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Im 60. Spiel dieser schier endlosen WM-Vorrunde wurde deutlich, wie sehr Gianni Infantino und seine Fédération Internationale de Football Association ihren wichtigsten Wettbewerb korrumpiert haben. In Santa Clara tauchte die Abendsonne das Spiel zwischen Australien und Paraguay in mildes kalifornisches Licht.
Es folgte pechschwarzes Gekicke im Golden State, zynischer Ergebnisfußball an der West Coast. 51 Minuten dauerte die erste Halbzeit, 50 Minuten die zweite, nach 101 Minuten also hatten die Spieler das Ergebnis erzielt, mit dem man schon zum Anpfiff rechnen durfte: Null zu null. Die Belohnung: Australien spielt als Gruppenzweiter im Sechzehntelfinale gegen den Zweiten der Gruppe G, Paraguay als Gruppendritter wahrscheinlich gegen Deutschland.
Santa Clara war ein Tatort ohne Leiche
Nein, auf den Rängen wedelte niemand mit Geldscheinen wie weiland die Algerier in Gijón, als Deutsche und Österreicher ihr 1:0 für ausreichend anschlussfähig befanden. Santa Clara war ein Tatort ohne Leiche. Die von der Bildregie zusammengeschnittenen Zuschauer wirkten zumeist sehr zufrieden, in etwa so zufrieden und wahnsinnig gut drauf wie viele andere Menschen, die man über die Jahre von Regisseuren in kalifornischen Settings zu sehen bekommt.
Nur noch Finalspiele hatte Infantino neulich im Frühstücksfernsehen des Trump- (und WM-)Senders Fox versprochen, eine irre Spannung. Mit Blick auf die Modalitäten des dritten Spieltags können wir spätestens jetzt festhalten: Das war nicht gänzlich falsch. Denn irre ist schon, was da in Nordamerika passiert. Irre ungerecht für Teams, die von Australiern und Paraguayern durch das einzig am beiderseitig zuträglichen Ausgang interessierte Gebolze aus dem Turnier gedrückt wurden. Und selbstverständlich auch irre langweilig.
Immerhin, womöglich ruft dieses Match Interesse unter Psychologen hervor. Bleiben wir angesichts der wie gewünscht fortschreitenden Californication der WM noch einen Absatz lang im Zungenschlag der dortigen Menschheitsbeglücker und stellen die Frage, die sich bei der Begleitung dieses Spiels aufdrängt: Hat Santa Clara den ersten Fall eines akuten Bore-out-Syndroms unter Fußballspielern erlebt? Bore-out, definitorisch verlassen wir uns da auf die Allgemeinen Ortskrankenkassen, beschreibt das Leiden Erwerbstätiger an der Unterforderung am Arbeitsplatz.
Nun denn, bis zum frühen Sonntagmorgen deutscher Zeit wird die irre Gruppenphase dieses Turniers noch fortgesetzt. Bei Abpfiff der Partie in Santa Clara stand also noch ein Sechstel der Vorrundenspiele aus. The worst is yet to come oder auf gut Deutsch: Schlimmer geht immer. Als 72. und letztes Spiel wird in Kansas City die Partie zwischen Algerien und Österreich angepfiffen. Ein Unentschieden hilft beiden Teams weiter.
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