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„„Er war mein Rettungsring““

Eine Wohnung in New York, ein helles Atelier. Vor der Kamera sehen wir Jan Vogler, schwarzer Rolli, blondes Haar, und neben ihm Bill Murray mit Wollmütze und dem Murray-typischen verschmitzten Blick. Zwei Jahre lang ist der Schauspieler Murray mit dem Cellisten Vogler sowie der Violinistin Mira Wang, Voglers Ehefrau, und der Pianistin Vanessa Perez um den Globus getourt, wobei Murray sang und Gedichte intonierte. Zum Ende jeder Show warf er langstielige rote Rosen ins Publikum. Die Dokumentation „New Worlds: The Cradle of Civilization“ widmet sich einem Auftritt des Quartetts in der Athener Akropolis; in Cannes wurde der Film 2021 mit Standing Ovations gefeiert, zumal Murray und die drei Musiker nach dem Film noch ein halbstündiges Livekonzert gaben.
Ein deutscher Cellist mit Weltruf und ein Hollywoodstar mit Kultstatus: Wie haben Sie beide sich kennengelernt?
Murray: Auf einem Flug. Eine junge Frau bekam eine schlimme Angstattacke, und wir beide versuchten, sie abzulenken und zu beruhigen. Zuerst scheuchte ich Jan in die Bordküche, um Eiscreme zu besorgen, dann stopften wir ihr abwechselnd Vanilleeis in den Mund und erzählten beide kleine Geschichten. Danach sagten wir uns: „Das lief doch gut. Vielleicht sollten wir häufiger was zusammen machen. Was tun Sie sonst so?“
Bill Murray wusste vorher nicht, wer Jan Vogler ist?
Vogler: Er hatte mich schon angesprochen, wegen meines Cellos. Er fragte mich, warum das Cello einen eigenen Platz bekommt . . .
Murray:. . . und dann den Fensterplatz in der First Class! Oh, dieses Cello müsste man sein!
Sie haben in 55 Städten eine Show aus Gedichten, Gesang und Instrumentalsoli aufgeführt. Haben Sie, Mr. Murray, plötzlich Ihre Liebe zur Musik wiederentdeckt, wie einst zu Universitätszeiten mit Ihrer Rock-Band The Jenerators?
Murray: Jaja, noch vor Ihrer Zeit (lacht). Ich war sogar der Leadsänger dieser Band.
Hat Jan Vogler Ihre Leidenschaft wieder zum Lodern gebracht?
Murray: Er hatte eine Vision, die mich sofort begeisterte. Er hatte so schnell diese Show im Kopf, hatte gleich seine amerikanische Lieblingsliteratur von Walt Whitman bis Mark Twain bei der Hand, er wusste, welche Musiker die Richtigen wären. Ein Deutscher, ein Amerikaner, eine Chinesin, eine Venezolanerin – und wir passten perfekt zusammen.
Ihre Show „New Worlds: Bill Murray, Jan Vogler & Friends“ wurde zur Doku, die beim Festival in Cannes vorgestellt wurde und nun in den deutschen Kinos anläuft. Wie kam der Film zustande?
Vogler: Nach der Oper von Sydney und der Carnegie Hall in New York war der letzte Gig auf der Akropolis. Eine Freundin von Bill kam auf die Idee, diese Show aufzuzeichnen . . .
Murray: . . . und dann rockten wir die Akropolis!
Wie reagierten Sie, als Ihre Reisebekanntschaft Ihnen die Idee vorgestellt hat?
Murray: Wir spüren sofort, dass die Idee rund ist. Die Stücke passten wie ein Puzzle zusammen, die Band auch, erstaunlich! Schauen Sie, ein Flugzeug wird auch aus Einzelteilen hergestellt, aber nur wenn man es richtig macht, hebt es ab und fliegt. So war das auch bei uns: Wir fügten die Stücke zusammen und hoben ab.
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