Europa bremst Hugo Boss | FAZ

Der Vorstandschef des Modekonzerns Hugo Boss, Daniel Grieder, hat die Übernahmeofferte des britischen Handelskonzerns Frasers Group für alle Boss-Aktien zurückgewiesen. In einer Telefonkonferenz zu den Zahlen des zweiten Quartals hat Grieder zwar die langjährige Partnerschaft und die konstruktive Beziehung zu dem britischen Milliardär Mike Ashley an der Spitze von Frasers hervorgehoben, der gegenwärtig rund 21 Prozent der Boss-Aktien hält. Frasers glaube an die Strategie von Hugo Boss und an das Management, sagte Grieder. Die Bewertung von Boss bei der Übernahmeofferte spiegele aber nicht den Unternehmenswert des im M-Dax notierten Unternehmens und das zukünftige Wertschöpfungspotential wider. Dennoch verlor der Schweizer kein böses Wort über Mike Ashley, der in Großbritannien als Enfant Terrible des Einzelhandels gilt.

Die Behauptung, dass Hugo Boss weit größeres Marktpotential habe, konnte Grieder aber zunächst nicht mit Zahlen untermauern. Das Unternehmen litt im zweiten Quartal wegen des Strategiewechsels und der Konsumflaute unter deutlichen Einbußen. Der Umsatz sank währungsbereinigt um neun Prozent auf 905 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) brach um 28 Prozent auf 59 Millionen Euro ein, übertraf damit allerdings die noch geringeren Markterwartungen von durchschnittlich 52 Millionen Euro. Unter dem Strich und nach Anteilen Dritter verdiente Hugo Boss mit 33 Millionen Euro 29 Prozent weniger als vor einem Jahr. Vor allem in den Kernmärkten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich verzeichnete das in Metzingen bei Stuttgart ansässige Unternehmen eine geringere Nachfrage. Zudem machten sich Schließungen im eigenen Einzelhandel sowie eine geringere Fläche im Großhandel bemerkbar. Darüber hinaus hielten sich Händler mit Bestellungen zurück.

Eine Filiale des Modeunternehmens Hugo Boss in Stuttgart
Eine Filiale des Modeunternehmens Hugo Boss in Stuttgartdpa

Hugo Boss will Sortiment und Vertrieb umbauen

Die Anzahl der eigenen Einzelhandelsgeschäfte betrug Ende Juni weltweit 1395, nach 1462 im Vorjahreszeitraum. Hugo Boss steckt mitten in einer Neuausrichtung. Der Bekleidungshersteller hatte Ende vergangenes Jahr angekündigt, das Sortiment und den Vertrieb in den nächsten drei Jahren grundlegend umbauen zu wollen. Die neue Strategie mit dem Namen „Claim 5 Touchdown“ soll unter anderem die Effizienz verbessern.

Grieder sprach nun in der Telefonkonferenz von einem weiteren wichtigen Schritt bei der Umsetzung der neuen Strategie. Das Unternehmen priorisiere langfristige Wertschaffung gegenüber kurzfristigem Umsatzwachstum. Der Fokus liege auf Profitabilität und der Qualität des Geschäfts. Boss nehme dafür bewusst kurzfristige Umsatzeinbußen in Kauf. Das zahlte sich im abgelaufenen Quartal aus: Die ausgewiesene Bruttomarge stieg um zwei Prozentpunkte auf 64,9 Prozent. Zudem seien die Vorräte reduziert und ein starker freier Barmittelzufluss (Free Cashflow) erwirtschaftet worden. Für das Gesamtjahr rechnet Grieder weiter mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ebit werde zwischen 300 und 350 Millionen Euro erwartet.

Frasers bietet 38 Euro je Aktie von Hugo Boss

Der Aktienkurs wurde durch die neuen Zahlen wenig beeinflusst, er pendelt seit Wochen um den Angebotspreis von Frasers Group, der 38 Euro je Aktie beträgt. Das Angebot der Briten läuft noch bis zum 13. August, es lag nur wenig höher als der Boss-Kurs der zurückliegenden Monate, der um 36 Euro pendelte.

Für den Ausgang des britischen Übernahmevorhabens hat die Genehmigung der EU-Kommission eher wenig Bedeutung. Von dort hieß es, einer möglichen vollständigen Übernahme stehe nach den Wettbewerbsregeln der EU nichts entgegen. Die beiden beteiligten Unternehmen hätten wegen ihrer Marktpositionen nur begrenzte Marktmacht.

Adressat des Übernahmeangebots ist in erster Linie der Streubesitz, auf den  derzeit nach Unternehmensangaben rund 48 Prozent entfällt. Dass die italienische Unternehmerfamilie Marzotto, die über die Zignago Holding und das Family Office PFC zusammen 14 Prozent an Hugo Boss hält, ihre Anteile abgeben wird, gilt dabei als sehr unwahrscheinlich. Die italienische Familie von Textilunternehmern hatte 1991 Boss von den Firmengründern übernommen, doch nach Streit in der großen Familie wurde das einstige Imperium zerschlagen. Der Bekleidungshersteller hatte einst auch schon dem Finanzinvestor Permira gehört, der gleich nach Übernahme der Kontrolle durch Auszahlung einer großen Sonderdividende von sich reden machte. Permira war 2007 über den Kauf des italienischen Modeunternehmens Valentino zur Hugo-Boss-Mehrheit gekommen. 2009 hatte der Investor den deutschen Hersteller aus dem italienischen Konzern herausgelöst und in die Holding Red & Black eingebracht. Valentino ging 2012 an einen Investor aus dem Golfstaat Qatar. 2011 hatte sich Permira dann erstmals von Anteilen an Hugo Boss getrennt. Weitere Anteilsverkäufe erfolgten dann in den Folgejahren.

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