Frankfurt: Gemeinschaftliches Wohnen als Modell gegen hohe Mieten

Frankfurt: Gemeinschaftliches Wohnen als Modell gegen hohe Mieten

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An die These, dass durch mehr Wohnungsbau die Mieten sinken, glaubt Birgit Kasper nicht. „Mir hat noch niemand nachgewiesen, dass das funktioniert“, sagt die Leiterin des Netzwerks für gemeinschaftliches Wohnen. Die finanzielle Belastung lässt sich ihrer Ansicht nach nur durch andere Wohnformen senken, etwa durch Baugruppen oder Genossenschaftsmodelle. Diese hätten nicht die Absicht, Gewinne zu erzielen, es werde die reine Kostenmiete berechnet.

Zwar sei diese wegen der hohen Baukosten anfangs meist kaum niedriger als die marktüblichen Konditionen. „Aber die Erfahrung zeigt, dass die Steigerungen deutlich geringer ausfallen.“ Die sozialen Vorteile wie inklusive, barrierefreie Wohnungen und eine Hausgemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt, kämen obendrauf. „Wohnprojekte sind Demokratie im Kleinen“, sagt Kasper.

In Frankfurt gab es – im Gegensatz zu anderen Städten – lange nicht viel Erfahrung mit solchen Modellen. Um die Idee voranzutreiben, wurde vor 20 Jahren das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen gegründet. Es handelt sich um einen privaten Verein, der eng mit dem Amt für Wohnungswesen zusammenarbeitet und dort auch seine Räume hat. Im Lauf der Jahre hat sich die Arbeit des Netzwerks mit festen Mitarbeitern professionalisiert. 2021 kam die Landesberatungsstelle hinzu, die Wohnprojekte außerhalb Frankfurts unterstützt.

„Luxus liegt im Teilen“

Ziel ist es, Baugruppen zu vernetzen und zu beraten und den Erfahrungsaustausch zu organisieren. Dazu dient unter anderem die Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen, die an diesem Samstag zum 19. Mal veranstaltet wird. „Der Luxus liegt im Teilen“, lautet das Motto. Damit gemeint ist der Trend, bei Wohnprojekten die privaten Bereiche eher klein zu halten und dafür gemeinschaftlich zu nutzende Räume wie Gästezimmer, Partykeller oder Werkstatt vorzusehen.

Rund 100 Initiativen sind heute Mitglied des Netzwerks; 30 Gruppen haben mittlerweile Projekte realisiert, 30 weitere sind in Bau oder in Vorbereitung. Von 2015 bis 2022 hat das Netzwerk die Zahl der Mitglieder verdreifacht. „Dann kam der Knick“, sagt Kasper. Corona und Zinswende hätten die Dynamik verlangsamt. Dabei seien die Rahmenbedingungen in Frankfurt günstig: Im sogenannten Baulandbeschluss von 2020 ist festgelegt, dass in neuen Baugebieten 15 Prozent der Wohnfläche für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen reserviert werden müssen.

Doch es geht oft nur langsam voran. Für den Kulturcampus in Bockenheim zum Beispiel wurden schon 2012 in einem Konzeptverfahren fünf Baugruppen ausgewählt, die dort ihre Projekte realisieren sollen. Wann sie loslegen können, steht aber immer noch in den Sternen. „Da gibt es große Enttäuschung“, sagt Kasper. Auch am Baugebiet Günthersburghöfe im Nordend waren 20 Gruppen interessiert. Zu einem Auswahlverfahren kam es nie, da die Baupläne auf Eis gelegt wurden.

Es gibt aber noch weitere Hürden für Baugruppen. Birgit Kasper nennt die Grundstückskosten, die selbst bei städtischen Erbbaurechten viel zu hoch seien. Die Erbbauzinsen machten bei der Monatsmiete rund 4,50 Euro je Qua­dratmeter aus und müssten dringend gesenkt werden, meint Kasper. „Um die Wohnkosten zu begrenzen, brauchen wir die Säule der gemeinwohlorientierten Wohnraumentwicklung“, sagt sie.

Bei der Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen im Planungsdezernat (Kurt-Schumacher-Straße 10) besteht am Samstag, 20. September, von 9.30 Uhr bis 16 Uhr Gelegenheit, sich über neue Wohnformen zu informieren. Das Programm ist im Internet zu finden.

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