Fossile Mischung aus Schlange und Eidechse

Fossile Mischung aus Schlange und Eidechse

Schlange oder Eidechse? In Schottland haben Forschende ein 167 Millionen Jahre altes Fossil mit einer außergewöhnlichen Kombination von Merkmalen entdeckt. Kiefer und Zähne erinnern an heutige Schlangen, der Körper ähnelt dagegen dem einer Eidechse. Der Fund wirft neue Fragen zur Evolution der Schlangen auf. Handelt es sich um eine Ur-Schlange mit Beinen? Oder hat eine ausgestorbene Gruppe von Eidechsen separat ein schlangenähnliches Gebiss entwickelt?

Eidechsen und Schlangen gehören beide zu den Schuppenkriechtieren, auch Squamaten genannt, sind jedoch nur entfernt miteinander verwandt. Ihre letzten gemeinsamen Vorfahren lebten vor rund 190 Millionen Jahren. Immer wieder stießen Paläontologen jedoch auf schlangenartige Kieferknochen in unmittelbarer Nähe zu Knochen mit geckoähnlichen Merkmalen. Da die Fossilien aber nicht vollständig waren und zu unterschiedlich schienen, gingen einige Forschende davon aus, dass sie zu zwei verschiedenen Tierarten gehörten. Andere stellten die These auf, dass es sich um eine heute ausgestorbene Gruppe räuberischer Schuppenkriechtiere namens Parviraptoridae handelte.

Mosaik aus Merkmalen

Ein neues Fossil bringt nun Licht ins Dunkel: Bereits im März 2015 hat ein Team um Roger Benson vom American Museum of Natural History in New York bei Ausgrabungen auf der schottischen Isle of Skye eine 167 Millionen Jahre alte, weitgehend vollständige fossile Echse entdeckt, die sowohl Merkmale von Schlangen als auch von Eidechsen aufweist. Nach zehn Jahren detaillierter Untersuchungen haben die Forschenden nun ihre Ergebnisse veröffentlicht. Sie gaben der neu entdeckten Art den aus dem Gälischen entlehnten Namen Breugnathair elgolensis, was so viel wie „falsche Schlange von Elgol“ bedeutet. Elgol ist das schottische Dorf, in dessen Nähe das Fossil gefunden wurde.

„Schlangen sind bemerkenswerte Tiere, die sich nach bisherigem Wissensstand aus echsenähnlichen Vorfahren mit langen, gliedmaßenlosen Körpern entwickelt haben“, sagt Benson. „Breugnathair hat schlangenähnliche Zähne und Kiefer, ist aber in anderer Hinsicht erstaunlich primitiv.“ So ähneln zwar die hakenförmig gebogenen Zähne denen heutiger Pythons und auch der Kiefer ist schlangenartig aufgebaut. Die Form des Kopfes dagegen erinnert eher an einen Waran und der Körper weist große, deutlich ausgeprägte Gliedmaßen auf, wie sie typisch für urtümliche Geckos sind.

Schlangen-Vorfahr oder Ur-Echse?

Obwohl die Knochen bei ihrem Fund ungeordnet waren, passen sie den Forschenden zufolge so gut zusammen, dass sie eindeutig einem einzigen Individuum zugeordnet werden können. Damit belegt das Fossil, dass schlangen- und echsenartige Merkmale wirklich im gleichen Tier vorkommen können und die Parviraptoridae tatsächlich eine eigenständige Tiergruppe waren. Breugnathair war mit einer Körperlänge von rund 40 Zentimetern eine der größten Echsen des damaligen Ökosystems und ernährte sich wahrscheinlich von kleineren Echsen, frühen Säugetieren und jungen Dinosauriern. Die Wachstumsringe an den Knochen lassen darauf schließen, dass das gefundene Individuum mindestens neun Jahre alt war.

Doch die Entdeckung wirft auch neue Fragen auf: „Das Mosaik von Merkmalen könnte entweder darauf hindeuten, dass die Vorfahren der Schlangen ganz anders waren, als wir es erwartet haben“, erklärt Benson. „Oder es ist ein Hinweis darauf, dass sich schlangenähnliche Prädationsstrategien in einer primitiven, ausgestorbenen Gruppe separat entwickelt haben.“ Ob es sich bei Breugnathair um einen urtümlichen Vorfahren der Schlangen handelte, oder ob sich der schlangenartige Kiefer in einer von den Schlangen unabhängigen Gruppe von Squamaten konvergent entwickelt hat, können die Forschenden auf Basis der bisherigen Funde nicht beantworten. „Das Fossil bringt uns ziemlich weit, aber es bringt uns nicht den ganzen Weg“, sagt Benson. „Aber es macht uns noch neugieriger auf die Möglichkeit, herauszufinden, woher Schlangen kommen.“

Quelle: Roger Benson (American Museum of Natural History, New York, USA) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-025-09566-y

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