
Diese beiden Fotos zeigen die gleiche Prachtanemone im Roten Meer – links im Jahr 2022, rechts ein Jahr später. Deutlich zu erkennen ist, dass die Tentakel der Anemone geschrumpft und verblasst sind. Durch hohe Wassertemperaturen sind sie ausgebleicht. Denn in warmem Wasser stoßen die Anemonen genau wie Korallen ihre farbgebenden symbiotischen Algen ab. Clownfische, die in den Tentakeln dieser Blumentiere leben, leiden ebenfalls darunter.
Angrenzend an Länder wie Ägypten oder Saudi-Arabien ist das Rote Meer von Wüstenlandschaften umgeben. Das Wasser ist dadurch etwa 29 bis 32 Grad warm und beherbergt Meeresbewohner, die an diese Temperaturen angepasst sind. Doch in den letzten drei Jahren setzten klimabedingte Hitzewellen und steigende Temperaturen dem Roten Meer immer mehr zu. Für viele seiner Riffbewohner war das verheerend, darunter auch für ein bekanntes Duo: Clownfische und Anemonen.
„Wir hoffen immer, dass Anemonen und Clownfischgruppen Bleichereignisse überleben, wie sie es in den letzten zehn Jahren immer wieder getan haben. Aber es war zuletzt ein Punkt erreicht, an dem es zu extrem war“, erklärt Morgan Bennet-Smith von der Boston University. Bislang galten Korallenriffe im Roten Meer als besonders hitzeresistent. „Die Tatsache, dass selbst dieses thermische Refugium auf unterschiedliche Weise zusammenbricht, ist besonders erschreckend. Es entpuppt sich nicht als der sichere Hafen, für den wir es hielten.“ Die von dem Forschungsteam um Bennet-Smith überwachten Anemonen in den Korallenriffen des Roten Meeres waren etwa sechs Monate lang ausgebleicht. Infolgedessen starben 94 bis 100 Prozent der Clownfische und 66 bis 94 Prozent der Anemonen.
Die Anemonen gehen zugrunde, weil ihnen die Nährstoffe ihrer symbiotischen Algen fehlen. Aber warum sterben die Fische? Eine Hypothese dazu ist auf den Fotos erkennbar: Die Clownfische sind vor den ausgeblichenen Anemonen viel besser sichtbar. „Die Fische fallen mehr auf, verbringen mehr Zeit außerhalb der Anemonen, und sind schlechter durch die Anemonen geschützt“, erklärt Mitautor Peter Buston von der Boston University. „Die Anemonenfische werden so zu leichter Beute. Sie sind keine guten Schwimmer und entfernen sich nicht von ihren Anemonen, so dass sie vermutlich von Raubtieren erbeutet werden.“
Gleichzeitig funktionieren die Nesseln der ausgeblichenen Anemonen schlechter und feuern weniger Giftstachel ab – sie können daher die Feinde ihrer fischigen Mitbewohner schlechter abwehren. Doch selbst wenn sie sich von der Bleiche erholen, ist die Gefahr nicht vorüber: Sobald die Clownfische verschwunden sind, sind die Blumentiere viel anfälliger für ihre eigenen Fressfeinde, wie Schmetterlingsfische, die sich von Anemonen ernähren. Der Verlust dieser beiden wichtigen Arten hat kaskadenartige Auswirkungen auf das Riff, berichten die Forschenden.
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