„„Ich habe unglaublich gespielt““
Im Spiel von Alexander Zverev gibt es ein interessantes Paradoxon: Je grimmiger der 24-Jährige aussieht, desto glücklicher ist er mit seiner Leistung. Er kneift die Augenbrauen zusammen, stiert zwischen Ballwechseln scheinbar wütend auf den Boden und bleckt vor Returns die Zähne wie ein Raubtier. In der Welt des Sports wird in ein solches Auftreten dann gerne „wilde Entschlossenheit“ hinein interpretiert.
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Während der nicht einmal zwei Stunden seiner Achtelfinal-Begegnung bei den French Open wirkte Zverev am späten Sonntagabend besonders grimmig. Über den völlig chancenlosen Japaner Kei Nishikori fegte er mit 6:4, 6:1, 6:1 hinweg. Zverev war voll fokussiert vom ersten bis zum letzten Ballwechsel. Oder eben: wild entschlossen. Es war ein eindrucksvoller Nachweis seiner Klasse.
„Ja, ich habe unglaublich gespielt“, sagte Zverev unmittelbar nach dem Matchball. Falsche Bescheidenheit war seine Sache noch nie. Auch wenn er sich wenig später selbst etwas bremste und „nicht zu große Töne spucken“ wollte. Zverev wusste, was diese Leistung bedeutete. Er gehört nun endgültig zum Kreis der Titelanwärter in Roland Garros. „Ich bin im Viertelfinale und das Turnier ist noch nicht vorbei“, sagte er. „Ich hoffe, dass ich noch drei Matches habe.“
Es ist Zverevs erklärtes Ziel, Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Und diesem Ziel ist er in den vergangenen Jahren immer näher gekommen. Am nächsten bei den US Open im Vorjahr, als er im Finale gegen den Österreicher Dominic Thiem denkbar knapp verlor. In Paris will er nun auch den finalen Schritt gehen. „Ich spüre noch keinen Champagner aus Flaschen auf meinem Kopf“, sagte er am Sonntagabend scherzhaft. Soll heißen: Noch gibt es keinen Grund zu Jubeln. Da kommt noch was!
Zverevs nächste Aufgabe in Paris wird ein Duell mit dem Spanier Alejandro Davidovich Fokina. Dieselbe Begegnung hatte es im Vorjahr im Achtelfinale der US Open gegeben. Damals gestattete Zverev seinem Gegner gerade einmal fünf Spielgewinne. Doch Davidovich Fokina ist seitdem besser geworden, hat sich in der Weltrangliste immerhin auf Position 46 vorgearbeitet. Im Turnierverlauf hat er schon so manchen Gegner überrascht.

Völlig chancenlos: Kei Nishikori kam gegen Zverev kaum zu Spielgewinnen.
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Bild: AFP
„Er spielt das Turnier seines Lebens“, meinte auch Zverev. Weshalb sich der Deutsche schon jetzt einen Matchplan zurecht gelegt hat. „Der kann alles, aber er ist auch sehr verrückt“, sagte er. „Ich muss ihn ein bisschen aus dem Gleichgewicht bringen.“ An Zverevs Blick wird man ablesen können, wie gut ihm das gelingt. Je grimmiger, desto besser.
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