#Grundwasserspiegel weltweit sinken

Weltweit gehen die Grundwasservorkommen immer schneller zurück. Das bestätigt eine Studie, die die Entwicklung der Wasserspiegel in fast 1700 Grundwasserleitern in 40 Ländern analysiert hat. Demnach haben 71 Prozent der Reservoire während der letzten Jahrzehnte Wasser verloren, wobei sich der Rückgang in vielen Fällen mit der Zeit beschleunigt hat. Das Team verzeichnet jedoch auch einige Positivbeispiele, in denen politische Maßnahmen dazu geführt haben, dass sich Grundwasservorkommen wieder erholen.

Die größten Süßwasservorkommen weltweit befinden sich unter der Erde. In vielen Regionen ist Grundwasser die wichtigste Quelle, aus der wir Wasser für unsere tägliche Versorgung, die Landwirtschaft und die Industrie erhalten. Auch in Deutschland stammen rund 74 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser. Klimaveränderungen und übermäßige Wassernutzung können allerdings dazu führen, dass die Grundwasservorkommen abnehmen und nicht mehr nutzbar sind.

Beschleunigter Rückgang

„Das globale Ausmaß und Tempo des lokalen Grundwasserrückgangs sind jedoch nur unzureichend bekannt, da die vor Ort erfassten Grundwasserspiegel nicht auf globaler Ebene zusammengefasst wurden“, schreibt ein Team um Scott Jasechko von der University of California in Santa Barbara. Satellitenmessungen geben zwar Aufschluss über großflächige Trends, sind aber nicht fein genug, um lokale Veränderungen zu erfassen. Um diese Forschungslücke zu schließen, haben Jasechko und sein Team die Daten von 170.000 Überwachungsbrunnen in mehr als 40 Ländern ausgewertet. Dabei erfassten sie 1693 Grundwasserleiter, sogenannte Aquifersysteme, auf die rund 75 Prozent der weltweiten Grundwasserentnahmen entfallen.

„Unsere Daten zeigen, dass ein rascher Rückgang des Grundwasserspiegels von mehr als einem halben Meter pro Jahr im 21. Jahrhundert weit verbreitet ist, insbesondere in trockenen Regionen mit ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen“, berichtet das Team. „Kritisch ist, dass sich der Rückgang während der letzten vier Jahrzehnte in 30 Prozent der Grundwasserleiter beschleunigt hat. Das unterstreicht die dringende Notwendigkeit wirksamerer Maßnahmen zur Bekämpfung der Grundwassererschöpfung.“

Globus
Der Globus zeigt einige Regionen, in denen die Grundwasserbestände besonders abgesunken sind. © Scott Jasechko/ University of California Santa Barbara

Mehr Verbrauch als Regeneration

Die wichtigste Ursache ist den Forschenden zufolge, dass wir Menschen die Grundwasserreserven schneller ausbeuten als sie sich regenerieren können. Verschärft wird das Problem durch den Klimawandel, der nicht nur zu weniger Niederschlägen in vielen Regionen führt, sondern durch höhere Temperaturen auch dafür sorgt, dass Wasser schneller verdampft, bevor es ins Grundwasser gelangen kann. Starkregenfälle können die Verluste nicht ausgleichen. Denn zu viel Wasser auf einmal können die Böden nicht aufnehmen. Der Überschuss fließt dann oberflächlich ab, statt allmählich zu versickern.

Laut Jasechko und seinem Team können die schwindenden Grundwasserreserven zahlreiche Probleme mit sich bringen. Zum einen gefährdet der Rückgang die Trinkwasserversorgung vieler Menschen und kann dazu führen, dass landwirtschaftliche Flächen nicht mehr bewässert werden können. Wenn der Grundwasserspiegel unter den Meeresspiegel absinkt, besteht in Küstenregionen zudem die Gefahr, dass Meerwasser in die Grundwasserleiter eindringt, wodurch das Grundwasser versalzt und unbrauchbar wird. Wo das Grundwasser im Boden fehlt, können zudem Bodensenkungen auftreten. Auch Flüsse und Seen können austrocknen.

Politische Maßnahmen gefordert

Doch die Studie macht auch Hoffnung. „Unsere Auswertung zeigt, dass der Mensch mit konzentrierten Bemühungen eine Wende herbeiführen kann“, sagt Jasechko. Bei 16 Prozent der untersuchten Aquifersysteme hat sich ein zuvor bestehender negativer Trend umgekehrt – meist, weil Menschen gezielte Maßnahmen ergriffen haben, um den Verbrauch des Grundwassers zu reduzieren oder seine Wiederauffüllung zu fördern.

Eines der positiven Beispiele ist der Genfer Grundwasserleiter in der Grenzregion zwischen Frankreich und der Schweiz. Zwischen 1960 und 1970 sank dessen Pegel drastisch, weil sowohl in der Schweiz als auch in Frankreich unkoordiniert Wasser abgepumpt wurde. Einige Brunnen versiegten und mussten geschlossen werden. Um die gemeinsamen Wasservorräte zu erhalten, einigten sich Politik und Behörden beider Länder auf eine künstliche Zufuhr von Wasser aus dem Flüsschen Arve. Damit konnten sie den Pegel stabilisieren und wieder anheben. „Den ursprünglichen Stand hat dieser Aquifer zwar nicht mehr erreicht, aber trotzdem zeigt dieses Beispiel: es muss nicht sein, dass Grundwasserspiegel nur sinken“, sagt Co-Autor Hansjörg Seybold von der ETH Zürich.

Die Forschenden verstehen ihre Ergebnisse auch als Handlungsaufforderung an die Politik: „Unsere Analyse veranschaulicht das Potenzial für die Erholung erschöpfter Grundwasserleiter und zeigt gleichzeitig, wie viel Arbeit noch vor uns liegt, um die Grundwasserressourcen zu schützen.“

Quelle: Scott Jasechko (University of California, Santa Barbara) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-023-06879-8

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