#Ein Getränk regiert die Welt

„Ein Getränk regiert die Welt“

Es muss im syrischen Aleppo gewesen sein, dass das erste Mal ein Deutscher mit Kaffee in Berührung gekommen ist: 1582 berichtet der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf von einem belebenden Trank, den er ein paar Jahre zuvor auf einer Reise dort getrunken hat. Nicht mal 100 Jahre später eröffnete in Bremen das erste Kaffeehaus. Und von da an wurden die Deutschen nach und nach Kaffeetrinker: Vergangenes Jahr trank man hierzulande pro Kopf ganze 450 Tassen, das rechnete das Portal Statista aus; laut Deutschem Kaffeeverband 169 Liter. Eine ganze Menge also. Und allein schon Grund genug, sich mit dem Kaffee auseinanderzusetzen. Denn die Pflanze und der Trank haben eine wechselvolle, spannende Geschichte voller Legenden, die Lani Kingston in ihrem Buch „In 80 Kaffees um die Welt“ erzählt und ein paar Rezepte für Kaffeespezialitäten aus aller Herren Länder gibt sie auch noch mit.

Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt, dass die Kaffeekultur überall lebendig ist. Dass sie aber in Gefahr sein könnte, erwähnt Kingston nur am Rande: Der Klimawandel macht den Kaffeepflanzen zu schaffen, Anbauflächen und Qualität sinken. Kingston streift das in ihrem üppig bebilderten Coffeetable-Book nur am Rande. Sie konzentriert sich auf den Kult um die Kaffeepflanze und was in aller Welt aus ihr gemacht wurde und wird.

Ursprünglich kommt die Kaffeepflanze aus den Wäldern des heutigen Äthiopiens und Süd-Sudan. Über Jemen setzte ihr Siegeszug ein, und damit auch der der dazugehörigen Getränke und Spezialitäten. Kingston – selbst ausgebildete Barista und bereits Autorin zweier Kaffeebücher – erzählt hier weniger von einem Getränk, als von einer Pflanze.

Frühstückstradition: Kaffee in Italien


Frühstückstradition: Kaffee in Italien
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Bild: Elena Shamis, In 80 Kaffees um die Welt, gestalten 2022

Nicht nur mit der Kaffeebohne kann man einiges anstellen

Sie beginnt ihr Buch mit einer kleinen Kaffeekunde, stellt die verschiedenen Sorten der Kaffeepflanze vor, kommt über Kaffeekirschen und Kaffeebohnen zu ihren Verarbeitungsmethoden und natürlich auch den Röst- und Mahlgraden. Das Herzstück des Buchs ist allerdings die Kaffeeweltreise. Für jede Region, die Kingston vorstellt, erzählt sie kurz, wie der Kaffee dorthin gekommen ist, darauf folgen Rezepte für die lokalen Kaffeespezialitäten. Natürlich darf die westliche Kaffeenation schlechthin den Einstieg machen: Italien. Danach führt die Reise in das Ursprungsland des Kaffees (Äthiopien) und schon wird klar: Überall wird zwar Kaffee getrunken, mit der Bohne und dem Rest der Pflanze kann man aber auch noch einiges anstellen.

In Äthiopien röstet man die Bohnen in Würzbutter und reicht sie anschließend als kleinen Snack. Eine jemenitische Spezialität, die Kingston vorstellt, ist Qishr, ein Tee aus Kaffeebohnenschalen, der mit Zimt, Ingwer und Zucker serviert wird. In Südkorea ist der Dalgona-Kaffee populär, dabei wird Instantkaffee mit Zucker und Wasser zu einer Creme verrührt und anschließend als Topping auf eine Tasse heiße oder kalte Milch gegeben. Der Morning keopi aus Südkorea klingt dagegen gewöhnungsbedürftig: In eine Tasse schwarzen Kaffees wird ein Eigelb gegeben. Das soll den Kaffee weniger sauer machen. Das Getränk sei als Kaffee und Frühstücksmahlzeit dazu gedacht, schreibt Kingston. Und selbst in den skandinavischen Ländern wie Schweden und Norwegen lassen sich Kaffeespezialitäten entdecken, die nichts mit den Getränken in mittlerweile international so beliebten, minimalistisch eingerichteten Hipster-Cafés zu tun haben. Zum Beispiel ein Kaffee mit Käseeinlage, eine Spezialität der Samen.

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