#Geopolitik: Automanager schwören China die Treue

Der Volvo-Chef präsentiert in Schanghai ein neues Elektroauto, China sei die „zweite Heimat“. Auch ZF Friedrichshafen setzt weiter auf die Volksrepublik – und zweifelt stattdessen an der EU-Kommission.

Während die Kommission der Europäischen Union in Sachen Elektroautos auf Konfrontationskurs mit China ist, bekennen sich europäische Automanager demonstrativ zum größten Automarkt der Welt. In separaten Veranstaltungen in Schanghai legten der Chef des schwedischen Autoherstellers Volvo und der Asienvorstand des Autozulieferers ZF Friedrichshafen ehrgeizige Pläne in der Volksrepublik dar.

Gustav Theile

Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

Volvo-Chef Jim Rowan präsentierte vor 500 geladenen Gästen Anfang der Woche einen neuen vollelektrischen Van, mit dem das Unternehmen auf wohlhabende Chinesen mit Chauffeur und Familien abzielt. Während der Präsentation bezeichnete der Schotte China als „zweite Heimat“ des schwedischen Unternehmens, eine Formulierung, die auch andere Automanager häufig verwenden.

ZF-Vorstand gegen EU-Untersuchung

In Bezug auf die EU-Untersuchung von Subventionen für chinesische Elektroautos zeigte er sich im Gespräch mit der F.A.Z. recht gelassen: Volvo habe seine Lieferkette schon angepasst, unter anderem um sich auf „mögliche neue Zölle“ einzustellen. Mit Beginn des Handelskriegs zwischen den USA und China unter Donald Trump „musste man darauf achten“. Volvo wolle dort herstellen, wo die Autos verkauft würden, und die Vorprodukte dort beziehen, wo die Herstellung sei, sagte Rowan. Es sei keine Frage, dass die Welt sich vom Freihandel wegbewege und regionaler werde. Volvo ist in Schweden an der Börse notiert, Großaktionär ist aber der chinesische Geely-Konzern, dessen Gründer Li Shufu etwa auch an Mercedes-Benz beteiligt ist.

ZF-Asienvorstand Stephan von Schuckmann kritisierte die E-Auto-Untersuchung der EU-Kommission im Gespräch mit der F.A.Z. „Ich würde mir das nicht wünschen“, sagte er. „Die Politik will ihre Märkte schützen.“ Er warnte unmissverständlich vor chinesischer Vergeltung: „Jede Art von Reaktion führt zu einer Gegenreaktion.“ Man müsse in den Beziehungen zu China längerfristig denken, er wünsche sich Wettbewerb und Austausch. Man dürfe den Dialog mit der chinesischen Politik nicht aufgeben. Sollte es als Ergebnis der Untersuchung Zölle geben, hätte das laut dem Manager auch Folgen für ZF. „Das würde uns treffen“, sagte er. Aktuell würden die steigenden Ausfuhren von Autos den insgesamt sinkenden Fahrzeugabsatz in der Volksrepublik überkompensieren.

„Rein durch Geld entsteht noch lange kein gutes Fahrzeug“

Von Schuckmann stellte zudem die Bedeutung der Subventionen für die Stärke der chinesischen Autoindustrie infrage. „Rein durch Geld entsteht noch lange kein gutes Fahrzeug.“ Es brauche natürlich gewisse finanzielle Mittel, man benötige aber auch eine gute Mannschaft, viel Zeit und Erfahrung im Markt. Chinesische Hersteller seien sehr technologieaffin. Er prognostizierte: „Die chinesischen Hersteller werden sich in Europa etablieren.“

Der Manager bekräftigte das Ziel des Autozulieferers, die Abhängigkeit von China zu steigern. Aktuell erwirtschafte ZF etwa ein Viertel des Umsatzes in der Volksrepublik. „Der Anteil wird steigen, auf etwa 30 Prozent.“ Es handle sich um den größten Markt der Welt, der zudem sehr dynamisch sei. „Da ist das nur logisch.“

In Schanghai zeigte der Zulieferer, der nach Umsatz zu den größten der Welt zählt, Vertretern von Autokonzernen und Medien seine neuesten Technologien, die diese auf der Formel-1-Strecke ausprobieren konnten. Die Fahrzeuge, in die das Unternehmen die neuen Lösungen eingebaut hatte, waren ausschließlich chinesische Fabrikate. „Das ist ein chinesisches Event mit chinesischen Kunden und somit haben wir auch chinesische Fahrzeuge gewählt“, sagte von Schuckmann.

China als Fitnesscenter

Der Automarkt in der Volksrepublik ist sehr umkämpft, die Hersteller unterbieten sich mit Kampfpreisen, was auch ZF zu spüren bekommt. „Wir sehen das als sportliche Herausforderung“, sagte der Manager. China sei ein „Fitnesscenter“, das das Unternehmen in der Elektromobilität auf den Weltmarkt vorbereite.

Während sich einige internationale Hersteller angesichts des Wettbewerbs aus China zurückziehen, zeigte sich Volvo-Chef Rowan optimistisch, dass das neue Modell namens EM90 in der Volksrepublik erfolgreich und profitabel sein werde. Mit einem Einstiegspreis von 818.000 Renminbi (rund 105.000 Euro) ist das Auto ähnlich teuer wie der Mercedes EQS. Es gebe in dem Segment einen „Formatwechsel“ weg von der Limousine hin zu größeren Fahrzeugen. Dieses erfreut sich in China steigender Beliebtheit, während es in Europa noch kaum vollelektrische Premiumvans gibt. In der Volksrepublik fallen in dieses Segment etwa der Voyah Dreamer oder der Zeekr 009, der dem neuen Volvo zum Verwechseln ähnlichsieht.

Zeekr gehört wie Volvo zum Geely-Konzern. Beide verwenden dem Unternehmen zufolge die gleiche Plattform und den gleichen An­triebsstrang. Im Design, der Aerody­namik, dem Fahrwerk und den Sicher­heitsfunktionen sei der EM90 aber deutlich überarbeitet und der Innenraum aufgewertet worden, heißt es von Volvo. In beiden Fahrzeugen gibt es anstelle einer Rückbank zwei separate Sitze, die in Funktionen und Ausmaßen an die Business-Class im Flugzeug erinnern.

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