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Die Bruchhauser Steine im Sauerland waren schon vor mehr als 2500 Jahren ein besonderer Ort, wie unter anderem Reste einer Befestigung zwischen diesen hochaufragenden Felsen verraten. Jetzt haben Archäologen in dieser Wallburg eine Grube mit sorgsam positionierten Beilklingen und gemahlenem Quarz entdeckt. Die ungewöhnliche Lage dieser Funde auf einem der vier großen Felsen legt nahe, dass sie im Rahmen einer eisenzeitlichen Kulthandlung dort hinterlassen wurden.
Die vier Bruchhauser Steine krönen als weithin sichtbare Felsformation den 728 Meter hohen Istenberg im Hochsauerland. Die zwischen 45 und 92 Meter hohen Porphyrfelsen sind heute ein Bodendenkmal und Nationales Naturmonument, aber auch schon vor Jahrtausenden spielte diese Felsformationen eine wichtige Rolle. Hinweise darauf geben Reste einer Befestigungsanlage aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Erhalten sind Teile einer mächtigen Bruchsteinmauer, die offenbar einst die Zwischenräume zwischen einigen der Felsen abriegelte, sowie Relikte kleinerer Befestigungen und ein Graben.
Warum die Bruchhauser Steine einst durch eine solche Festigung gesichert wurden, ist bislang ungeklärt. „Die Bruchhauser Steine liegen in einer siedlungsungünstigen Lage, deutlich abseits der bevorzugten Siedlungsgebiete des Hellwegs. Sie sind häufig herausfordernden Witterungsbedingungen ausgesetzt“, sagt Chefarchäologin Sandra Peternek vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Denkbar wäre, dass die Wallburg den nahen Kupfer- und Eisenbergbau schützen sollte, diskutiert wird aber auch eine Nutzung als Kultplatz. Ein im Jahr 2013 gefundenes Armring-Fragment sowie eine absichtlich beschädigte Lanzenspitze, die während der Eisenzeit auf dem Bodendenkmal platziert wurden, legten diesen Verdacht bereits nahe.

Zwei Eisenzeit-Beile und zermahlener Quarz
Jetzt haben die Archäologen einen weiteren möglichen Hinweis auf kultische Handlungen auf den Bruchhauser Steinen entdeckt. Im Jahr 2025 entdeckte der Heimatforscher und beauftragte Metallsondengeher Matthias Dickhaus auf einer Klippe des 45 Meter hohen Feldsteins zwei eiserne Beile, deren Klingen im rechten Winkel zueinander ausgerichtet waren. Er verständigte daraufhin Archäologen um Grabungsleiter Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie für Westfalen. Diese untersuchten den Fundort dieser sogenannten Tüllenbeile im Rahmen einer Ausgrabung näher. Tatsächlich wurde das Team fündig.
Unter den Beilen stießen die Archäologen auf eine Grube im Gestein. „Diese Grube entstand dadurch, dass hier oben auf dem Felsen Quarz abgebaut wurde, der im Ausgangsgestein eingeschlossen ist“, erklärt Zeiler. „Der Quarz wurde noch vor Ort auf einer Steinplatte und mit einem sogenannten Pochstein bis auf wenige Millimeter Durchmesser zerstoßen und zermahlen. Zum Schluss wurde die Grube wieder verfüllt – samt Steinplatte und Pochstein.“ Das Ungewöhnliche daran ist, dass die Menschen der Eisenzeit Quarz auch am Fuße des Felsens finden konnten, wo er viel leichter abgebaut werden konnte.
Ritual nahe der Anderswelt
Die Archäologen vermuten daher, dass der Quarzabbau auf der weithin sichtbaren Felsklippe weniger eine praktische als vielmehr eine religiöse Bedeutung hatte. „Wir fassen hier rituelle Handlungen auf einem der exponiertesten Felsen der Landmarke: Die Menschen bauten Quarz ab, zerkleinerten ihn und abschließend musste die ‚Wunde im Berg‘ wieder verschlossen werden“, erklärt Zeiler. Die Niederlegung zweier Beile auf der Erdoberfläche habe das Ritual dann feierlich beendet. Möglicherweise, so die Vermutung der Archäologen, galt dieser Ort auf dem Gipfel des Istenbergs als eine Stelle, die der Anderswelt der Kelten besonders nahe war – dem jenseitigen Raum von Göttern oder Geistern.
„Die Situation auf dem Feldstein ist außergewöhnlich und lässt erstmals eindeutig erkennen, dass die Felsen der Bruchhauser Steine im religiösen Verständnis der Eisenzeit eine wichtige Rolle gespielt haben“, sagt Peternek. Der Quarz könnte an diesem bedeutsamen Ort im Rahmen kultischer Handlungen abgebaut worden sein. Wie das Team erklärt, wurde zermahlener Quarz in der Eisenzeit häufig dem Ton handgetöpferter Gefäße beigemengt. „Denkbar ist, dass der Quarz vom Feldstein Bestandteil besonderer, vielleicht ritueller Gefäße war“, sagt Zeiler.
Den neuen Funden vom Feldstein ist nun im Informationszentrum Bruchhauser Steine eine eigene Vitrine gewidmet. In ihr sind Repliken der beiden Beile sowie der Pochstein zu sehen, der zum Zerkleinern des Quarzes verwendet wurde. „Wir sind stolz, dass wir nicht nur eine der außergewöhnlichsten Wallburgen Nordrhein-Westfalens bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen, sondern dass immer neue archäologische Puzzleteile unser Bild von der Vergangenheit langsam aufklären“, sagt Nadja de Pierpont-Freifrau von Fürstenberg, Vorsitzende der Stiftung Bruchsaler Steine.
Quelle: LWL-Archäologie für Westfalen
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