Handschrift aus der Bibliotheca Palatina wiederentdeckt

Handschrift aus der Bibliotheca Palatina wiederentdeckt

Nach gut 400 Jahren: Eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert hat sich als verschollener Codex der Bibliotheca Palatina entpuppt – der bedeutendsten deutschen Bibliothek der Renaissance. Das mittelalterliche Manuskript enthält juristische Abhandlungen unter anderem zum Verhältnis von Kaiser und Papst, war im Dreißigjährigen Krieg jedoch verloren gegangen. 1937 wurde der Codex von der Universitätsbibliothek Heidelberg angekauft, doch erst jetzt haben Forschende den Bezug zur Bibliotheca Palatina nachgewiesen.

Die Ursprünge der Bibliotheca Palatina, der Pfälzischen Landbibliothek, reichen bis in das Jahr 1386 zurück. Damals wurden Manuskripte der frisch gegründeten Universität Heidelberg erstmals in Bibliotheken gesammelt. Später kamen auch Schriften aus der Stiftsbibliothek der Heiliggeistkirche und der Sammlung der Kurfürsten aus dem Heidelberger Schloss hinzu. Bis zur Renaissance hatte sich die Bibliotheca Palatina dadurch zu einer der renommiertesten Büchersammlungen Deutschlands entwickelt. Doch das endete 1622 mit dem Dreißigjährigen Krieg, als die Katholische Liga die Stadt eroberte und die Bücher als Kriegsbeute in den Vatikan gebracht wurden.

Bis heute liegt ein Großteil der Bibliotheca Palatina im Vatikan, nur die deutschsprachigen Manuskripte dieser historischen Sammlung wurden im 19. Jahrhundert nach Heidelberg zurückgebracht. Sie werden in der Universitätsbibliothek aufbewahrt und nach und nach digitalisiert.

Traktat zum Streit zwischen Kaiser und Papst

Im Zuge dieser Arbeiten hat Karin Zimmermann, Leiterin der Abteilung Historische Sammlungen, nun ein mittelalterliches Manuskript entdeckt, das ursprünglich aus der Bibliotheca Palatina stammte. Der Codex aus dem 15. Jahrhundert war 1937 in einem Antiquariat erworben worden. Erst Zimmermanns Nachforschungen ergaben, dass es sich um eine verschollen geglaubte Handschrift aus der Pfälzischen Landbibliothek handelt. Dies verrät unter anderem der kostbar gestaltete Einband des Codex, der auf den im 16. Jahrhundert in Heidelberg residierenden Kurfürsten Ottheinrich zurückgeht – ein Hinweis darauf, dass die Handschrift damals Teil der Bibliotheca Palatina war.

„Geschrieben wurde die Handschrift wohl in Konstanz und Basel für einen gewissen Johannes Zeller, der im 15. Jahrhundert mehrere Ämter in den dortigen Diözesen und Hochstiften innehatte“, erläutert Thorsten Huthwelker von den Historischen Sammlungen der Universität Heidelberg. Einer der Texte des Codex ist der zwischen 1338 und 1340 entstandene „Tractatus de iuribus regni et imperii Romanorum“ des Rechtsgelehrten Lupold von Bebenburg. Dieser behandelt rechtliche Aspekte der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst. Wie Huthwelker erklärt, wird in diesem Traktat die Position vertreten, dass der gewählte römische König auch ohne päpstliche Bestätigung die volle Verfügungsgewalt über Reich und Imperium besitzt. Ergänzt wird der Codex durch weitere Texte von verfassungsrechtlicher Bedeutung.

Verschlungene Wege des Codex rekonstruiert

Anders als die meisten anderen Manuskripte aus der Bibliotheca Palatina ist dieser Codex nach dem Dreißigjährigen Krieg offenbar nicht im Vatikan angekommen. Im dortigen Inventar von 1798 wird diese Handschrift als vermisst geführt, wie die Forschenden berichten. Ihren Nachforschungen zufolge tauchte das Manuskript erst im späten 18. Jahrhundert in der Büchersammlung des englischen Aristokraten Frederick North wieder auf. Nach mehreren weiteren Stationen erwarb dann der aus Heidelberg stammende Maler Wilhelm Trübner Anfang des 20. Jahrhunderts den Codex. Aus seinem Nachlass gelangte die Handschrift in den Besitz eines Münchner Antiquariats, das das Manuskript 1937 an die Universitätsbibliothek Heidelberg veräußerte.

Der wiedergefundene Codex hat jetzt die Bibliothekssignatur „Cod. Pal. lat. 778“ erhalten und ist damit nach Jahrhunderten wieder offiziell Teil der Bibliotheca Palatina. Zudem wurde die Handschrift digitalisiert und in das Portal „Bibliotheca Palatina – digital“ integriert, das die Bestände aus Rom und Heidelberg virtuell zusammenführt.

Quelle: Universität Heidelberg

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