Fränkische Medaillen

Fränkische Medaillen

Tünnes, der eigentlich Antonius heißt, ist ein Onkel meiner Frau und lebt in Köln. Als wir ihn vor einiger Zeit besuchten, fragte er uns, wann wir das letzte Mal im Dom gewesen seien. „Ich war noch nie dort“, gestand meine Frau.

Eine Stunde später standen wir auf der Domplatte und verrenkten uns die Hälse, um die Kreuzblumen auf den Turmspitzen sehen zu können. „An der Hamburger Elbphilharmonie wurde zehn Jahre lang gebaut und am Berliner Flughafen vierzehn“, sagte Tünnes. „Auch wenn uns diese Bauzeiten sehr lang vorkommen, so sind sie doch nur ein Lidschlag im Vergleich zur Bauzeit des Kölner Doms. 1248 begann man mit seiner Errichtung, und erst 1880, nach über 600 Jahren, wurde er vollendet.“ Wir gingen ins Innere der riesigen Kathedrale. Als sich unsere Augen an das Halbdunkel gewöhnt hatten, nahm Tünnes den Faden wieder auf. „Der Dom wurde im Zentrum Kölns errichtet, wo ursprünglich ein römisches Stadtviertel lag, später Franken lebten und schließlich eine karolingische Basilika in den Himmel ragte. Deshalb wurden wenige Jahre nach der Fertigstellung des Doms die ersten Archäologen beim Domkapitel vorstellig und baten, unter der Kathedrale zu graben. Die geistlichen Herren waren von der Vorstellung, dass in ihren endlich vollendeten Dom Löcher gebuddelt werden sollten, gar nicht angetan und sagten: ,Janz bestemmp net!‘ Nachdem im Zweiten Weltkrieg mehr als 70 Bomben den Dom stark beschädigt hatten, durften die Archäologen unter ihm graben und legten eine versunkene Welt frei. Es gab dabei viele Überraschungen. 1959 stand ein Arbeiter auf einer Steinplatte tief unter dem Dom, als diese plötzlich nachgab, und der Mann in ein Loch rutschte. ,Ich stonn im Jold!‘, soll er gerufen haben. Er war in das Grab einer fränkischen Prinzessin aus dem Frühmittelalter gefallen. Vor wenigen Jahren wurde dann der Boden unter dem Grab der Frankenprinzessin ausgehoben. Nach etwa einem Meter stieß man auf einen Hohlraum, der mit zahlreichen Bronzescheiben von Daumennagel- bis Handtellergröße gefüllt war. Obwohl es keineswegs sicher ist, dass die Franken die Scheiben hergestellt hatten, bezeichnen die Archäologen sie als fränkische Medaillen.“

Tünnes kratzte sich den Kopf. „Diese Medaillen sind recht ungewöhnlich, denn sie haben alle die Form von regelmäßigen Polygonen. Auf beiden Seiten jeder Medaille sind Verbindungsstrecken zwischen den Ecken eingraviert. Sie bilden auf der einen Seite der Medaille das größtmögliche regelmäßige Polygon dieser Scheibe und auf der anderen Seite das zweitgrößte. Dabei sind diese gravierten Linien keine Seiten der Medaille, und ein Durchmesser gilt als regelmäßiges Zweieck.“ „Hä?“, sagte ich, denn ich hatte nichts verstanden. Tünnes zog einen alten Fahrschein aus der Tasche, skizzierte darauf etwas und hielt ihn mir hin. „So sehen die beiden Seiten einer sechseckigen Medaille aus.“

Bevor sich Tünnes über meine Begriffsstutzigkeit auslassen konnte, fragte meine Frau ihren Onkel: „Wenn auf der einen Seite einer fränkischen Medaille ein regelmäßiges Fünfzehneck eingraviert ist, wie viele Ecken kann das Polygon auf der anderen Seite der Medaille höchstens haben?“

Doch da war Tünnes überfordert. Wissen Sie die Antwort?



COGITO
RÄTSELN SIE MIT!

Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Schicken Sie Ihre Lösung bitte bis zum 31. Oktober 2025:

*“ zeigt erforderliche Felder an

Geschlecht*