Felsenkammer mit 22 Sarkophagen entdeckt

Felsenkammer mit 22 Sarkophagen entdeckt

Am Nilufer gegenüber der Stadt Luxor liegt eine der größten Nekropolen des alten Ägypten. Bei Ausgrabungen in einem der schon bekannten Grabmäler nahe Qrna haben Archäologen nun eine Felsenkammer entdeckt, in der 22 bemalte Holzsarkophage samt Mumien aus der Dritten Zwischenzeit vor rund 3000 bis 2600 Jahren aufgestapelt waren. Die Identität der Toten ist noch ungeklärt ist. Einige der Sarkophage tragen aber die Berufsbezeichnung „Singer des Amun“.

Die Dritte Zwischenzeit war für Ägypten eine Zeit des allmählichen Niedergangs. Mit dem Ende der Herrschaft von Ramses XI. um 1070 vor Christus endete das Neue Reich und die Regierungszeit der Ramessiden. Das Land war in mehrere Königreiche zerfallen, im Nildelta und in Unterägypten kamen Herrscher libyscher Herkunft an die Macht. In Theben, dem Regierungssitz des oberägyptischen Königsreichs, gewannen zudem Hohepriester des Amun immer mehr Macht. Die Dritte Zwischenzeit endete, als Assyrer unter ihrem Herrscher Assurbanipal über Nubien bis nach Theben vorrückten und die Königsstadt verwüsteten. Bis dahin wurde jedoch die große Totenstadt von Theben am westlichen Nilufer weiter für die Bestattung hochrangiger Toter genutzt.

Sarkophag
Die 3000 bis 2600 Jahre alten Sarkophage sind reich bemalt. © Ministry of Tourism and Antiquities

Felsenkammer mit 22 Sarkophagen

Jetzt haben Archäologen der ägyptischen Altertumsbehörde und der Zahi-Hawass-Stiftung in dieser Nekropole das Versteck von gleich 22 Sarkophagen aus der dritten Zwischenzeit entdeckt. Den Fund machte das Team unter Leitung von Zahi Hawass bei Ausgrabungen in Bereich des schon bekannten Grabmals von Djeserkaraseneb aus dem 14. Jahrhundert vor Christus, einem Hofbeamten unter Thutmosis IV. In der Südwestecke des Hofs dieser Grabanlage stießen die Archäologen auf eine rechteckige, in den Fels gegrabene Kammer.

In dieser Kammer standen 22 reich bemalte Holzsarkophage in ordentlichen Reihen nebeneinander und übereinander gestapelt: „Die alten Ägypter nutzten den Platz in der Kammer optimal aus, indem sie die Sarkophage in zehn horizontalen Reihen platzierten und die Deckel von den Särgen getrennt stapelten“, berichtet die Altertumsbehörde. Das Holz der Särge ist bereits stark angegriffen, so dass sofortige Konservierungsmaßnahmen nötig waren. Dennoch ist die Bemalung auf dem Gipsüberzug der Sarkophage noch gut zu erkennen. Datierungen zufolge stammen diese Sarkophage aus der Zeit der 21. bis 25. Dynastie und damit aus der Dritten Zwischenzeit.

Mumien von Amun-Sängern?

Das Besondere jedoch: Die Sarkophage sind nicht leer, sondern enthalten noch Mumien. Offenbar wurden diese Toten mitsamt ihren Särgen aus ihren ursprünglichen Grabstätten entnommen und in diesem Versteck aufbewahrt – möglicherweise zumSchutz vor Grabräubern. Die Archäologen versuchen zurzeit, die genaue Herkunft der Sarkophage und ihre ursprünglichen Ruhestätten zu identifizieren. Laut Zahi Hawass ist der Fund dieser Sarkophage samt Mumien außergewöhnlich. „Er enthüllt neue Geheimnisse aus der dritten Zwischenzeit und liefert uns mehr Informationen über diese Periode“, so der Archäologe.

Wer die Toten waren, ist jedoch noch unklar, denn die Sarkophage tragen keine persönlichen Namen. Dafür finden sich aber Berufsbezeichnungen auf den Särgen: „Der am häufigsten vorkommende Titel ist der eines ‚Sängers von Amun’“, berichtet Hisham El-Leithy, Generalsekretär des Obersten Rats für Altertümer. Demnach könnten diese Toten zu einer Gruppe von Sängern gehören, die bei Zeremonien im Amun-Tempeln zum Einsatz kamen. Das Team ist noch dabei, die Malereien und Inschriften auf den Sarkophagen auszuwerten. Sie hoffen, so mehr Hinweise auf die Identität der Toten zu erhalten.

Tongefäße und acht Papyrusrollen

Neben den Sarkophagen und Mumien enthielt die Felsenkammer auch mehrere Tongefäße, in denen wahrscheinlich Mumifizierungszutaten gelagert wurden. In einem besonders großen Tongefäß entdeckten die Archäologen zudem acht Papyrusrollen, die teilweise noch das Original-Tonsiegel tragen, mit den sie verschlossen wurden. Die nähere Analyse dieser Schriftrollen und ihres Inhalts wird jedoch noch dauern: „Diese Papyri sind ein Informationsschatz, deren Inhalte erst nach Vollendung der Präparation und Restaurierung enthüllt werden können“, so die ägyptische Altertumsbehörde.

Quelle: Ministry of Tourism and Antiquities

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