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In Städten werden Tiere enger zusammengedrängt als in der Natur. Dieses beengte Zusammenleben wirkt sich auch auf ihr Verhalten aus – zum Beispiel bei Mauereidechsen, wie nun eine Studie belegt. Exemplare, die in der Stadt leben, haben demnach mehr soziale Kontakte als auf dem Land lebende Artgenossen. Statt sich zu bekämpfen, leben die „Städter“ öfter friedlich zusammen. Durch diesen Strategiewechsel könnten sie letztlich mehr von den begrenzten Ressourcen in der Stadt haben.
Durch die Urbanisierung schwindet der Lebensraum für viele Tierarten. Infolgedessen leben Menschen oft Seite an Seite mit Tieren, die gezwungenermaßen in die Städte drängen. Manche Arten ziehen daraus jedoch auch Vorteile, darunter die Mauereidechse. Sie gilt als typischer Kulturfolger, der dem Menschen in dessen künstlichen Lebensraum folgt und dort beispielsweise an Bahn- und Straßenböschungen lebt. In der Stadt können jedoch Gebäude und ungleich verteilte Ressourcen die Bewegungsmöglichkeiten der Reptilien einschränken. Dadurch kann es vorkommen, dass sie sich an bestimmten Orten „sammeln“ und öfter auf Artgenossen treffen.
Eidechsen-Begegnungen unter der Lupe
Wie dies das Sozialleben der Eidechsen beeinflusst hat, hat nun ein Forschungsteam um Avery Maune von der Universität Bielefeld untersucht. Dazu verfolgten die Forschenden in der Stadt Rovinj und im Waldpark Zlatni rt lebende Mauereidechsen in Kroatien, die sie mit Klebeband nummerierten. Über 21 Tage hinweg beobachteten sie zwei Mal täglich insgesamt 94 verschiedene Eidechsen und erfassten ihre sozialen Kontakte.
Dabei galt eine Begegnung als Kontakt, wenn sich zwei der Tiere innerhalb von zwei Metern Abstand aufhielten, ohne dass sich ein Hindernis zwischen ihnen befand. Nur friedliche Tätigkeiten wie Sonnen oder Nahrungssuche galten als Kontakt – Kämpfe und Paarungsverhalten wurden nicht berücksichtigt. Anschließend nutzten Maune und ihre Kollegen eine Sozialnetzwerkanalyse – ein Verfahren, das normalerweise in der Verhaltensforschung bei Menschen zum Einsatz kommt –, um die sozialen Beziehungen der Mauereidechsen auszuwerten.
Vom kämpferischen Einzelgänger zum sozialen Wesen
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied zwischen den Kontakten von Stadt- und Land-Eidechsen: Während 81 Prozent der in der Stadt beobachteten Mauereidechsen in den drei Wochen mindestens einmal auf einen Artgenossen trafen, war dies nur bei 23 Prozent der landlebenden Individuen der Fall. Die „Städter“ hatten auch deutlich mehr soziale Kontakte: Sie hatten im Schnitt 1,9 Kontakte, während ihre Artgenossen im Waldpark nur 0,3 hatten.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Mauereidechsen in Städten deutlich mehr Kontakte pflegen und stabilere Bindungen aufbauen als ihre Artgenossen in naturnahen Gebieten“, erklärt Maune. „Das ist bemerkenswert, weil diese Eidechsen normalerweise sehr territorial sind und sich eher aus dem Weg gehen.“ Aber warum sind die in der Stadt lebenden Reptilien geselliger?
Maune und ihre Kollegen erklären sich das vor allem mit der Struktur der Stadt: In Städten sind für die Tiere wichtige Dinge wie Nahrung, Verstecke und Sonnenplätze unregelmäßig verteilt und geballt angeordnet. Dann lohnt es sich für die Eidechsen weniger, diese Ressourcen aggressiv zu verteidigen – ein friedliches Zusammenleben ist vorteilhafter. „Die Fähigkeit, neue soziale Strategien zu entwickeln, könnte entscheidend sein, damit Arten in urbanen Lebensräumen bestehen“, erklärt die Biologin.
Quelle: Avery Maune (Universität Bielefeld) et al., Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2025.0326
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