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Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Dass Donald Trump sich zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats des John F. Kennedy Center for the Performing Arts wählen ließ und in dieser Funktion weitreichende Vorstellungen über Programmänderungen des staatlichen Theater- und Konzerthauses in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten verkündete, nehmen Kunstfreunde in der ganzen Welt als Beleg dafür, dass in Washington ein Banause die Macht ergriffen hat. Als hingegen Hermann Parzinger, der Kanzler des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste, am Sonntag in der öffentlichen Sitzung des Ordens im Berliner Konzerthaus mitteilte, dass der Ordensstifter, der preußische König Friedrich Wilhelm IV., die vom ersten Kanzler Alexander von Humboldt präparierte Liste der ersten Mitglieder nicht komplett absegnete, sondern einzelne Namen ersetzte, war das als Lob gemeint, als Beweis allerhöchster Anteilnahme an Kunst und Wissenschaft, die sich auch in einem persönlichen Urteil ausgedrückt habe.
Parzingers Pointe: Als Schutzherr der Künste habe der im Staatsphilosophischen hochkonservativ denkende König über den politischen Meinungskampf demonstrativ hinweggesehen. Etliche Gründungsritter unterstützten 1848 die Revolution, und ihre Ansichten waren sechs Jahre vorher hinlänglich bekannt. Nachfolger des Königs als Protektor des Ordens ist der Bundespräsident, der früher regelmäßig in den öffentlichen Sitzungen anwesend war. Nach Horst Köhler ist dieses schlichte Zeichen der Wertschätzung, praktizierter Schutz durch den bloßen Akt der Präsenz, außer Gebrauch gekommen.
Ein Angriff auf die Aufklärung
Auch der neue Kulturstaatsminister fehlte im Konzerthaus, aber er hatte am Vorabend zu einem Essen für die Ordensmitglieder geladen und hielt dort eine markante Tischrede. Donald Trumps Vorgehen gegen Harvard nannte Wolfram Weimer ein „Fanal“ und einen „Angriff auf die Aufklärung“. Er habe die Harvard-Universität deshalb in der vergangenen Woche „dazu aufgerufen, einen Exil-Campus in Deutschland zu gründen“. Der Aufruf hat nach Weimers Worten Resonanz gefunden: „Ich kann Ihnen sagen, wir haben am Freitag dazu sehr gute Gespräche gehabt.“ Die Repräsentanten der Universität seien „dankbar und offen“.
Mit wem hat der Staatsminister gesprochen? Auf Nachfrage der F.A.Z. verlautete dazu am Montag aus seiner Behörde: „Es gibt Gespräche mit Harvard. Die gehen weiter. Konkretes kann man dazu aber noch nicht sagen.“ In der Tischrede drückte Weimer bereits seine Freude darüber aus, dass „der Freistaat Bayern offiziell angeboten“ habe, den deutschen Harvard-Campus zu finanzieren.

Ein berühmter Professor aus Harvard, der 1943 in Boston geborene Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt, wurde am Sonntag in den Orden eingeführt. In seiner bewegenden Dankesrede erzählte er, dass er bei seinem ersten Deutschlandaufenthalt, 1966 als Teilnehmer eines Deutschkurses des Goethe-Instituts in Blaubeuren, allen Deutschen der Geburtsjahrgänge 1926 und älter mit Misstrauen begegnet sei – „und auch mit Angst“. Vollständig gewandelt habe sich seine Einstellung, als er von 1996 an für zwei Jahrzehnte dem Wissenschaftskolleg zu Berlin angehörte. Greenblatts Großeltern väterlicherseits und mütterlicherseits waren litauische Juden, die schon in den Neunzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten auswanderten. Er hat im Jahr 2000 in der „London Review of Books“ über seine Familiengeschichte geschrieben.
Unter den Verstorbenen des Ordens, die in derselben Sitzung gewürdigt wurden, war ein Angehöriger des Jahrgangs 1926. So lange ist es noch nicht her, dass Deutschland unter Kollegen und Nachkommen der aus dem Land und in den Tod getriebenen Wissenschaftler und Künstler wieder Vertrauen gewonnen hat. Diese Zeitrelationen sind mitzubedenken, wenn jetzt in amtlichen Ankündigungen der Eindruck eines historischen Rollentauschs erweckt wird. Einen „Exil-Campus“ braucht Harvard nur, wenn es in Amerika nicht bleiben kann, wenn eine Universität im Exil nötig ist, wie sie 1933 in New York gegründet wurde.
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