#Haschisch, Knast und Eifersucht

Haschisch, Knast und Eifersucht

Die Lieder handeln von Liebe und Leid, von Kämpfen, Gefängnis und Drogen, und viele sind von solcher Wehmut durchdrungen, dass man diese Musik oft als „griechischen Blues“ bezeichnet. Doch mit dem amerikanischen „Let me tell you a story“-Blues hat der Rembetiko, der seit Dezember 2017 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit zählt, musikalisch nichts gemein. Weder betont er blue notes, noch folgt er dem zwölftaktigen Blues-Schema, sondern vereint verschiedene Harmoniesysteme und musikalische Traditionen, die in den Volks- und Kunstmusiken Südosteuropas und des Nahen Ostens wurzeln. Was aber den vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Rembetiko mit dem Blues wie auch dem Tango, dem Flamenco und dem Fado verbindet, ist seine Entstehung aus und seine Verbindung mit einer urbanen Subkultur, ein irgendwie gefährlicher Ruf, der ihn umso verlockender wirken lässt, erst recht für musikalische Schatzgräber.

Ein solcher Schatzgräber war der Frankfurter Ethnologe und Musikliebhaber Rüdiger Jestel, der Anfang der Achtzigerjahre über die städtische Subkultur Griechenlands arbeitete und für das Münchner Plattenlabel Trikont unter dem Titel „Fünf Griechen in der Hölle“ einen Sampler mit Rembetiko-Liedern zusammenstellte. Eine Auswahl davon hatte er im Sommer 1981 auch einem Frankfurter Bekannten vorgespielt, der einige Tage später über den Campus der Goethe-Universität spazieren sollte, als er aus einer Ecke plötzlich den Klang einer Bouzouki und Gesang vernahm. „Es war genau die Musik, die ich bei Jestel gehört hatte“, erinnert sich der Autor und Label-Manager Jean Trouillet heute an jenen Abend, als er auf vier Musiker traf, die Bouzoukis, Baglamás (eine Langhalslaute) und Gitarre spielten und lauthals über eine beschlagnahmte Schiffsladung Haschisch sangen. Sie hießen Prosechós und spielten Rembetiko, erzählten sie dann dem neugierigen Zuhörer.

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