#„Gundula bleibt, ich gehe, Christian Sievers kommt, alles gut“

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„Gundula bleibt, ich gehe, Christian Sievers kommt, alles gut“

Mit nachdenklichen Worten hat sich der ZDF-Anchorman Claus Kleber am Donnerstagabend nach fast 20 Jahren Abschied vom „heute journal“ genommen. Der 66-Jährige wirkte sichtlich bewegt und kämpfte teilweise mit seiner Stimme, als er ein selbstbemaltes Pappschild mit der Zahl 2977 in die Kamera hielt – die Anzahl der von ihm moderierten Sendungen. Seine letzte Moderation endete mit einem langen Appell.

Kleber zog zunächst eine düstere Bilanz: „Wer sich hier jeden Tag einen Reim auf die Nachrichten macht, der kann nicht anders als mit Sorgen nach vorne schauen“, so der Journalist, der einen dunkelblauen Anzug und eine bordeauxfarbene Krawatte trug. „Die Pandemie lässt viel Leid zurück, aber sie wird vorübergehen. Anderes nicht. Was an der ukrainischen Grenze passiert und im Baltikum irgendwann passieren könnte, die harte Linie von China. Die Demontage der Demokratie in Amerika, die sich immer weiter frisst. Und die europäische Idee, die ihren Schwung verloren hat – wie auch manches bei uns.“

„Good Night, and Good Luck“

Kleber fuhr fort: „Wir Menschen haben das Wissen, die Technik, die historische Erfahrung, um das alles zu meistern. Zum ersten Mal sind unsere Werkzeuge so mächtig wie unsere Probleme.“ Aber ohne eine engagierte, informierte Öffentlichkeit gelinge das nicht. „Deshalb muss es Redaktionen geben, wie die Menschen hinter dieser Sendung, leidenschaftliche Profis, die jeden Morgen antreten können mit dem einzigen Ziel, die bestmögliche Sendung zu machen. Furchtlos, ohne Quoten-Druck und abgeschirmt gegen politische Strippenzieher.“

Doch all dies nutze nichts, „wenn wir Sie nicht überzeugen können“. Dies sei „alles ein bisschen Videozirkus“, wenn sich die Menschen im Land nicht die Zeit nähmen, sich damit zu beschäftigen, „mit dem Vertrauen, dass wir uns hier jeden Tag verdienen müssen“. Kleber schloss: „Ab und zu ändern sich die Nasen, die hier vorne stehen. Jetzt zum Beispiel. Gundula bleibt, ich gehe, Christian Sievers kommt. Alles gut.“

Bevor er mit Co-Moderatorin Gundula Gause das Studio verließ, sagte er: „Good Night, and Good Luck.“ So lautet der Titel eines US-amerikanischen Films über einen TV-Journalisten, der sich in der McCarthy-Ära gegen den damaligen Antikommunismus-Feldzug wandte.

Als letzte Szene, die die ZDF-Kamera einfing, klatschte er sich mit seiner Kollegin Gundula Gause ab. Gause hatte sich bei ihm zuvor herzlich bedankt: „Wir werden Dich vermissen und ich ganz besonders. Und jetzt muss ich Dir noch was sagen, das Du nicht hören willst, aber es muss gesagt werden: Du gehst, damit geht eine Ära zu Ende.“

Kleber arbeitete seit 2003 als Hauptmoderator der Sendung „heute journal“, seit 2009 auch als Redaktionsleiter. Insgesamt hat der 66-Jährige 2.977 Sendungen moderiert, in der letzten interviewte ef den Leiter der Virologie in der Berliner Charité, Christian Drosten.

Vor dem Wechsel zum ZDF war der promovierte Jurist für die ARD als Korrespondent in den USA und später in Großbritannien tätig. Nachfolger Klebers ist Christian Sievers. Der 51-Jährige übernimmt den Posten ab Januar 2022. Das „heute journal“ ist seit dem 2. Januar 1978 auf Sendung.

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