
Was hier auf den ersten Blick wie moderne Kunst aussieht, ist in Wirklichkeit ein zwei Millimeter großes Trompetentierchen beim Abendessen. Der Einzeller lebt in Teichen und Seen und erzeugt mit seinem breiten, wimpernbesetzen Ende Wasserwirbel, die ihm die Nahrung – zum Beispiel Bakterien – direkt ins „Maul“ spülen. Es kommt auch immer wieder vor, dass mehrere Trompetentierchen sich vorübergehend in einer Kolonie zusammenschließen und gemeinsam fressen. In der Gemeinschaft können die Einzeller stärkere Strömungen erzeugen, die mehr Nahrung und auch Beute aus größerer Entfernung einsaugen.
Forschende um Shashank Shekhar von der Emory University in Atlanta gehen nun davon aus, dass dieses Verhalten vor über zwei Milliarden Jahren der Entstehung der Mehrzelligkeit vorausgegangen sein könnte. Damals sei die Devise der Einzeller noch gewesen: „Okay, lasst uns zusammen abhängen und etwas Gutes tun, aber dann werden wir wieder Einzeller. Die Mehrzelligkeit war noch nicht dauerhaft“, erklärt Shekhar.
Aus vorübergehenden Kolonien könnten sich dann irgendwann dauerhafte entwickelt haben, in denen die unterschiedlichen einzelligen Organismen schließlich miteinander zu einem einzigen mehrzelligen „verschmolzen“. Insgesamt ist das in der Geschichte des Lebens auf der Erde in mindestens 25 unterschiedlichen Abstammungslinien unabhängig voneinander geschehen, wie die Forschenden berichten. Der älteste bekannte Fall liegt dabei rund 2,5 Milliarden Jahre zurück. Damals schlossen sich Cyanobakterien erstmals zu fadenartigen Kolonien zusammen.
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