Inhaltsverzeichnis

Eine „Star Trek“-Episode sticht aufgrund der emotionalen Wucht heraus. Die Idee kam dem Autor dabei durch den Anblick eines Luftschiffs.
redaktionelle Arbeit unterstützt. Der Preis für dich bleibt dabei
unverändert. Diese Affiliate-Links sind durch ein Symbol
gekennzeichnet. Mehr erfahren.
In „Star Trek: The Next Generation“ gibt es viele denkwürdige Episoden – doch „Das zweite Leben“ aus dem Jahr 1992 sticht besonders heraus. In dieser Folge wird Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) von einer unbekannten Sonde bewusstlos geschlagen und erlebt im Koma ein ganzes Leben auf einem fremden Planeten namens Kataan.
Dort führt er als der Familienvater Kamin ein erfülltes Leben mit Frau, Kindern und Freund*innen, während in der Realität nur 25 Minuten vergehen. Diese Erfahrung hinterlässt bei Picard einen tiefen emotionalen Eindruck und zeigt, wie stark Erinnerung und Identität miteinander verknüpft sind. Dass dieser berührende Handlungsstrang ursprünglich von einem Werbeluftschiff inspiriert wurde, mag auf den ersten Blick überraschend wirken.
Ihr fragt euch, wie sehr sich „Star Trek“ in den letzten sechs Jahrzehnten verändert hat? In unserem Video könnt ihr euch jenen Wandel anschauen:
Ein Fuji-Luftschiff als „Star Trek“-Inspiration
Drehbuchautor Morgan Gendel verriet in einem Interview mit Nerdist, dass der Auslöser für die Idee der Anblick eines Fuji-Film-Luftschiffs war, das er eines Tages vom Fenster des Kinderzimmers seiner damals fast zweijährigen Tochter aus sah. Gendel erklärte:
„Joe Menosky (ein Autor der Serie, Anm. d. Red.) hatte mir einen Pitch-Termin besorgt und ich wurde langsam nervös, weil ich noch nichts wirklich Frisches oder Originelles hatte. […] Ich sah also diesen Fuji-Blimp, ein Luftschiff, das Werbung für Filmprodukte machte. Und das Ding wirkte damals sehr futuristisch – das war schließlich vor der Digitalzeit. Es sah wirklich futuristisch aus.“
Die Idee, dass eine fliegende Sonde – wie dieses Luftschiff – eine Art Werbung direkt ins menschliche Gehirn übertragen könnte, war der Ausgangspunkt. Ursprünglich stellte sich Gendel sogar vor, dass nicht nur Picard, sondern auch Riker und Ro Laren durch eine solche Technologie in eine simulierte Welt versetzt würden.
Die Fuji-Film-Werbeluftschiffe ähnelten in Aufbau und Wirkung den bekannten Goodyear-Blimps, die gelegentlich über Los Angeles kreisten und bei Nacht mit leuchtenden Werbebotschaften wie fremdartige Raumschiffe wirkten. Gendel schilderte seine erste Idee so:
„[Mein] ursprüngliches Konzept war: Was, wenn die Enterprise auf etwas sehr Merkwürdiges stößt – wie eine Sonde – und plötzlich finden sich Picard, Riker und Ro Laren auf einem anderen Planeten wieder. Mein Konzept war eine antike, aber dennoch futuristische Version des Fuji-Blimps, die quasi TV-Werbung direkt ins Gehirn übertragen kann, sodass man das Gefühl hat, eine Erfahrung tatsächlich zu leben.“
Später wurde die Geschichte zu einem Solo-Abenteuer für Picard umgeschrieben, doch die technologische Grundidee blieb. Bemerkenswert ist, dass Gendel nicht vom emotionalen Bogen der Figur ausging, sondern von der Science-Fiction-Komponente. Viele Zuschauer*innen vermuteten, dass die Episode auf Picards innerem Konflikt basiert – also dem Leben, das er wegen seiner Karriere nie führte. Doch Gendel stellte klar:
„Viele Leute dachten, der Auslöser dieser Episode sei Picards emotionale Reise rund um das ’nicht gelebte Leben‘. Aber in diesem Fall kam zuerst der technische Aspekt der Geschichte, noch bevor es um Picards emotionale Entwicklung ging. Seitdem gab es viele solcher ‚Theater des Geistes‘-Filme – wie Matrix‘ – aber damals gab es davon noch nicht viele.“
Zur Zeit der Erstausstrahlung im Juni 1992 war Virtual-Reality-Technologie noch kaum entwickelt und das Konzept, das eigene Bewusstsein in eine elektronische Simulation zu projizieren, eher Stoff für Romane von Philip K. Dick oder Science-Fiction-Filme. Doch der kulturelle Zeitgeist bewegte sich in diese Richtung: Der Film „Der Rasenmäher Mann“, der sich ebenfalls mit virtueller Realität beschäftigte, erschien nur drei Monate vor „Das zweite Leben“. Gendel traf also einen Nerv der Zeit – mit einer Geschichte, die aus einer Werbeidee eine der emotional tiefgründigsten Episoden der Serie machte.
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.
Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Sozialen Medien kategorie besuchen.