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„Es muss auch mal schnell gehen können“
Wer eine sehr große Aufgabe vor sich hat, tut gut daran, sie in kleine Teile zu zerlegen. Das rät einem vom Risikoforscher bis zum Tortenbäcker jeder, der etwas von großen Aufgaben versteht. Das Gute ist, dass die Sache dadurch nicht nur leichter gelingt, sondern meist auch schneller. So funktioniert es auch bei der Riesenaufgabe Pandemie-Bewältigung. Dafür kann es keinen Masterplan geben. Es braucht viele kleine Schritte. Die müssen allerdings wohl gesetzt sein. Und das sind sie leider gerade oft nicht.
Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit den Corona-Selbsttests. Die gibt es inzwischen überall in Apotheken und Drogerien. Jeder kann sich testen, und viele wollen das auch. Entweder weil sie Symptome haben. Oder obwohl sie keine haben. Bei vielen, gerade in den großen Städten, leuchtet die Corona-App seit Wochen tiefrot. Das heißt, es gab engeren Kontakt mit Infizierten.
Da liegt es nahe, sich zu testen, wenn man am nächsten Tag wieder zur Arbeit geht oder das Kind in die Kita bringt oder, weil es ja noch ein Leben jenseits von Pflichten gibt, ins Restaurant will. Wer sich krank fühlt, möchte erst recht wissen, was Sache ist. Hier versuchen also Menschen, ein Wissen zu erlangen, das dabei hilft, die Pandemie zu kontrollieren. Und wer hilft ihnen?
„Kann einige Zeit dauern“ – nur warum?
Ein Problem, bei dem sie Hilfe benötigen, besteht nämlich darin, dass gar nicht alle Selbsttests überhaupt dazu taugen, die Omikron-Variante zu erkennen. Das ist an sich schon betrüblich, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Hafermilch nicht als Hafermilch verkauft werden darf, weil es keine Milch ist. Während der Verbraucher hier übergenau informiert wird, dass er es mit einem Ersatz-, keinem Euterprodukt zu tun hat, muss er bei den Corona-Tests selbst nachlesen, welcher ihn in falscher Sicherheit wiegt. Immerhin hat das Paul-Ehrlich-Institut eine Liste veröffentlicht, welche die Zuverlässigkeit von mehr als zweihundert Antigen-Tests angibt.
Bloß handelt es sich dabei um ein ewig langes PDF-Dokument, bei dessen Lektüre, Schriftgröße Sandkorn, einem die Augen flimmern vor Namen, Abkürzungen und Zahlen. Und das am Riesenbildschirm. Beim Einkauf bleibt nur das Handy.
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Tatsächlich kündigte Gesundheitsminister Karl Lauterbach Anfang Januar an, Abhilfe zu schaffen. Das Paul-Ehrlich-Institut solle eine „Positiv-Liste“ zusammenstellen, mit allen zuverlässigen Tests. Das werde allerdings „einige Zeit“ dauern. Warum eigentlich? Konnte es nicht einfach mal schnell gehen? Tatsächlich entwickelte dann binnen weniger Tage das ehrenamtlich tätige IT-Kollektiv „Zerforschung“ die Seite schnelltesttest.de. Sie basiert auf den Daten des Paul-Ehrlich-Instituts und funktioniert ganz einfach: Barcode der Testverpackung einscannen oder den Namen eintippen, schon kommt das Ergebnis. Das ist kein Quantensprung im Kampf gegen die Pandemie. Aber es ist ein kleiner Schritt, der dem Bürger auf einer steinigen Strecke abgenommen wird.
Der Bürger tut zwar gut daran, mitzuhelfen; Politiker allein können Corona nicht beenden. Doch es stimmt, was die App-Entwickler von „Zerforschung“ auf ihrer Seite schreiben: „Im Jahr 2022 muss Digitalisierung als ein Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge gedacht werden.“ Auch das sind wieder viele kleine Schritte. Aber sie müssen gemacht werden.
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