Gab es Räucherfleisch schon vor 1,8 Million Jahren?

Gab es Räucherfleisch schon vor 1,8 Million Jahren?

Räuchern ist eine traditionelle Praxis, um Fleisch haltbar zu machen. Neue Analysen von prähistorischen Feuerstellen und Tierknochen legen nun nahe, dass Frühmenschen schon in der Steinzeit vor mindestens 1,8 Millionen Jahren Fleisch räucherten, um es zu konservieren. Auf dem Speiseplan des Homo erectus standen damals demnach geräucherter Elefant und Nilpferd, die eine Menschengruppe jeweils einen ganzen Monat lang ernähren konnten. Das Räucherfleisch war zudem energieeffizienter als gekochtes Fleisch. Das legt nahe, dass Frühmenschen Feuer zunächst zum Räuchern nutzen, bevor sie Tiere später auch kochten.

Der Rauch von offenem Feuer verleiht Fleisch ein besonderes Aroma und wird daher bis heute zur Herstellung von Lebensmitteln wie Würsten verwendet. Praktischerweise kann der Rauch das Fleisch ähnlich gut konservieren wie Salz und so seine Haltbarkeit verlängern. Räuchern ist daher eine traditionelle Praxis in der Lebensmittelverarbeitung, es existierte schon lange bevor es moderne chemische Konservierungsmittel und Kühlschränke gab. Aber wann haben unsere Vorfahren herausgefunden, dass Räucherfleisch länger hält und angefangen, ihr Fleisch zu räuchern? Und was kam in der Steinzeit-Küche zuerst: Räuchern oder Kochen?

Foto von verbrannten Hirschknochen aus der Steinzeit
Verbrannte Damhirschknochen aus der Qesem-Höhle in Israel. © Universität Tel Aviv

„Es ist allgemein anerkannt, dass vor 400.000 Jahren die Verwendung von Feuer in häuslichen Kontexten üblich war – höchstwahrscheinlich zum Braten von Fleisch und vielleicht auch zum Heizen. Aber es gibt Kontroversen über die vorangegangenen Millionen Jahre“, erklärt Ran Barkai von der Universität Tel Aviv. „An den meisten archäologischen Stätten, die älter als 400.000 Jahre sind, gibt es keine Beweise für die Verwendung von Feuer“, fügt sein Kollege Miki Ben-Dor hinzu. Für unseren Vorfahren, den Homo erectus, war die Nutzung von Feuer demnach noch keine Selbstverständlichkeit, sondern ein eher seltenes Unterfangen. Nur an wenigen prähistorischen Fundorten gibt es Anzeichen für den Einsatz von Feuer, jedoch ohne verbrannte Knochen oder andere Hinweise auf gebratenes Fleisch.

Feuerstellen und Knochen von großen Tieren: Beweise fürs Räuchern?

Ben-Dor und Barkai haben daher die Hypothese aufgestellt, dass die Frühmenschen ihr Feuer nicht zum Braten oder Kochen, sondern zum Räuchern von Fleisch verwendet haben. Früheren Studien zufolge verzehrte der Homo erectus hauptsächlich Großwild, das er mit Speeren jagte. Damit die Frühmenschen sich die Kalorien dieser großen Tiere einteilen und aufbewahren konnten, mussten sie das erbeutete Fleisch räuchern und trocknen, damit es nicht verrottete und für längere Zeit konserviert wurde, so die Annahme von Ben-Dor und Barkai. Das Räuchern hätte die Jagdbeute zudem nicht nur vor Bakterien, sondern auch vor Raubtieren und Aasfressern geschützt.

Um diese Theorie zu überprüfen, suchten die Archäologen in der vorhandenen Forschungsliteratur zu allen bekannten prähistorischen Stätten mit Feuerstellen nach Hinweisen darauf, wie die Menschen dort das Feuer nutzten. Die neun Fundstätten sind zwischen 1,8 Millionen und 800.000 Jahren alt und stammen damit aus der Steinzeit. Drei von ihnen liegen in Kenia, zwei in Südafrika, eine in Äthiopien, zwei in Israel und eine in Spanien. Darüber hinaus analysierte das Team Studien über die Feuernutzung und Ernährung heutiger Jäger- und Sammlerkulturen und berechneten, wie viele Kalorien der Homo erectus an den prähistorischen Standorten daraus hätte gewinnen können.

Das Ergebnis: Alle neun untersuchten Stätten enthielten große Mengen an Knochen von sehr großen Tieren – hauptsächlich von Elefanten, aber auch Flusspferden, Nashörnern und anderen. Ein Elefant liefert theoretisch genug Kalorien, um eine typische Gruppe von 25 Menschen einen Monat oder länger zu ernähren, wie die Berechnungen des Teams ergaben. Ein Nilpferd hätte der Gruppe für etwa 22 Tage gereicht. Vorausgesetzt, die Menschen haben diese Beute geräuchert und so für eine lange Zeit essbar gemacht. Nach Ansicht von Ben-Dor und Barkai war dies wahrscheinlich der Fall.

Foto von einem Forscher mit Elefantenknochen aus der Steinzeit
Ran Barkai hält ein Segment eines uralten Elefanten auf dem Gelände von La Polledrara in Italien. © Universität Tel Aviv

Räucherfleisch liefert mehr Kalorien als gekochtes Fleisch

Die Kalorien aus der geräucherten Nahrung wären ein überzeugender Anreiz gewesen, um den Aufwand des Holzsammelns und Feuermachens zu rechtfertigen. „Der Prozess des Sammelns von Brennstoff, des Entzündens eines Feuers und dessen Aufrechterhaltung im Laufe der Zeit erforderte einen erheblichen Aufwand“, so Ben-Dor. Nur wenn die Menschen damals mehr Energie aus der Nahrung erhielten als sie beim Jagen und Feuermachen verbrauchten, hätten sie sich diese Mühe gemacht, so das Argument der Forscher. Dies wäre bei Räucherfleisch von Elefanten und Co der Fall gewesen und hätte obendrein über zehnmal mehr Energie geliefert als eine vegetarische Ernährung oder gekochtes Fleisch, wie die Berechnungen ergaben.

Was Frühmenschen zum Feuer machen motivierte, war demnach eher die Aussicht auf eine sichere Nahrungsquelle in Form von geräuchertem Großwild. Erst später hat sich daraus wahrscheinlich das Braten und Kochen von kleineren Tieren entwickelt. „Es ist wahrscheinlich, dass das Feuer, sobald es für das Räuchern erzeugt wurde, gelegentlich auch zum Kochen verwendet wurde. Eine solche Verwendung könnte Beweise für das Braten von Fisch vor etwa 800.000 Jahren in Gesher Benot Ya’aqov erklären“, sagt Barkai mit Blick auf eine der untersuchten prähistorischen Stätten in Israel. Nachdem der Homo erectus das Feuer als Räuchermittel für sich entdeckten, haben die Frühmenschen es möglicherweise auch für andere Zwecke zweitverwendet, darunter Wärme, Licht oder als Schutz vor Insekten.

Quelle: Ran Barkai und Miki Ben-Dor (Universität Tel Aviv); Frontiers in Nutrition, doi: 10.3389/fnut.2025.1585182




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