FC Bayern München holt Supercup, verliert aber Woltemade-Poker

FC Bayern München holt Supercup, verliert aber Woltemade-Poker

Der letzte Moment in Freiheit für viele Monate hätte schöner sein können. Der Kadaku hing seitlich an dem Gepäck, das ein Betreuer des FC Bayern Richtung Mannschaftsbus schob. Niemand schien sich mehr für ihn zu interessieren. Er wirkte auch etwas traurig, dabei hatten ihn die Spieler zuvor liebevoll über den Rasen des Stuttgarter Rasens geschleppt, auf den Schultern getragen und ihm sogar bei der Siegerehrung einen prominenten Platz zugewiesen.

Seit dem Gewinn des Meistertitels im vergangenen Mai ist dieser Vogel aus Porzellan beim FC Bayern zuhause. Er war damals spontan von einem Münchner Nobelrestaurant abgeworben und sozusagen in den Kader integriert worden, darf aber nur bei Titelfeiern dabei sein.

Als am Samstag die kleine Rasenparty nach dem 2:1-Sieg über den VfB Stuttgart im Supercup, der nun Franz-Beckenbauer-Supercup heißt, beendet war, trat der Kakadu deshalb einen längeren Urlaub an. Sein nächster Einsatz ist für das nächste Frühjahr geplant, wenn es für die Bayern wieder um Titel geht. Voraussichtlich.

Es gibt noch ein Hintertürchen

Der Supercup-Erfolg gegen den Pokalsieger war für den Meister allerdings nicht nur eine Gelegenheit, das Stemmen von Pokalen zu üben und den Vogel hervorzuholen. Es gab Trainer Vincent Kompany und seiner Mannschaft vor allem die Gewissheit, in der sehr kurzen Vorbereitung auf die neue Saison einiges richtig gemacht zu haben – trotz des späten Gegentreffers von Jamie Leweling, der noch für etwas Spannung in den letzten paar Minuten sorgte.

„Es ging darum zu zeigen, dass wir da sind“, sagte Joshua Kimmich. Zugleich aber ist dieser Titel auch mit einer empfindlichen Niederlage gegen Stuttgart verbunden: die im Gerangel um den Stuttgarter Stürmer Nick Woltemade. VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle hatte vor dem Spiel bei Sky bestätigt, dass die Akte geschlossen sei, auch die Bayern sehen das so. Obwohl: Ein kleines Hintertürchen lassen sie sich noch offen. „Das Transferfenster schließt am 1. September“, sagte Sportdirektor Christoph Freund. „Im Fußball kannst du nie etwas hundertprozentig ausschließen. Aber Herr Wehrle hat ja schon etwas dazu gesagt.“

Die Partie in Stuttgart zeigte auch, dass die Münchner Offensive den hohen Ansprüchen genügt – allerdings nur, wenn nicht noch weitere Verletzungen dazukommen. „Von der Quantität her“, sagte Freund, „sind wir vorne nicht so groß aufgestellt“. Den drei Abgängen von Thomas Müller, Leroy Sané und nun auch noch Kingsley Coman steht nur eine Neuverpflichtung für diesen Mannschaftsteil gegenüber. Luis Díaz gelang mit seinem Treffer zum 2:0 per Kopf (das 1:0 hatte Harry Kane erzielt) ein gutes Pflichtspiel-Debüt, bis zu seinem Tor war die Leistung allerdings noch ausbaufähig.

Kapitän Manuel Neuer hat das Gefühl, dass „noch was passiert“, dass der Kader der Bayern also noch Zuwachs bekommt. Kaum war klar geworden, dass es mit Woltemade eher nichts werden wird, hatten die oft, aber eben nicht immer gut informierten sogenannten Transferexperten in den sozialen Medien bereits einen neuen Kandidaten für die Bayern präsentiert: Christopher Nkunku vom FC Chelsea.

Nkunku ist kein Stammspieler

Der Name des ehemaligen Leipzigers war vor ein paar Wochen schon einmal gefallen, verschwand wegen Woltemade aber schnell wieder von der (vom Verein unbestätigten) Liste der Kandidaten. Das Anforderungsprofi, möglichst mehrere Positionen in der Offensive spielen zu können, passt beim Franzosen, er hat mit seinen 27 Jahren auch mehr Erfahrung als Woltemade und ist günstiger zu haben: von einer Ablösesumme von 30 bis 40 Millionen Euro ist zu lesen.

Allerdings wissen die Bayern nicht so genau, wie groß das Potential des Spielers ist. Der Wechsel von Leipzig in die Premier League vor zwei Jahren war für Nkunku nicht der erhoffte nächste Karriereschritt. Zuerst bremsten ihn Verletzungen, dann war er nicht gut genug, um unumstrittener Stammspieler zu sein.

DSGVO Platzhalter

Sein Marktwert beträgt laut transfermarkt.de rund 35 Millionen Euro, bei seinem Wechsel 2023 war er rund doppelt so viel wert. Nkunku würde mehr Qualität auf die Reservebank der Bayern bringen, aber im Moment wären die Aussichten auf einen Stammplatz sicher nicht größer als bei Chelsea.

Die Transferpolitik der Bayern erweckt gerade wieder einmal den Eindruck, dass kein großes Konzept dahintersteckt, dass sie auf dem Markt vor allem reagieren, zu selten selbst agieren. Weil sie Coman gehen ließen, sind sie nun fast gezwungen, noch einen Spieler für die Offensive zu holen – außer sie entscheiden sich dafür, auf den Nachwuchs zu setzen. Die Optionen sind jetzt, zwei Wochen vor Ende der Transferfrist, nicht mehr so groß.

Freund will aber nichts von Hauruck-Aktionen wissen, er versteht die Kaderplanung als „Prozess“. Man sei „in ständigem Austausch mit der Scouting-Abteilung“, sagt er, nicht erst seit dem Abschied von Coman seit ein paar Tagen. Die Suche nach einem neuen Spieler ist bei den Bayern also doch mit einer längeren Planung verbunden, meistens jedenfalls. Und es soll sogar vorkommen, dass diese Planungen selbst beim gläsernen FC Bayern mal etwas länger geheim bleiben.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert