#Gewerkschaft befürchtet „graue Wohnungsnot“ im Augsburger Land



Die Menschen im Landkreis Augsburg werden immer älter und benötigen deshalb mehr altersgerechte und barrierefreie Wohnungen. Doch genau hier fehlt es.

In 20 Jahren werden im Augsburger Land gut 11.500 Wohnungen benötigt, in denen Menschen mit einem Rollator oder Rollstuhl klar kommen. Diese Zahl stammt vom Pestel-Institut. Dessen Wissenschaftler haben die Bevölkerungsentwicklung im Rahmen einer Studie zur künftigen Wohnsituation von Senioren für den Bundesverband des Deutschen Baustofffachhandels untersucht.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) befürchtet eine „graue Wohnungsnot“, nämlich einen zunehmenden Mangel analtersgerechten Wohnungen. Verantwortlich dafür ist die Altersentwicklung: In 20 Jahren werden laut Pestel-Institut im Landkreis Augsburg rund 71.500 Menschen zur Altersgruppe „67 plus“ gehören – gut 21.300 mehr als heute. „In den kommenden Jahren werden immer mehr ältere Menschen eine barrierearme Wohnung brauchen – ohne Treppenstufen, dafür mit bodengleicher Dusche und genügend Platz für das Rangieren mit Rollator und Rollstuhl“, sagt Michael Jäger. Er ist der Bezirksvorsitzende der IG Bau Schwaben.

Schon jetzt fehlen die Angebote im Landkreis Augsburg

Nach Angaben des Pestel-Instituts benötigen bereits heute mehr als 8.600 Haushalte im Landkreis eine Seniorenwohnung. „Demnächst gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Dann steuern wir sehenden Auges auf eine graue Wohnungsnot zu“, sagt Jäger. Die Gewerkschaft befürchtet auch eine zunehmende Altersarmut durchs Wohnen. So drohten bei der „Boomer-Generation“ künftig zwei Aspekte „fatal aufeinanderzutreffen“: Erstens die Gefahr eines sinkenden Rentenniveaus. Zweitens steigende Kosten fürs Wohnen. Mieter seien genauso betroffen wie Menschen mit Wohneigentum, wenn beim Einfamilienhaus oder bei der Eigentumswohnung Sanierungen fällig würden.

Michael Jäger, Bezirksvorsitzender IG Bau, macht saich für mehr altergerechte Wohnungen stark.

Foto: Ig Bau

„Wenn die Wohnkosten weiter in dem Tempo der letzten Jahre steigen, werden sich viele Senioren, die damit heute längst noch nicht rechnen, einschränken müssen. Ältere Menschen werden die hohen Mietpreise oft kaum noch bezahlen können. Für viele wird es dann finanziell richtig eng“, behauptet Jäger. Er ist sich sicher: Im Landkreis Augsburg werden künftig deutlich mehr Menschen als heute auf staatliche Unterstützung angewiesen sein, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.

Zu wenig seniorengerechte Wohnungen: Finanzielle Anreize für den Wohnungsmarkt

Um den Wohnungsmarkt für die kommende Rentnergeneration besser vorzubereiten, fordert die IG Bau mehr preiswerten, vor allem auch altersgerechtem Wohnraum. Das soll durch klare finanzielle Anreize für den Wohnungsmarkt passieren. Kommunen, Land und Bund seien gefordert. Jäger schlägt zusätzlich eine Selbstverpflichtung für große Wohnungskonzerne vor. Sie sollten mindestens ein Fünftel der frei werdenden Wohnungen altersgerecht umbauen. 

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Insgesamt geht der Wohnungsbau stark zurück. In Schwaben betrug der Rückgang von Wohnungsbaugenehmigungen im ersten Halbjahr elf Prozent. Ursache ist nach Einschätzung des Statistischen Landesamts die Kombination von höheren Immobilienzinsen und gestiegenen Baupreisen. „Wir befinden uns in einer Bau- und Wohnungskrise“, kommentierte Hans Maier, der Direktor des Verbands der bayerischen Wohnungsunternehmen (VdW). (AZ)

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