Elektronischer Personalausweis: Vieles kann man online erledigen

Elektronischer Personalausweis: Vieles kann man online erledigen

Drei Jahre reist er schon mit uns herum, der neue Personalausweis, den das Bürgeramt der Stadt Frankfurt im Frühjahr 2022 ausgestellt hat. Wie alle seit November 2010 im Checkkartenformat herausgegebenen Ausweise enthält er einen Mikrochip, auf dem die persönlichen und biometrischen Daten wie Name, Geburtsdatum, Anschrift, Geschlecht, Größe, Augenfarbe – und seit 2021 verpflichtend auch zwei Fingerabdrücke – gespeichert sind. Ein Kreis aus zwei halbrunden Balken in Grün und Blau steht als Symbol für die Online-Ausweisfunktion. Die schlummert in unserem Fall bisher ungenutzt im Portemonnaie, weil sie noch nicht freigeschaltet wurde.

Dabei hat der elektronische Personalausweis viel Potential. Dank des Chips ist es möglich, sich im Internet elektronisch auszuweisen und somit Behördengänge und Geschäftliches online bequem von zu Hause aus zu erledigen – ohne vorher ein aufwendigeres Ident-Verfahren per Post oder Video zu absolvieren.

Ausweis gibt Daten nur sparsam weiter

Sicherer ist es noch dazu. Kriminellen, die im Internet gerne Daten und Identitäten abgreifen, macht er das Leben schwer, wie Verbraucherschützer lobend herausstreichen. Denn der Ausweis gibt Daten nur sparsam weiter, sie sind zudem von Ende zu Ende verschlüsselt. Bei der Altersbestätigung etwa wird nicht das exakte Geburtsdatum übermittelt, sondern nur die Information, dass das erforderliche Mindestalter erreicht ist.

Auch wenn Deutschland bei der Digitalisierung im Vergleich zu anderen Ländern in Europa nur Mittelmaß ist, zumindest die Einsatzmöglichkeiten für den digitalen Personalausweis werden immer besser. Die Stadt Frankfurt hat angekündigt, bis 2030 alle kommunalen Leistungen, soweit sinnvoll und rechtlich möglich, papierlos und digital anzubieten. Die Wohnung an- und abmelden oder das Auto zulassen, das funktioniert bereits mit dem Online-Ausweis.

Bei vielen Banken können Kunden inzwischen Konten mit dem Ausweis eröffnen. Das erleichtert Sparern und sogenannten Zinshoppern auch den Wechsel von Tagesgeldkonten. Bisher war dazu die Identifizierung per Video nötig oder der Gang aufs Postamt. Eltern können mit dem Online-Ausweis beim Amt für Ausbildungsförderung Bafög-Anträge stellen und Arbeitnehmer bei der Deutschen Rentenversicherung ihre Altersansprüche einsehen – aus der gesetzlichen Versicherung wie auch aus der betrieblichen und privaten Altersvorsorge.

Registrierung für elektronische Patientenakte

Mit dem Online-Ausweis – oder mit der elektronischen Gesundheitskarte mit Pin – registrieren sich Krankenversicherte erstmalig auch für ihre elek­tronische Patientenakte (ePA), wenn sie diese aktiv nutzen möchten.

Das sei zu kompliziert, hatte in der vergangenen Woche der Chef der Techniker Krankenkasse moniert. Die TK würde gerne wieder das Videoident-Verfahren einführen, das aber aus Sicherheitsgründen bei der ePA nicht mehr erlaubt ist.

Tatsache ist, bevor der elektronische Personalausweis online eingesetzt werden kann, muss die Funktion dafür eingerichtet werden. Das machen nach einer Studie (eGovernment Monitor), die die Technische Universität München regelmäßig einmal im Jahr mit organisiert, um die digitalen Fortschritte in der Verwaltung zu messen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen, bisher nur 22 Prozent. Nach den Zahlen für 2024 nutzen also weiterhin gut drei von vier Personen den Online-Ausweis nicht.

Zum einen fehle das Wissen über den Nutzen und die Anwendungsmöglichkeiten im Alltag, auf der anderen Seite erscheine aber auch die Einrichtung der Online-Funktion vielen zu kompliziert, heißt es.

Hoffentlich ist der Brief mit der Pin noch da

Die Schwierigkeiten fangen für manche schon damit an, dass sie den Brief mit der fünfstelligen Einmal-PIN, die sie beim Ausstellen des elektronischen Personalausweises erhalten und für die Freischaltung der Online-Funktion brauchen, erst einmal zur Seite legen – und dann womöglich später nicht mehr finden. Das ist aber kein Drama. Beim Bürgeramt kann man sich eine neue PIN geben lassen – oder man erledigt die Freischaltung der Online-Funktion gleich direkt bei der Abholung des neuen Personalausweises. In dem Brief steht im Übrigen auch das Sperrkennwort, das bei Verlust des Ausweises unter der Nummer 116 116 angegeben werden muss. Aber auch das Sperrwort kann das Bürgeramt bei Verlust neu setzen.

Um die Online-Funktion des Ausweises freizuschalten, muss zunächst die „Ausweis-App“, die im Auftrag des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von der Governikus GmbH & Co. KG herausgegeben wird, auf das Handy heruntergeladen werden. Das geht auch auf dem Computer oder Tablet, dann aber braucht man meistens noch ein Kartenlesegerät, weil die NFC-Technik gebraucht wird, um den Ausweis mit dem Gerät zu koppeln. Beim Smartphone ist NFC inzwischen Standard. Sind Ausweis-App und Ausweis nur auf dem Smartphone gekoppelt, heißt das aber auch, dass alle digitalen Behördengänge nur über das Mobilfunktelefon erledigt werden können.

Der Koppelungsvorgang, bei dem man den Anweisungen in der App folgen muss, kann etwas dauern. Bei einem älteren Handy ist das mitunter eine etwas zappelige Angelegenheit. Bei unserer Aktivierung auf einem iPhone 8 sprang das Programm immer wieder zurück. Wir brauchten mehrere Anläufe, bis alle Scan-Schritte erledigt und die neue sechsstellige PIN festgelegt war.

Mit dieser PIN, der Ausweis-App auf dem Smartphone und dem Ausweis selbst – er muss jedes Mal bei Nutzung über NFC-Technik eingelesen werden – weist man sich künftig bei allen digitalen Vorgängen, die eine Identifizierung brauchen, aus. So ruckelig der Anfang war, so einfach ist die Nutzung im Anschluss. Wir haben seitdem schon mehrmals aufs Rentenkonto geschaut. Mehr geworden sind die Altersbezüge aber leider nicht.

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