
In Schimpanse Vals Gesichtsausdruck mag man fast schon ein zufriedenes Lächeln erkennen. Was könnte der Grund dafür sein? Vielleicht ist der Affe happy, weil er gerade den neuesten „Modetrend“ der Schimpansen-Welt rockt. Denn der trockene Halm, der aus seinem linken Ohr ragt, ist kein Versehen, sondern ein absichtlich platziertes Accessoire, wie Biologen um Edwin van Leeuwen von der Universität Utrecht herausgefunden haben. In einer Gruppe Schimpansen in der Auffangstation Chimfunshi Wildlife Orphanage in Sambia haben sie mehrere Tiere dabei beobachtet, wie sie Grashalme in ihre Ohren und ihr Hinterteil stecken.
Den Trend setzte eine Schimpansin namens Julie. Sie begann 2010 aus dem Nichts und scheinbar ohne ersichtlichen Grund, Grashalme in ihrem Ohr zu tragen. Kurz darauf ahmten sieben Artgenossen aus der Auffangstation dieses modische Verhalten nach und auch nach Julies Tod führten manche ihrer Gruppenmitglieder die „Tradition“ fort. Unabhängig davon hat inzwischen auch eine andere Schimpansengruppe in der Chimfunshi Wildlife Orphanage mit dem Körperschmuck angefangen. Trendsetter diesmal: Schimpanse Juma. Er begann im August 2023 als Erster damit, Grashalme in sein Ohr zu stecken. Innerhalb einer Woche legten vier seiner Artgenossen das gleiche Verhalten an den Tag. Elf Tage, nachdem Juma erstmals einen Grashalm im Ohr getragen hatte, fing er auch damit an, die Halme in seinem Po zu tragen. Am Ende beobachteten van Leeuwen und seine Kollegen insgesamt acht von elf Affen seiner Gruppe dabei, wie sie hin und wieder Gras an mindestens einer oder beiden Körperstellen trugen.
Eine statistische Analyse des Forschungsteams zeigt, dass sich die Schimpansen das Verhalten jeweils von ihren Artgenossen abgeguckt haben und nicht alle unabhängig voneinander auf die gleiche Idee gekommen sind. Aber wie war dann Juma in der zweiten Gruppe darauf gekommen? Schließlich trat er nie in Kontakt mit Julies Gruppe, die sich schon 13 Jahre früher als Juma mit Grashalmen schmückte. Ihr gemeinsames Vorbild waren offenbar Menschen: „Beide Gruppen, in denen sich die Schimpansen Grashalme in die Ohren steckten, hatten die gleichen Pfleger. Diese Pfleger berichteten, dass sie manchmal einen Grashalm oder ein Streichholz in ihre eigenen Ohren steckten, um sie zu reinigen“, erklärt van Leeuwen. „Die Schimpansen der einen Gruppe fanden dann heraus, dass sie den Grashalm auch an eine andere Stelle stecken konnten.“
Auch wenn es sich demnach bei den Menschenaffen um eine Art Modetrend ohne jeglichen Zweck handelt, ist das Verhalten kulturell betrachtet nicht sinnlos: „Indem man das Verhalten einer anderen Person kopiert, zeigt man, dass man diese Person wahrnimmt und vielleicht sogar mag“, erklärt van Leeuwen. „Es könnte also dazu beitragen, soziale Bindungen zu stärken und ein Gefühl der Zugehörigkeit innerhalb der Gruppe zu schaffen, so wie es auch beim Menschen der Fall ist.“ Wer weiß, vielleicht tragen irgendwann noch mehr Schimpansen diesen natürlichen Modeschmuck oder entwickeln sogar neue Trends.

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