiter wie bisher auch. Ich habe da keine besonderen Ziele. Aber ich würde ihn sehr gerne mal treffen, mit ihm Whiskey trinken und gucken, wie er reagiert, wenn wir nebeneinanderstehen.

Jeff Bezos steht auch immer wieder in der Kritik, unter anderem wegen schlechter Arbeitsbedingungen bei Amazon und der Umweltbelastungen durch seinen Lebensstil. Beeinflusst Sie das in irgendeiner Weise?

Ich freue mich einfach, das machen zu können. Mein Vater kommt aus der Türkei, und ich kann auch Türkisch. Als ich einmal dort war, haben die Leute gesagt: „Da ist der Amazon-Boss. Der ist der reichste Mann der Welt.“ Dann habe ich auf Türkisch geantwortet: „Nein, ich bin der ärmste Amazon-Boss der Welt.“

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert