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Morgens essen wie ein Kaiser, abends wie ein Bettler – dem Volksmund nach spielt es eine Rolle, wieviel wir wann essen. Was dahintersteckt, hat nun ein Forschungsteam genauer untersucht. Dafür aßen Testpersonen entweder morgens viel Fett und abends eher Kohlenhydrate oder umgekehrt. Proben aus dem Fettgewebe zeigten, dass sich je nach Zeit der Fett- und Kohlenhydrataufnahme die Aktivität von mehr als tausend Genen veränderte: Eine fettreiche Mahlzeit am Abend aktivierte entzündungsfördernde Gene, wurden die Fette hingegen primär morgens verzehrt und abends eher Kohlenhydrate, begünstige dies die Insulinsensitivität im untersuchten Fettgewebe. Das legt nahe, dass der Volksmund zumindest in Teilen Recht hat: Eine zu fettreiche Mahlzeit am Abend wirkt sich eher ungünstig auf den Stoffwechsel aus.
Unsere Biologie und auch unser Stoffwechsel sind vom Tagesrhythmus und der inneren Uhr geprägt. Veränderungen der Geneaktivität, der Hormonausschüttung und zellulärer Reaktionen beeinflussen fast alle Prozesse in unserem Körper – auch die Verdauung. Studien zeigen, dass beispielsweise die Fettverbrennung und die Blutzuckerregulation im Verlauf von 24 Stunden schwanken und charakteristische Rhythmen aufweisen. Doch was bedeutet dies für eine gesunde Ernährung oder das Abnehmen? Gängiger Annahme nach müsste es günstiger sein, bestimmte Nährstoffe wie Fett, Proteine oder Kohlenhydrate dann zu konsumieren, wenn der Körper sie gut verarbeiten kann – damit der Blutzucker nicht zu lange ansteigt und überschüssige Energie nicht in Fettpolstern landet.
Fette zum Frühstück oder zum Abendbrot?
Tatsächlich belegen Studien, dass der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme für den menschlichen Stoffwechsel eine Rolle spielt. „Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass spätes Essen mit Gewichtszunahme, Störungen im Energieverbrauch sowie mit Veränderungen in den zirkadianen Rhythmen von Appetit, Stress- und Schlafhormonen verbunden ist“, berichten Jorge Soliz-Rueda vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und seine Kollegen. Sie haben nun untersucht, ob und wie sich die Zusammensetzung der morgendlichen und abendlichen Mahlzeiten – insbesondere in Bezug auf Fett und Kohlenhydrate – auf den Stoffwechsel auswirkt. Im Fokus stand dabei die zeit- und ernährungsabhängige Genaktivität im Unterhautfettgewebe von 29 übergewichtigen Männer ohne Diabetes oder Stoffwechselerkrankungen.
Während der Studie folgten die Probanden jeweils vier Wochen lang einem von zwei verschiedenen Ernährungsplänen. Diese waren in Bezug auf die aufgenommenen Kalorien identisch, unterschieden sich aber in der zeitlichen Verteilung von Fett und Kohlenhydraten: In einem Durchgang erhielten die Testpersonen ein kohlenhydratreiches Frühstück mit geringem Fettanteil und abends eine Mahlzeit mit 50 Prozent Fettgehalt, aber wenigen Kohlenhydraten. Im zweiten vierwöchigen Versuchsdurchgang war es umgekehrt. Auf die vierwöchigen Interventionen folgten 12-stündige Untersuchungstage mit kohlenhydratreichen und fettreichen Mahlzeitentoleranztests. Drei Mal während der Untersuchungstage – morgens, mittags und abends – entnahmen die Forschenden Proben aus dem Unterhautfettgewebe, die sie auf verschiedenen biochemische Parameter und ihre Genaktivität hin analysierten.

Einfluss auf Insulinsensitivität und Entzündungsmarker
Die Analysen ergaben, dass sich die Genaktivität im Fettgewebe im Tagesverlauf verändert – und dass Art und Ausmaß dieser Veränderungen auch durch die tageszeitliche Nährstoffverteilung beeinflusst wird. „Wenn sich die Zusammensetzung der morgendlichen und abendlichen Mahlzeit verändert, dann verursacht dies eine tiefgreifende Umstellung des Transkriptoms im Fettgewebe“, schreiben Soliz-Rueda und seinen Kollegen. Je nach Ernährungsplan unterschieden sich die Gruppen in einem Drittel der 1.386 im Tagesverlauf variierenden Gene. Einige dieser Gene hatten einen veränderten Tagesrhythmus, andere stellten ihre zirkadianen Schwankungen ganz ein oder wurden von nicht oszillierenden Genen zu zirkadian veränderlichen. Unter diesen Genen waren auch solche, die den Zucker- und Fettstoffwechsel sowie Entzündungsprozesse steuern.
Eine fettreiche Kost am Morgen und kohlenhydratreiche Nahrung am Abend förderte beispielsweise genetische Marker, die die Insulinsensitivität des Fettgewebes erhöhen – dies könnte sich positiv auf den Zucker- und Fettstoffwechsel auswirken. „Das zweite wichtige Ergebnis war der große Effekt der Ernährung auf entzündliche Prozesse im Gewebe“, berichtet das Team. Aßen die Probanden abends fettreich, erhöhte dies die Aktivität von Genen, die verschiedenen Immunreaktionen und Entzündungen fördern. Eie ungünstige Nährstoffverteilung im Tagesverlauf könnte dem nach entzündliche Prozesse im Fettgewebe fördern, die als Risikofaktor Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes gelten.
Besser morgens fettreich als abends
„Unsere Ergebnisse bestätigen erste Erkenntnisse, nach denen die Verschiebung der Makronährstoffverteilung über den Tag die metabolischen Prozesse im Fettgewebe messbar beeinflusst“, sagt Seniorautorin Olga Ramich vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. „Späte, fettreiche Mahlzeiten könnten demnach ungünstige molekulare Prozesse anstoßen, die möglicherweise langfristig Entzündungen und Stoffwechselprobleme fördern.“ Diese Erkenntnisse könnte neue Ansatzpunkte für die Prävention von Übergewicht und Typ-2-Diabetes bieten. „Neben Kalorienmenge und Nährstoffzusammensetzung könnte zukünftig auch das Mahlzeiten-Timing ein wichtiger Bestandteil personalisierter Ernährungsempfehlungen sein“, erklärt Ramich. Sie betont aber auch, dass erst noch längere Studien mit mehr Probanden nötig sind, um konkrete Ernährungsempfehlungen aus diesen Ergebnissen abzuleiten.
Quelle: Jorge Soliz-Rueda (Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke) et al., Food Research International, doi: 10.1016/j.foodres.2026.118685
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