Frühbuchen ist das neue Last-minute

Frühbuchen ist das neue Last-minute

Wer jetzt noch spontan in den Sommerferien gen Süden fliegen will, muss tief in die Tasche greifen. Für zehn Tage werden für eine vierköpfige Familie mindestens 2000 Euro fällig. Beim Berger Reisebüro in Frankfurt simuliert Chefin Anke Dannesberger auf Wunsch der F.A.Z. den spontanen Urlaubswunsch. Zwei Erwachsene und zwei Kinder, sechs und zehn Jahre alt, wollen im Juli noch eine günstige Reise für die Ferien finden. Zehn Tage, von der zweiten oder dritten Ferienwoche an. Strandlage wäre schön, Flughafentransfer gerne inklusive.

Der Computer zeigt wenig später ein paar Ergebnisse an: Das günstigste Angebot ist ein Hotel in Side in der Türkei. 2000 Euro, allerdings nur inklusive Frühstück. Zweitgünstigstes ist eines auf Rhodos, 2100 Euro, ganz ohne Verpflegung. Dann folgt Ägypten, 2200 Euro, allerdings mit All-inclusive-Verpflegung. „Da ist das Hotel aber nicht so doll. So was verkaufen wir nicht gern, da ist der Kunde am Ende nicht zufrieden“, sagt Dannesberger.

Die Zeit der Last-minute-Geheimtipps sei, gerade jetzt zur Ferienzeit, lange vorbei, sagt die Reisebüroleiterin, die seit mehr als 30 Jahren an der Berger Straße Urlauber in die Ferne schickt. „Günstig gibt es jetzt nichts mehr.“ Der Großteil der Kunden buche seine Reisen lange im Voraus, zum Teil schon im Sommer oder Herbst des Vorjahres. „Da sind die Preise einfach noch am günstigsten.“

Last-minute-Preise kommen nicht gegen Frühbucherpreise an

Auf ein Last-minute-Schnäppchen sollten Urlauber auch laut Matthias Schäfermeyer nicht hoffen, der zusammen mit seiner Mutter ein Reisebüro in Hanau betreibt. „Das funktioniert einfach nicht in den Ferien, sondern nur dann, wenn Hotels und Veranstalter von ihrer Ware zu viel haben und sie loswerden wollen.“

Auch er rät dazu, Urlaube möglichst früh zu planen und zu buchen, gerade dann, wenn sie in die Ferienzeit fallen. Gegen Frühbucher-Preise kämen nämlich auch große Rabattaktionen bei Last-minute-Angeboten nicht an. „Die kriegt man ja nur dann, wenn es davor so teuer war, dass die Reise keiner gebucht hat.“ Aber auch für Frühbucher seien die Preise nicht niedrig. „Das Preisniveau insgesamt ist hoch im Moment.“

Anke Dannesberger in ihrem Reisebüro in Frankfurt
Anke Dannesberger in ihrem Reisebüro in FrankfurtFabian Wilking

Beliebte Ziele seien nach wie vor die Klassiker, bestätigen beide Reisebüroleiter: Balearen, Kanaren, ein bisschen Türkei, Griechenland und Ägypten. All das als Pauschalreise, denn die Kunden seien gerne abgesichert und wollten sich um möglichst wenig kümmern, sagt Dannesberger.

Das bestätigt auch Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Die Pauschal- und Bausteinreisen legten nach Zahlen des Verbands im vergangenen Jahr um sieben Prozent zu. Knapp die Hälfte der gut 83 Milliarden Euro, die Deutsche für ihre Urlaube ausgaben, entfielen auf Pauschalreisen. Dabei werde immer früher gebucht. „Frühbuchen ist das neue Last-minute“, sagt Schäfer.

Für Dannesberger ist besonders auffällig, dass immer weniger Kunden in den Vereinigten Staaten Urlaub machen wollen. Als Ursache vermutet sie die politische Lage dort. „Das merken wir total.“ Erst kürzlich habe ein Kunde nach Südamerika fliegen wollen. „Der wollte aber partout nicht in den USA umsteigen. Die habe ich dann über Kanada geschickt.“

Den Rückgang merkt auch Schäfermeyer. Schuld ist für ihn allerdings nicht die Politik der Trump-Administration, sondern schlicht der Preis. „Reisen in die USA werden weniger, weil sie teuer sind“, sagt er. Hotels und Restaurants dort bäten Urlauber mehr zur Kasse als in anderen Ländern. Die Folge der Nachfrageschwäche: Flüge über den Atlantik seien aktuell günstig. „Vor zwei Tagen habe ich ein Angebot erstellt: New York, Hin- und Rückflug mit Gepäck, Direktflug, 650 Euro mit einer namhaften Airline.“

Immer beliebter werden in hessischen Reisebüros und auch bundesweit Fluss-Schiffsreisen. Menschen stiegen etwa in Frankfurt ein und führen über den Main und Rhein in Richtung Niederlande, sagt Dannesberger. Auch Kreuzfahrten stünden hoch im Kurs. Nach den Zahlen des DRV haben im vergangenen Jahr 3,8 Millionen Menschen Urlaub auf einer Fluss- oder Hochseekreuzfahrt gemacht. Ein neuer Rekord.

Schäfermeyer rät außerdem, wenn möglich außerhalb der Ferienzeit Urlaub zu machen. Am besten im November. „Das ist die beste Reisezeit, um Schnäppchen zu machen.“

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