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Neue Hoffnung für Patienten: Ein aus Stammzellen gezüchtetes Gewebepflaster kann Menschen mit schwerer Herzschwäche helfen, wie nun eine erste klinische Studie bestätigt. Demnach stärkt dieses „Herzpflaster“ den geschädigten Herzmuskel und verbessert die Pumpfunktion des Herzens. Dadurch steigen Herzleistung und Lebensqualität der Patienten – sie profitieren auch noch vier Jahre nach der Implantation des „Herzpflasters“ davon, wie die Mediziner berichten. Dies sei ein wichtiger Fortschritt in der Behandlung von Herzschwäche.
Die Herzschwäche gehört zu den häufigsten schweren Herzleiden weltweit – allein in Deutschland sind rund vier Millionen Menschen von einer solchen Herzinsuffizienz betroffen. Sie entsteht, wenn Teile des Herzmuskels durch einen Herzinfarkt oder andere Erkrankungen nicht genug Sauerstoff bekommen und absterben. Statt der kontraktionsfähigen Muskelzellen bildet sich dann steifes Narbengewebe, die Pumpleistung des Herzens nimmt immer weiter ab.
„Die heute verfügbaren Therapien können den Krankheitsverlauf oft verlangsamen, aber zerstörte Herzmuskeln nicht ersetzen“, sagt Seniorautor Wolfram-Hubertus Zimmermann von der Universitätsmedizin Göttingen. In schweren Fällen können Betroffene nur durch eine Herztransplantation oder ein künstliches Herz überleben.
(Video: Universitätsmedizin Göttingen)
Ein „Pflaster“ aus Millionen Zellen
Doch jetzt gibt es Hoffnung: Ein Forschungsteam unter Leitung von Zimmermann hat ein Gewebepflaster entwickelt, das das geschädigte Herzmuskelgewebe stärkt und in Teilen ersetzen kann. Ausgangsmaterial für das „Herzpflaster“ sind induzierte pluripotente Stammzellen – ausgewachsene Blutzellen, die im Labor wieder in den unreifen Zustand zurückversetzt wurden. Mithilfe spezieller Nährlösungen, Botenstoffe und eines Kollagengerüsts züchten die Forschenden aus diesen Stammzellen kleine Gewebestücke aus Herzmuskelzellen und Bindegewebe.
Ein einzelnes Herzpflaster besteht dabei aus rund 20 solcher Gewebestückchen und enthält insgesamt 40 bis 200 Millionen Zellen, wie das Team erklärt. In einer minimalinvasiven Operation wird das Herzpflaster auf die Außenseite des geschädigten Herzens genäht. Dort soll das gezüchtete Gewebe eine neue, etwa drei bis vier Millimeter dicke Herzmuskelschicht bilden, die die geschwächte Herzmuskulatur stabilisieren und langfristig unterstützen soll. „Unser Ziel ist es, neues funktionierendes Herzmuskelgewebe herzustellen und damit das geschwächte Herz gezielt zu unterstützen“, erklärt Zimmermann.
Anfang 2025 gab es bereits erste Erfolge: Tests mit 14 Rhesusaffen und einem ersten menschlichen Testpatienten zeigten, dass das Herzpflaster anwächst und sich weiterentwickelt. Nach drei bis sechs Monaten verdickt sich dadurch die Herzwand an dieser Stelle und zieht sich stärker zusammen als zuvor, wie die Forschenden damals berichteten.
Positive Wirkung auch in erster klinischer Studie
Jetzt ist ein weiterer Schritt gelungen: Erstmals bestätigt eine klinische Studie, dass das Herzpflaster bei Patienten mit schwerer Herzschwäche wirkt. In der ersten Phase der 2021 gestarteten Studie hatte das Team um Erstautor Ahmad-Fawad Jebran von der Universitätsmedizin Göttingen ermittelt, wie groß die Herzpflaster sein dürfen, um noch verträglich zu sein. Es ergab sich eine Höchstmenge von rund 800 Millionen gezüchteten Zellen. Herzpflaster dieser Größe wurden daraufhin zunächst 20 Patienten eingesetzt.
Inzwischen liegen erste Ergebnisse vor – und sie sind positiv. Bei den zwölf Patienten, die die gesamte Studiendauer hindurch dabeiblieben, wuchs das Herzpflaster an und die Herzwand verdickte sich im Schnitt um 4,5 Millimeter, wie Jebran und seine Kollegen feststellten. Bereits nach drei Monaten hatte sich zudem die Pumpleistung des Herzens leicht verbessert, wenn auch zunächst nur um wenige Prozentpunkte. Dennoch berichten die Patienten über eine verbesserte Lebensqualität.
Neue Chance für Herzpatienten
Einige der Patienten leben inzwischen seit mehr als vier Jahren mit dem Herzpflaster – und zeigen eine anhaltende Verbesserung ihrer Herzfunktion. „Unsere Ergebnisse zeigen erstmals in einer größeren klinischen Studie, dass eine Wiederherstellung von Herzmuskelfunktion beim Menschen mit fortgeschrittener Herzmuskelschwäche grundsätzlich möglich ist“, sagt Zimmermann. „Damit bestätigen sich wichtige Erkenntnisse aus unseren langjährigen Forschungsarbeiten.“
Nach Ansicht des Forschungsteams eröffnet das Herzpflaster damit die Chance, Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz zu helfen. Es haben bereits Folgestudien mit größeren Patientenzahlen begonnen, darunter einige in Deutschland und anderen europäischen Ländern, aber auch in den USA. „Das Herzpflaster könnte zukünftig eine zusätzliche Behandlungsoption für ausgewählte Patienten mit schwerer Herzschwäche werden“, sagt Co-Autor Ingo Kutschka vom Universitätsspital Basel.
Quelle: Ahmad-Fawad Jebran (Universitätsmedizin Göttingen) et al., New England Journal of Medicine, 2026; doi: 10.1056/NEJMoa2513525
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