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#Ein Tag in der Zelle und ein harter Vorwurf

Ein Tag in der Zelle und ein harter Vorwurf

Dass es beim FC Barcelona drunter und drüber geht, ist bekannt, doch die Lage wird immer dramatischer. Interimspräsident Carles Tusquets berichtete schon vor Weihnachten von einem drohenden Konkurs, Weltstar Lionel Messi beklagte im Sommer die Ideenlosigkeit des Managements, seit Monaten hat der Verein keinen Vorsitzenden mehr und jetzt, nur wenige Tage vor der Vorstandswahl, ist der ehemalige Klubpräsident Josep Bartomeu auch noch verhaftet worden. Er blieb nur einen Tag in der Zelle, doch der Vorwurf ist hart: Untreue und Korruption bei der Amtsführung legt das Ermittlungsgericht ihm und drei weiteren Kollegen im Vorstand zur Last. Der Schaden für den Verein soll zwischen 840.000 und 1,2 Millionen Euro betragen.

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Der Skandal hat einen Namen: „Barçagate“. Im Herbst 2017 hatte Bartomeu ein Unternehmen mit der Imagepflege in den sozialen Netzwerken beauftragt. Danach erschienen Nachrichten wie: „Viva España. In Piqués ‚Magischer Schachtel‘ ist die Stimmung sehr spanisch.“ Mit der magischen Schachtel ist das moderne Indoor-Stadion im verhassten Madrid gemeint, in dem der Davis-Cup ausgetragen wird.

Mitorganisator ist Barças Innenverteidiger Gerard Piqué. Der Tweet wirft Piqué vor, fürs Geschäft seine Haltung für ein katalanisches Unabhängigkeitsreferendum über Bord zu werfen. Eine andere Nachricht spottete über Barças ehemaligen Trainer Pep Guardiola: „Guardiola am Steuer, immer teuer.“ Guardiola könne kein Auto fahren und ohne Messi auch nicht die Champions League gewinnen, hieß es.

Gegen alle, die die Fans lieben

Der Kurznachrichtendienst hat die Absender dieser Botschaften inzwischen gesperrt. Denn hinter Accounts wie „Respekt und Sport“, „Sport Leaks“ oder „Justiz und Dialog im Sport“ stand dieselbe Unternehmensgruppe, der es vor allem darum gegangen sei, den Vorsitzenden Josep Maria Bartomeu in ein möglichst gutes Licht zu stellen und allen möglichen Rivalen und Gegnern zu schaden. Dies hätten Beschäftigte der Unternehmen bei der spanischen Polizei ausgesagt, berichten spanische Zeitungen. Besonders schlecht für das Ansehen Bartomeus waren alle, die beliebt bei den Fans sind, neben Piqué und Guardiola der ehemalige Mittelfeldregisseur Xavi und Messi. Über Journalisten sollen schwarze Listen geführt worden sein.

Auf Bartomeus Betreiben hin habe der Verein fünf Verträge mit der fraglichen Unternehmensgruppe abgeschlossen, jeden für etwas weniger als 200.000 Euro. Damit hätten die Auftraggeber die Auflage umgangen, die Verträge vom Vorstand absegnen zu lassen. Zudem seien die vereinbarten Leistungen bis zu fünfmal teurer gewesen als marktüblich, so die Ermittler. Damit erheben sie auch den Vorwurf, Bartomeu und mögliche Komplizen hätten in die eigene Tasche gewirtschaftet.

Doch es gibt im Klub auch Stimmen, die die vorläufige Inhaftierung Bartomeus für überzogen halten. So sah der Ermittlungsrichter zum Beispiel keinen Anlass, Bartomeu einen Tag nach seiner Verhaftung durch die Polizei in Untersuchungshaft zu nehmen. Wohl habe Bartomeu die Vereinsmittel zweckentfremdet, aber der Vorwurf der persönlichen Bereicherung sei noch nicht erwiesen. Aber auch ohne eine abschließende juristische Bewertung erstaunt es immer weniger, dass Messi den Verein im Sommer verlassen wollte. Der Sport schien für die Vereinsführung zur Nebensache geworden zu sein.

Vier Sportdirektoren hatte Klubchef Bartomeu in seiner Amtszeit verpflichtet. „Es gibt schon lange kein Projekt, nichts“, klagte Messi. „Ich wollte weg, weil ich meine letzten Jahre als Fußballer glücklich verbringen wollte.“ Im Jahr 2015 gewann er zuletzt die Champions League, danach folgten zwar noch weitere Meisterschaften und Pokalsiege, aber der große Erfolg auf der internationalen Bühne ist seither ausgeblieben. Zuletzt hat PSG die Katalanen im Hinspiel des Achtelfinals der Champions League im heimischen Camp Nou mit einem 4:1 abgefertigt, Messi blieb blass, Mbappé hingegen glänzte auf der Seite der Franzosen.

Es kommt also einiges zusammen: Zum sportlichen Niedergang summieren sich Schulden von mehr als einer Milliarde Euro. Im Januar erreichte der Klub vor Gericht, dass ihm Steuerschulden von einer Million Euro gestundet werden. Es spricht für den Ernst der Lage, dass die Stimmung vor der Vorstandswahl am Sonntag überraschend ruhig bleibt. Eine Schlammschlacht könnte alles noch schlimmer machen. Zur Wahl stehen drei Kandidaten, Joan Laporta, der bereits zwischen 2003 und 2010 Vorsitzender war, Victor Font und Toni Freixa.

Jeder verspricht eine Rückkehr zur erfolgreichen Vergangenheit, verschweigt aber, wie ein hochverschuldeter Verein, der seine Steuern nicht mehr bezahlen kann, einen international schlagkräftigen Kader zusammenstellen soll. Alle drei versprechen auch, Messi zum Bleiben zu bewegen. Seit fast 20 Jahren lebt der 33-Jährige in Barcelona, sein Vertrag läuft im Sommer aus. Er könnte ohne Ablösesumme den Verein wechseln, und bislang sieht es nicht so aus, als hätte er das Glück wiedergefunden, nach dem er sich für seine letzten Jahre als Profi so sehr sehnt.

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