Wenn wir von humanitären Krisen sprechen, ist flächendeckender Hunger meist impliziert, während Durst eher vernachlässigt wird. Ein Fehler, meint die spanische Sozial- und Kulturanthropologin Virginia Mendoza, die das menschliche Streben nach Flüssigkeit ins Zentrum ihres von Maria Meinel übersetzten Buchs stellt.
Ohne Wasser kein Leben. Wenn es versiegt, startet die Wanderung. Mendoza erzählt von den großen Menschheitsbewegungen vor und nach dem Beginn der Sesshaftigkeit und wie die Suche nach Wasser den Wandel bestimmte. Sie verknüpft Anthropologie, Mythologie, Religion, Geologie und Astronomie und gelangt zu einer umfassenden Perspektive auf die menschliche Evolution, etwa bei der Frage, wieso sich ähnliche Entwicklungen annähernd gleichzeitig in räumlich unabhängigen Gegenden vollzogen. Den intellektuellen Unterbau ihrer „Menschheitsgeschichte“ stützt sie durch Zitate berühmter Personen, die jedem der zehn Kapitel vorangestellt sind.
Widmet sie sich im ersten Teil vor allem dem Grundwasser, steht in der zweiten Hälfte das Niederschlagswasser im Zentrum. Das ist komplex und sehr detailreich, aber etwas sperrig und lässt am Ende ähnlich viel Roten Faden erkennen wie ein mäandernder Fluss. Hans Siglbauer
Virginia Mendoza:
Die Suche nach Wasser
Insel Verlag. 332 S., 25 €
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