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Wegen ihrer Kostüme stechen die beiden schon von Weitem hervor. Lorena, 22 Jahre alt, trägt ein weißes Kleid, eine weiße Perücke, in die sie einen Haarreif hineingesteckt hat. Lana hingegen hat sich komplett in Schwarz gekleidet. „Wir gehen als Rain und Night aus ‚Ever & After‘ von Stella Tack“, sagt sie.
Sie wolle zwar nicht spoilern, aber eigentlich handele es sich bei diesen Charakteren um zwei Seiten derselben Figur. Aus Hannover sind die beiden angereist und erst vor einer Stunde in der Halle angekommen. „Die Kostüme haben wir uns schon vor der Fahrt angezogen, geschminkt haben wir uns aber auf der Zugtoilette“, sagt Lorena und kichert.
Die beiden stehen am Buchmesse-Freitag, dem ersten Publikumstag, um 11.42 Uhr unter der stählernen Kuppel der Festhalle. Normalerweise finden in der 1909 erbauten Mehrzweckhalle Konzerte statt: The Offspring, Eros Ramazotti und André Rieu. Aber während palästinensische Aktivisten wie 2024 an der Ludwig-Erhard-Anlage eine „alternative“ Buchmesse veranstalten, signieren hier die Bestsellerautoren Stella Tack, Bernhard Aichner und Liane Mars Bücher.
Warteschlangen sind deutlich markiert
Das Ganze ist das Konzept „Meet the Author“ der Frankfurter Buchmesse. Die Warteschlange von Tack in Reihe 5 wurde aufgrund der vielen und überwiegend weiblichen Wartenden bereits geschlossen. Obwohl der große Ansturm erst für den Nachmittag erwartet wird, läuft hier alles in bester Ordnung ab. Die Warteschlangen sind durch rote Bodenmarkierungen deutlich voneinander getrennt, Bildschirme zeigen an, wo und wann welcher Autor signieren wird, zahlreiche Sicherheitsmitarbeiter, die man an ihren roten Sakkos erkennt, kreuzen die Halle, die Organisatoren sind ziemlich angespannt.

Das aufwendige Sicherheitskonzept ist eine Lehre, die die Buchmesse aus den chaotischen Zuständen am Publikumssamstag 2023 gezogen hat. Damals waren die Hallen 3.1 und 3.0 bis an die Grenze des Gefährlichen überfüllt, die Signierschlangen führten allenthalben zu Staus. Man hatte den Besucherandrang unterschätzt, den das Literaturgenre New Adult ausgelöst hatte. Insbesondere in dieser Literatursparte wird eine enge Bindung zwischen Autor und Leserschaft kultiviert. Farbschnitte der Erstauflagen sind ein Muss, die Signatur der Autorinnen eine Krönung. Gegen Mittag ist die Halle jedoch bislang nur mäßig gefüllt, von einem großen Ansturm kann hier noch nicht die Rede sein. Allerdings kann sich das auch noch ändern.
Autogramme auf Vorrat
Gabriela, 33 Jahre alt, ist aus Michelstadt angereist und steht in Reihe 1 für die Autorin Liane Mars an. Natürlich hat sie alle ihre Bücher gelesen, zum Signieren hat sie jedoch nur „Freed by Fire“ mitgebracht. „Ich kann ja nicht den ganzen Tag Bücher schleppen“, sagt sie und zieht ein paar weiße Aufkleber aus dem Buch. „Ich lasse Liane Mars einfach hier drauf signieren“, sagt sie. „Zu Hause klebe ich sie dann einfach in die anderen Bücher rein, das habe ich auf Tiktok gesehen.“ Eine Mitarbeiterin geht mit gelben Klebezetteln herum und fragt, ob jemand sein Buch mit seinem Namen signiert haben will. Gabriela winkt sie herbei und schreibt ihren Namen auf den Zettel.
An Tisch 2 sitzt der österreichische Schriftsteller Bernhard Aichner. Er würde hier gern seinen Thriller „Yoko“ und den Folgeband „John“ signieren. Allerdings ist seine Schlange komplett leer, niemand scheint sich für ihn zu interessieren. Enttäuscht ist er deshalb aber nicht: „Bei den Österreichern bin ich wesentlich bekannter als hierzulande“, sagt er. Den großen Andrang bei Stella Tack finde er phantastisch. „Wenn ihre Leserinnen älter geworden sind, stehen sie bei mir an.“
Später am Tag signieren noch die Bestsellerautoren Daniel Holbe und Caroline Wahl. Am Messesamstag dürfen sich die Besucher auf ein kurzes Kennenlernen mit Maximilian Pollux, Jana Crämer und Kai Meyer freuen. Am letzten Messetag, Sonntag, kann man sich die Signaturen von Kristina Moninger, Tara-Louise Wittwer und Liza Grimm holen. Das gesamte Programm finden Sie hier.
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