Gadgetcheck: Comulytic Note Pro – Diktiergerät mit sinnvoller KI-Nutzung?

Gadgetcheck: Comulytic Note Pro – Diktiergerät mit sinnvoller KI-Nutzung?

Gadgetcheck: Comulytic Note Pro – Diktiergerät mit sinnvoller KI-Nutzung?

KI ist in aller Munde und zumindest in meiner gefühlten Wahrnehmung hat selbst in der technisch versierten Blase – inklusive mir – keiner mehr Lust, über das Thema zu sprechen. Dennoch gibt es sinnvolle Anwendungsbereiche, die man nicht außer Acht lassen sollte. Umso interessanter fand ich tatsächlich den Ansatz von Comulytic, einer Marke des amerikanischen Unternehmens Rymind Inc., die mir das digitale Diktiergerät Note Pro für einen Test angeboten hat. Ich meine, wer kennt es nicht: Man kommt aus einer Besprechung, und das Schreiben eines Protokolls ist schon kurze Zeit später nicht mehr in jedem Detail möglich. Und noch ein wenig später ist es sogar schwierig, sich an die groben Punkte genau zu erinnern.

Schon früher hat man hier auf Diktiergeräte gesetzt. Meist mit Miniaturkassetten als Aufnahmemedium und mehreren Kondensatormikrofonen, damit auch der ganze Raum gut aufgenommen werden kann. Fehlt einem ein Detail bei der Erstellung des Protokolls, kann man die Sitzung Revue passieren lassen und sich einzelne Gesprächsausschnitte oder das gesamte Gespräch als Gedächtnisstütze erneut anhören.

Grundsätzlich eine gute Sache, aber sehr aufwendig. Sucht man nur eine kleine spezielle Aussage, muss oft hin- und hergespult werden. Sucht man ein genaues Ergebnis einer Besprechung oder möchte diese zusammenfassen, muss man sich alles erneut anhören. Hier setzt Comulytic mit dem Note Pro an: Es handelt sich hierbei um ein zunächst „normales“ digitales Diktiergerät. Durch eine smarte App-Anbindung sind jedoch viele KI-Funktionen, wie eine nach Sprechern getrennte Transkription, die Erstellung einer Zusammenfassung und die Aufstellung von Erkenntnissen möglich.

Kommen wir zunächst einmal zu den technischen Daten des Comulytic Note Pro:

  • 2 MEMS- und 1 VPU-Mikrofone
  • Standby-Zeit: 107 Tage
  • Aufnahmebereich: 5 m
  • Aufladezeit: 90 Minuten
  • Speicher: 64 GB
  • 0,8 “ Screen mit 128×80 Pixeln
  • Bis zu 45 h Aufnahmedauer
  • Bluetooth & Wi-Fi-Konnektivität
  • 400 mAh-Akku
  • 0,3 x 5,2 x 8,6 cm
  • 27,6 g

Unboxing und Inbetriebnahme

Comulytic Note Pro

In dem kleinen Päckchen steckt ein noch sehr viel kleineres Gerät. Mit seinen Maßen von gerade einmal 0,3 x 5,2 x 8,6 mm ist es kleiner als eine klassische Scheckkarte und dabei auch nur unwesentlich dicker. Neben dem Gerät an sich finden sich eine mehrsprachige Schnellstartanleitung, ein magnetisches Case, zwei Magnetringe, ein proprietäres USB-A-Ladekabel und ein USB-A auf USB-C-Adapter in der Schachtel.

Das magnetische Case ist lederähnlich bezogen – ich schätze es allerdings als Kunstleder ein – und hat eine angenehme Haptik. Das Gerät passt perfekt hinein und hat darin einen strammen Sitz, sodass es auch nicht einfach hinausrutschen kann. Eingearbeitet ist ein MagSafe-kompatibler Magnetring, sodass es ohne weiteres Zutun problemlos an jedem MagSafe- oder Qi2-kompatiblen Smartphone anzubringen ist. Für inkompatible Smartphones sind zwei Magnetringe mit Klebefläche dabei, um einen entsprechenden Magnetring nachrüsten zu können. Das proprietäre Ladekabel hat vier federgelagerte Kontakte und schnappt magnetisch direkt und passend auf die Kontaktfläche am Diktiergerät.

Die Inbetriebnahme ist super einfach, setzt aber die Comulytic-App voraus, welche für iOS und Android zur Verfügung steht. Über den einzigen Knopf am Gerät kann dieses eingeschaltet und direkt in den Kopplungsmodus versetzt werden. Die Kopplung mit dem Smartphone – in meinem Fall ein iPhone 16 Pro Max – erfolgt direkt über die App.

Comulytic Note Pro

Nach der Kopplung wird zunächst ein aktuelles Firmwareupdate installiert und anschließend wird die Einrichtung abgeschlossen.

Comulytic Note Pro App

In der „unvollständigen“ Einrichtung kann nun noch ein Stimmprofil erstellt werden. Hierzu muss ein kurzer Text vorgelesen werden, der die KI dazu befähigt, in der automatischen Transkription den Besitzer des Gerätes direkt zu identifizieren. Zusätzlich kann die Spracherkennung entweder auf „automatisch“ oder alternativ auf eine der schier endlosen Liste mit 113 Sprachen fest eingestellt werden. Nach der Einrichtung kann es dann auch schon losgehen.

Entweder direkt über das Note Pro oder über die App kann eine Aufnahme gestartet werden. Auf dem Note Pro muss dafür der Knopf für eine Sekunde gedrückt werden. Dies wird mit einer kurzen Vibration bestätigt und schon geht es los. Auf dem Display wird währenddessen die Aufnahmedauer angezeigt. Durch kurzen Druck auf den Knopf kann die Aufnahme pausiert und durch erneutes Drücken fortgesetzt werden. Zum Beenden muss der Knopf wiederum für eine Sekunde gehalten werden. Die 64 GB interner Speicher reichen für über 45 h Aufnahmematerial und können auch ohne Bluetooth-Verbindung auf dem Note Pro vorgehalten werden. Wird die App wieder verbunden, fängt diese umgehend an, die neuen Aufzeichnungen zu übertragen. Dies dauert über Bluetooth recht lange. Bei Bedarf kann die Übertragung auch über WLAN abgebildet werden, was zu einer erheblichen Beschleunigung der Übertragung führt.

Nach dem Hochladen wird die Audiodatei nach AWS übertragen und aktuell durch Whisper, GPT-5.2 und/oder Gemini 2.5 analysiert. Eine kurze Zusammenfassung wird dabei umgehend und binnen weniger Sekunden erstellt. Über einen Tastendruck in der App kann dann auch ein ziemlich präzises und nach Sprechern getrenntes Transkript erstellt werden. Hierzu kann die Automatik für Sprache und Anzahl Sprecher genutzt werden, oder gleich die Anzahl Sprecher und Sprache vorgegeben werden. Das funktioniert so weit gut und zuverlässig. Lediglich die Sprechererkennung hat in meinen Tests gelegentlich nicht ganz zuverlässig funktioniert, sodass trotz benannter Sprecher auch einmal ein „Unbekannter Sprecher“ im Transkript erhalten war.

Sehr gut sind in meinen Augen die auf Basis des Transkripts erstellten Zusammenfassungen und Erkenntnisse. Ich habe das Gerät einfach mal beim familiären Grillen laufen lassen. Aus Datenschutzgründen werde ich hier nicht die komplette Zusammenfassung einstellen, hier aber ein paar interessante Auszüge, die nach Themen getrennt gegliedert werden:

Auswahl und Servieren

• Wurst und Schnitzel werden angeboten und verteilt; Platzierung der Speisenwird besprochen.

• Barbecue-Soße, Zaziki und weitere Beilagen stehen bereit; mehrere greifen wiederholt zur Wurst.

• Hinweise auf persönliche Vorlieben und Portionsgrößen, humorvoll begleitet.

Raumfahrt

• Zusammenfassung zum Starship-Start Nr. 12 angesehen; noch nicht völlig reibungslos.

Getränke und Vorlieben

• Warmes Bier wird pragmatisch akzeptiert; Opa macht beim Trinken Geräusche.

• Diskussionen über Kinderlieder und Ohrwürmer über mehrere Wochen.

Die originale Audiodatei lässt sich anschließend weiterhin anhören und auch über das Transkript direkt zu entsprechenden Stellen spulen. Die Audioqualität ist je nach Entfernung der sprechenden Personen recht rauschig. Dennoch sind alle Personen in bis zu 5 m Entfernung gut verständlich aufgezeichnet,

Unter „Erkenntnisse“ wird anschließend noch eine To-do- bzw. Aktionsliste generiert, die sich aus dem Gespräch ergibt. Im Falle des Familienessens gab es Punkte wie „Finger vor dem Benutzen der Gabel sauber machen“ oder „Kuchen später essen“. Ein wenig zum Schmunzeln, in Anbetracht unseres zweijährigen Sohnes aber nicht ganz unsinnig. Nach der Analyse kann zudem die KI auch zu einzelnen Gesprächsdetails befragt werden, was auch wiederum recht zuverlässig funktioniert. Leider werden hier nicht direkt die entsprechenden Gesprächsstellen angezeigt, die Antworten auf meine Fragen entsprachen aber den im Gespräch erwähnten Fakten.

Die erweiterten Zusammenfassungen und Erkenntnisse stehen allerdings bedauerlicherweise nicht jedem Nutzer des Gerätes zur Verfügung, denn dafür benötigt es eine Subskription für den Premium-Plan. Im Standardplan sind solche erweiterten Funktionen nur sehr beschränkt vorhanden. 10x im Monat kann man die sofortige Kurzzusammenfassung generieren lassen und die KI fragen. Die Nutzung der großen Zusammenfassung und der Erkenntnisse kann sogar nur dreimal monatlich genutzt werden. Der Premium-Plan schaltet dies unbeschränkt frei, kostet aber auch 19,99 € monatlich bei monatlicher und 11,25 € monatlich bei jährlicher Abrechnung.

Comulytic Note Pro - kostenpflichtige Zusatzfunktionen

Bis zum 08.08.2026 gibt es zunächst drei Monate Premium kostenlos. Anschließend wird es schnell sehr teuer, so wie bei allen KI-Anwendungen, wenn man die Premiumfunktionalitäten über den Standard-Chatbot hinaus nutzen möchte.

Fazit

Das Comulytic Note Pro ist in meinen Augen ein hochspannendes Gerät. Das Gerät an sich ist super klein, leicht, gut verarbeitet und ohne die App nichts, außer einem reinen Aufnahmegerät. Mit der App wird es aber zu einem mächtigen Werkzeug, mit dem große und lange Besprechungen festgehalten, analysiert, in Arbeitspakete eingeordnet und zusammengefasst werden können.

Fraglich ist für mich der Datenschutz auf Basis der DSGVO, da Comulytic in ihrer Datenschutzerklärung darlegt, dass alle erfassten Daten in die USA übertragen und dort verarbeitet werden. Der Partner für das Computing ist zwar mit AWS angegeben und damit auch in der EU vertreten, dennoch findet sich mehrfach die Erwähnung, dass auch für Europäer die Verarbeitung in den USA gilt. Für den privaten Kontext sicherlich unter Voraussetzung der Zustimmung aller aufgezeichneten Personen zulässig, im geschäftlichen Kontext mit Sicherheit mit der ein oder anderen Hürde verbunden. Als Mitarbeiter einer Kommunalverwaltung, werde ich unseren Datenschutzbeauftragten gar nicht erst nach einer Zustimmung zur Nutzung fragen, da hier selbst M365 noch immer ein sehr problematisches Thema ist. Dies muss aber jeder Nutzer für sich selbst entscheiden und gegebenenfalls mit entsprechenden Stellen abklären.

Wer ein digitales Aufnahmegerät mit KI-Funktionen sucht und sich über die Datenschutzthemen im Klaren ist, hat mit dem Comulytic Note Pro ein tolles, leichtes und funktionales Gerät mit einer gut funktionierenden App. Der Preis für das Gerät liegt aktuell bei 139,99 EUR bei Amazon, wobei die UVP bei 169,99 EUR liegt. Kein sehr niedriger Einstiegspreis, aber in meinen Augen auch nicht überteuert. Für den gelegentlichen Einsatz aber dann wohl doch ein wenig zu teuer, wenn man bedenkt, dass zusätzlich noch ein recht teures Abo hinzukommt.

 

Disclaimer: Enthält Affiliate-Links. Das Testmuster wurde mir vom Hersteller kostenlos überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht oder eine Verpflichtung zur Veröffentlichung gab es nicht.

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Über den Autor

Alex Lüttgen

Alex Lüttgen

Ich bin Alex Lüttgen, oder auch Utgardus.
Als Netz- und Systemadministrator fühle ich mich in so ziemlich allen Produkten von Microsoft im Client-, Server- und Office 365-Bereich zu Hause. Nach der Arbeit wird dann selbstverständlich auch mal die Xbox angeschmissen. Mobil bin ich nach dem Aus von Windows Mobile auf iOS gewechselt und fühle mich dort deutlich wohler, als bei Android.
Neben der IT ist Elektromobilität meine absolute Leidenschaft. Ich bin fest der Überzeugung, dass sich dort in naher Zukunft immer mehr tut, bis dann irgendwann die Verbrenner ganz abgelöst werden.

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