#Haben in Kusel beide Verdächtige geschossen?

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Haben in Kusel beide Verdächtige geschossen?

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten wird es nun darum gehen, den beiden Tatverdächtigen die Taten nachzuweisen. Ballistische und waffentechnische Untersuchungen werden dabei eine große Rolle spielen. Nach Verbrechen mit „Schusswaffengebrauch“ werden Tatorte zunächst nach Projektilen, Munitionsteilen sowie Hülsen abgesucht, die je nach Waffentyp nach dem Schuss ausgeworfen werden.

Denn sichergestellte Patronen-Hülsen können viel über die Waffe verraten, mit der geschossen wurde: Auf ihnen findet man die Auswerfer-Spur, die zu den vielen Merkmalen gehört, die diese Hülse von anderen unterscheidet. Wird die Patrone gezündet und durch den Lauf hinausgetrieben, drängt auch die Hülse aus der Waffe, nur nicht nach vorne, sondern seitlich nach hinten.

Dabei kommt sie mit dem Auswerfer in Berührung, einem kleinen Metallteil innerhalb der Waffe. Und der Auswerfer verformt je nach Waffentyp den Hülsenboden auf besondere Weise. Projektile erhalten zwar auf ihrem Weg durch den Waffenlauf auch charakteristische Merkmale. Doch beim Aufprall werden sie oft deformiert oder in Teile zersplittert.

Die Hülse als Spur

Die Hülse wird neben dem Auswerfer auch durch den Stoßboden der Waffe, das Magazin oder der Schlagbolzen geprägt. Diese Markierungen sind zum Teil so fein, dass sie nur mit dem Mikroskop zu erkennen sind. Hat man also eine Hülse, hat man eine Spur, die zur verwendeten Waffe deutet. War es eher eine Langwaffe, Kurzwaffe, Pistole oder Revolver? „Es ist wie bei Mastermind“, erklärt Axel Manthei, stellvertretender Leiter des Sachgebiets Schusswaffen beim Bayerischen Landeskriminalamt. „Man tastet sich im Ausschlussverfahren an plausible Möglichkeiten heran.“ Dabei sei immer ein ganzes Team von Experten beteiligt.

Denn neben der Hülse könnten auch die Verletzungsmuster des Opfers Aufschluss über die verwendete Munition geben. „Wir schauen uns daher die Befunde zusammen mit den Rechtsmedizinern an.“ Anhand der rechtsmedizinischen Erkenntnisse und Schussrückständen können die Waffen­experten zudem Aussagen zur Distanz treffen, aus der geschossen wurde. Die Schussentfernung ist wiederum wichtig, um den Tatablauf rekonstruieren zu können.

Wenn ein tödlicher Schuss nur aus einer bestimmten Entfernung abgegeben werden konnte, wird untersucht: Kann man dem Tatverdächtigen nachweisen, dass er in dieser Distanz zum Opfer gestanden hat? Besonders bei mehreren Tatbeteiligten, die sich gegenseitig beschuldigen, wird die Frage wichtig, wer wo gestanden haben könnte – und wer wo auf gar keinen Fall gestanden haben kann.

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Einen Hinweis auf eine Schussabgabe liefern auch Schmauchspuren, also Verbrennungsrückstände, die bei der Schussabgabe entstehen. Haut und Kleidung von Tatverdächtigen werden akribisch auf diese Spuren hin untersucht und mit Folien abgeklebt, wie Alexander Dubois erläutert, Waffensachverständiger beim Landeskriminalamt in Rheinland-Pfalz.

„Wenn bei einem Verdächtigen Schmauchspuren anhaften, wird die Zusammensetzung untersucht und mit den Schmauchspuren verglichen, die sich beim Opfer und am Tatort eventuell finden lassen.“ Doch das bloße Vorhandensein von Schmauch sei noch kein Beweis, dass ein Tatverdächtiger auch geschossen habe, hebt Dubois hervor. „Es ist auch eine Übertragung bei der Schussabgabe durch einen anderen Schützen möglich.“

Doch es gibt weitere Spuren auf einer Tatwaffe, die auf den Täter weisen: Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Letztlich, so beschreiben es die Experten Manthei und Dubois, sei die Aufklärung von Taten mit Schusswaffengebrauch wie jedes Verbrechen ein großes Puzzlespiel. Es müssten „viele Teile passen“, bevor der Tatablauf rekonstruiert werden ­könne.

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