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„Hoffnungsträger mit einer Dosis“
Johnson & Johnson war vielleicht kein ganz offensichtlicher Kandidat für einen der ersten Plätze im Rennen um einen Corona-Impfstoff. Der amerikanische Konzern ist zwar ein Gigant im Gesundheitsmarkt, aber im Geschäft mit Impfungen ist er noch recht neu. Erst im vergangenen Jahr brachte er sein erstes selbst entwickeltes Produkt auf den Markt, ein Vakzin gegen das Ebola-Virus. Johan Van Hoof war trotzdem optimistisch. Der Forschungschef in der Impfsparte von J&J meinte, die Technologie, die sich bei der Ebola-Impfung als wirksam herausgestellt hatte, sollte auch eine gute Waffe gegen das Coronavirus sein.

Verschätzt hat er sich allerdings, wie schnell das Projekt vorankommt. Wie er im Gespräch mit der F.A.Z. sagt, habe er intern positive Studiendaten zur Wirksamkeit der Impfung für Frühjahr oder Sommer 2021 in Aussicht gestellt. Stattdessen kamen die Ergebnisse schon Ende Januar, und es waren in der Tat gute Nachrichten. Wenige Wochen später wurde der Impfstoff in den Vereinigten Staaten zugelassen, an diesem Donnerstag auch in der EU. Hier wird er nun die vierte Option zur Immunisierung gegen das Coronavirus, nach den Vakzinen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astra-Zeneca. Und gegenüber den anderen Produkten hat er einen gewichtigen Vorteil: Er wird in einer statt in zwei Dosen verabreicht, ist also um einiges praktischer.
Anders als seine drei Vorgänger steht er aber nicht sofort nach der Genehmigung zur Verfügung. Die Auslieferung soll Mitte April beginnen, und zuletzt kamen Zweifel auf, ob J&J, wie versprochen, bis Ende Juni 55 Millionen Dosen an die EU liefern kann. Van Hoof will nicht von einer Verzögerung sprechen und sagt, das sei „ein zu starkes Wort“. Er weist aber darauf hin, dass das Hochfahren der Fertigung eines Biotechnologie-Produkts wie dieses Impfstoffs eine komplexe Angelegenheit sei. Und weil das Vakzin es so schnell zur Marktreife geschafft habe, sei J&J dafür auch weniger Zeit geblieben als zunächst erwartet.
Das Unternehmen mobilisiere nun alle Kräfte, um vereinbarungsgemäß bis zum Ende dieses Jahres 200 Millionen Dosen für die EU (und davon 36,7 Millionen für Deutschland) bereitzustellen. Dass die Auslieferungen Mitte April beginnen, sei „sehr wahrscheinlich“, wenn auch nicht garantiert. Ein Unsicherheitsfaktor seien die noch laufenden Endkontrollen der Impfstoffe, in denen die Ausschussrate unter 5 Prozent liegen müsse.
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Merck & Co. eilt zu Hilfe
In Amerika wurde der Impfstoff von Johnson & Johnson fast unmittelbar nach der Zulassung ausgeliefert, wobei auch hier in der Anfangszeit weniger Dosen verfügbar sind als zunächst erhofft. Hier ging das Unternehmen kürzlich unter Vermittlung der Regierung eine bemerkenswerte Allianz mit seinem Wettbewerber Merck & Co. ein, um die Kapazitäten auszuweiten. Merck & Co. will demnach eigene Werke umrüsten, teils um den Impfstoff von J&J abzufüllen und zu verpacken, und teils sogar, um ihn selbst zu produzieren.
Präsident Joe Biden sprach in dieser Woche auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus, an der auch die Vorstandschefs der beiden Unternehmen teilnahmen, von einer „historischen Zusammenarbeit“. Diese Neuausrichtung von Standorten lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen, gerade wenn es um die eigentliche Produktion eines fremden Impfstoffs geht. Van Hoof sagt, zumindest der Teil der Allianz, der sich auf das Abfüllen und Verpacken bezieht, sollte sich innerhalb weniger Monate realisieren lassen. Einen vergleichbaren Pakt gibt es auch mit dem französischen Konkurrenten Sanofi, der das Vakzin von J&J in seinem Werk in der Nähe von Lyon abfüllen will.
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