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„Hamilton-Konter auf und neben der Strecke“

Mercedes hat vor dem neuen Formel-1-Rennen in Miami (21.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker und bei Sky) eine aufsteigende Form bewiesen. Mit einem neuen Heckflügel drehte George Russell im freien Training auf dem 5,412 km langen Kurs in 1:29,938 Minuten überraschend die schnellste Runde, sein Teamkollege und Rekordchampion Lewis Hamilton untermauerte mit Platz vier (+0.241) den guten Eindruck der Silberpfeile. Der WM-Führende Charles Leclerc (+0.106) landete auf Platz zwei, Weltmeister Max Verstappen hatte hingegen mit technischen Problemen zu kämpfen und schaffte in der zweiten Session keine gewertete Runde.
„Ich kann überhaupt nicht lenken, sorry, die Lenkung hängt“, funkte der Niederländer an seine Red-Bull-Box. „Ein grauenvoller Tag“, meinte Teamchef Christian Horner. Russell und Hamilton wollten das Ergebnis aber nicht überbewerten. „Bislang läuft es gut, aber wir heben nicht ab“, sagte Russell. Und Hamilton meinte: „Training ist Training.“ Er glaube nicht, dass die Konkurrenz ihr „wahres Tempo gezeigt“ habe. Ex-Weltmeister Sebastian Vettel (Heppenheim) im Aston Martin und Haas-Pilot Mick Schumacher hatten noch Schwierigkeiten mit der neuen Strecke rund um das Hard-Rock-Stadium. Vettel wurde mit knapp anderthalb Sekunden Rückstand 15., Schumacher landete einen Platz dahinter (+1,649).
Im sonnigen US-Bundesstaat Florida sprach allerdings kaum jemand über das Sportliche. Im Fokus stand eine Schmuckdebatte – und ein Konter Hamiltons gegen spöttische Kommentare aus dem Red-Bull-Lager. In beidem war der siebenfache Weltmeister aus Großbritannien der Hauptprotagonist. „Das ist ein Rückschritt für unseren Sport. Es ist so eine Kleinigkeit, völlig unnötig“, sagte Lewis Hamilton über das verschärfte Vorgehen der Regelhüter gegen das Tragen von Schmuck und privater Unterwäsche im Cockpit. Er habe sich deshalb auch an Weltverbandschef Mohammed bin Sulayem gewendet. Bei seinem Auftritt auf der offiziellen Pressekonferenz trug der 37-Jährige drei Uhren, mehrere Ringe an den Händen, eine Reihe von Halsketten und Ohrringe (siehe Bild unten). Nach längeren Diskussionen lenkte der 37-Jährige schließlich ein und entfernte fast allen Schmuck. Für sein Nasen-Piercing erhielt er eine Ausnahme-Erlaubnis bis zum Rennen in Monaco Ende Mai.
Zuvor hatte der deutsche Renndirektor Niels Wittich die Teams informiert, dass sie künftig auch in offiziellen Dokumenten versichern müssen, dass ihre Piloten weder Schmuck noch private Unterwäsche im Auto tragen. Wittich kündigte zudem Stichproben an. „Wenn sie mich aufhalten, dann ist es so. Wir haben einen Ersatzfahrer“, sagte Hamilton. Er könne mindestens zwei seiner Schmuckstücke nicht problemlos ablegen. „Die sind aus Platin, also nicht magnetisch. Die waren noch nie ein Sicherheitsproblem“, sagte der Brite. Die Formel 1 habe „wichtigere Dinge zu tun“, als sich mit diesem Thema zu beschäftigen. „Das ist sehr, sehr dumm“, sagte Hamilton.
Vettel zumindest abseits der Strecke im Blickpunkt
Sebastian Vettel solidarisierte sich mit dem Mercedes-Star und zeigte sich ungehorsam. „Das ist unsere persönliche Freiheit. Wir sind alt genug, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Dann sollten wir das auch im Auto tun können“, sagte der 34-Jährige. Vor den ersten Übungsrunden lief der Hesse außerdem mit einer über seinen Rennanzug gezogenen grauen Boxershorts durch die Boxengasse.
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