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#Gesicht gegen Landschaft, ein einsames Duell

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Gesicht gegen Landschaft, ein einsames Duell

Schwarzweißfilme drehen heutzutage nur noch experimentierende Filmstudenten und Künstler, die ästhetische und inhaltliche Gründe dafür angeben können, bei denen die Kritik aufhorcht. Rebecca Hall gehört in die zweite Kategorie. Fünfzehn Jahre lang begründete die britische Schauspielerin jedem potentiellen Produzenten, warum sie ihr Regiedebüt, die Romanverfilmung „Passing“ nach Nella Larsen, nur in Schwarzweiß drehen wollte. Viele stellten eine Finanzierung in Aussicht, aber nur wenn sie in diesem ästhetischen Punkt kompromissbereit wäre. Sie war es nicht – zum Glück, wie man jetzt nach der Premiere des Films beim Sundance-Filmfestival sagen muss.

In den ersten Minuten von „Passing“ wird klar, warum sie sich für diese Filmtechnik entschied. Da sieht man Tessa Thompson als Irene Redfield im heißen Manhattan der zwanziger Jahre in ein Luxushotel zum Tee einkehren. Die Tischdecken und Wände blenden cremeweiß, so hell wie die Haut der wenigen Gäste an den runden Tischchen. Irene blickt sich nur verstohlen um, will vom Kellner kaum wahrgenommen werden. Der jedoch bedient sie zuvorkommend. Die Beleuchtung macht klar, warum, das blendende Dekor lässt ihre Haut noch heller strahlen – Irene kann als weiße Frau „durchgehen“ (was der Begriff „passing“ im Englischen beschreibt).

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Identität ausloten

Dieser Umstand ermöglicht ihr den Zugang zu Orten, die nichtweißen Personen damals verwehrt waren. Sie trifft im Hotel eine alte Schulfreundin (Ruth Negga), die ihre Identität komplett gewechselt hat und nun das privilegierte Leben an der Seite eines rassistischen Mannes führt, der nicht ahnt, dass sie eigentlich aus Harlem stammt. Wenn Irene ins große Stadthaus zurückkehrt, das sie mit ihrem Mann und zwei Kindern bewohnt, wird sie ruhiger, hebt ihren Blick, der sich zuvor unter Hutkrempen versteckte, nun selbstbewusst, gibt dem Hausmädchen Anweisungen fürs Essen.

Identitätssuche im New York der zwanziger Jahre: Ruth Negga (links) und Tessa Thompson in „Passing“


Identitätssuche im New York der zwanziger Jahre: Ruth Negga (links) und Tessa Thompson in „Passing“
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Bild: AP

Kamera und Beleuchtung setzen diesen Wandel durch geänderte Lichttonalität um. Die blendende Manhattan-Helligkeit ist den intimeren Zimmern mit eleganten Eichenmöbeln gewichen, dunklere Schatten und größere Kontraste loten die Identität der Figuren neu aus. Hall, die selbst einen schwarzen Großvater hatte, in Filmen jedoch meist als Weiße besetzt wird, begibt sich hier auf Spurensuche, was ihre Persona ausmacht, beobachtet kleinste Details und fragt dabei stets, wer den Zugang zu Räumen und Gemeinschaften bestimmen darf.

Eine völlig andere Identitätssuche hat die Schauspielerin Robin Wright sich für ihr Regiedebüt vorgenommen, das ebenfalls in Sundance Premiere feierte. Ihr Film „Land“ begleitet die trauernde Mutter Edee beim Selbstfindungstrip in die Einsamkeit der Natur. Mit der Arroganz der komfortgewohnten Stadtbewohnerin, die anstrengendere Verhältnisse unterschätzt, lässt sie alles zurück, wirft beim letzten Stopp in der Kleinstadt ihr Handy in den Mülleimer, gibt den Leihwagen ab und will fortan in einer Holzhütte weit fort von allen Menschen leben. Schnell muss sie feststellen, dass die Rückkehr zur Natur keineswegs so romantisch ist, wie Thoreau das in „Walden“ malt, und dass sie doch nicht vollkommen auf die Kooperation mit anderen verzichten kann. Wright, die neben der Regie auch die Hauptrolle übernommen hat, erlaubt sich, ihr Schauspieltalent in neuen Formen zu strapazieren. In den vergangenen Jahren funktionierten viele ihrer Rollen über forcierte Körperlichkeit: die skrupellose Politikerin Claire Underwood in „House of Cards“ etwa, deren Kleider wie auf ihren durchtrainierten Körper gemalt wirkten, oder die Amazone Antiope in „Wonder Woman“.

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