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„Geschichte des Regenbogens: Das neue Schwarz-Rot-Gold?“
Zuletzt hatte der Regenbogen noch einmal zu sich selbst gefunden. Er steht in der Bibel für die Versöhnung und Treue Gottes, was sich insofern bis heute überliefert hat, dass er immer dort auftaucht, wo eine heile Welt herbeigesehnt wird. Kinder malten in der Corona-Krise Regenbögen aus und klebten sie an die Fenster. Das sollte ein Zeichen gegen die Pandemie setzen, aber auch Mut machen und Zuversicht ausstrahlen.
Der Brauch erinnert an das Lied „Over the Rainbow“ aus „Zauberer von Oz“, in dem es heißt: „Und die Träume, die du zu träumen wagst, werden tatsächlich Wirklichkeit“. Ganz ohne politische Botschaft sollten die Regenbögen in den Fenstern der Republik nicht sein. Das Symbol sollte auch ein Zeichen gegen die Querdenker-Bewegung setzen. Aber auch auf deren Protestveranstaltungen ist die Regenbogenflagge schon gesichtet worden.
Das Rainbow-Lied von 1939 gilt deshalb manchen auch als Ursprung dieser Regenbogenflagge, auch wenn sie schon viel früher, etwa in den Bauernkriegen und bei Thomas Müntzer im 16. Jahrhundert, als Symbol verwendet wurde. Ganz passen will diese Herkunft aber nicht, weil in dem Lied der Kern des Flaggensymbols, der Aufstand und Widerstand gegen herrschende Verhältnisse, nur sehr verträumt zur Geltung kommt.

„Und die Träume, die du zu träumen wagst, werden tatsächlich Wirklichkeit“ – mit dem Regenbogen gegen Corona
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Bild: dpa
Im kämpferischen Sinn dagegen und im Geiste Müntzers verwendete die Friedensbewegung in den sechziger Jahren die Regenbogenflagge, die aber gegen die dominierende weiße Taube auf blauem Grund keine Chance hatte. „Greenpeace“ kombinierte dann beides und taufte drei seiner Schiffe (das erste, 1978 in den Dienst der Umweltorganisation gestellt, wurde 1985 versenkt) „Rainbow Warrior“ – die Regenbogenfarben dienten quasi als Kriegsbemalung und Kampagnenemblem.
Die Geburtsstunde der Flagge
Unabhängig von „Greenpeace“, aber zur selben Zeit, machte die Lesben- und Schwulenbewegung in San Francisco die Regenbogenfarben zu ihrer Sache. Das war die Geburtsstunde der Flagge, die heute noch das Wahrzeichen der sogenannten LSBTIQ-Bewegung ist. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, queer, trans und intersexuell. „Erfinder“ der Flagge war eine Gruppe um den Designer Gilbert Baker, der sie für den „Gay Freedom Day“ von 1978 entwarf, den Vorläufer der jährlichen „Gay Prides“, die später auch als „Christopher Street Day“ bezeichnet wurden.
Für Baker stand jede Farbe als Symbol: für Sexualität, Leben, Sonne, Natur oder Kunst. Baker wollte die Flagge deshalb nicht nur als Identifikation für bestimmte Gruppen sehen, sondern alle Menschen sollten sich darin wiederfinden. Gleichwohl blieb sie ein Zeichen, das sich gegen Unterdrückung, gegen traditionelle Gesellschaftspolitik und gegen deren Repräsentanten richtete. Die Flagge sollte den Siegeszug gegen Diskriminierung von Minderheiten anführen.

Die Greenpeace-Schiffe Esperanza (hinten) und Rainbow Warrior im Hamburger Hafen.
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Bild: dpa
So blieb es nicht aus, dass auch andere, nicht nur sexuelle Minderheiten unter der Flagge Platz fanden, zuletzt die der afroamerikanischen Bevölkerung der „Black Lives Matter“-Bewegung, die der Regenbogenflagge eine schwarze Faust hinzufügte. Das war der vorläufige Schlusspunkt einer Entwicklung, in der sich das Symbol zum Zeichen der sogenannten Identitätspolitik ausweitete.
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