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#Ideale Resonanz für eine Politik der Angst

Ideale Resonanz für eine Politik der Angst

Von Mussolini ist die Einsicht überliefert, mit Angst sei besser Politik zu machen als mit Hoffnung. Die sozialen Netzwerke der Gegenwart hat die Einsicht reich gemacht, dass mit Angst besser Geld zu machen ist als mit Hoffnung. Bei Facebook zum Beispiel werden Beiträge bevorzugt behandelt, die Menschen alarmieren oder empören: Sie provozieren Interaktion, sei es ein Like, eine Kommentierung oder ein Weiterleiten. Sie halten ihre Nutzer im Netzwerk beschäftigt und für Werbung erreichbar. Sie werden in den Timelines der Nutzer ganz oben angezeigt.

Fridtjof Küchemann

Mussolinis Einsicht steht am Anfang seines Wegs zum Faschistenführer. Die Priorisierung von Aufregerthemen identifizieren Maik Fielitz und Holger Marcks in ihrem Buch „Digitaler Faschismus“ als eines der Prinzipien sozialer Netzwerke, die das Netz zum günstigen Resonanzraum der extremen Rechten machen. Mit der genauen Definition eines „digitalen Faschismus“ halten sich der Konfliktforscher und der Sozialwissenschaftler nicht groß auf. Ihnen genügt wenig mehr als der Verweis auf den – nach Roger Griffin – kleinsten gemeinsamen Nenner des Faschismus, das Leitbild vom Erwachen einer bedrohten Nation. Ein Vorteil für den Leser: Die instruktiven Analysen lassen sich auch auf politische Agitation beziehen, die man nicht ohne weiteres dem Faschismus zurechnen würde. Viele Erkenntnisse gelten sogar allgemein für Extremismus im Netz.

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Die Erzählungen der extremen Rechten von Bedrohung und Gegenwehr harmonieren nicht nur bestens mit den angstverstärkenden Mechanismen der sozialen Medien. Die Möglichkeit, Wahrnehmungsschwellen zu beeinflussen und so Vorfälle, die bislang lediglich im Lokalen bekannt- geworden wären, überregional zu verbreiten, zu sammeln und als Tendenz zu interpretieren, trägt gleich doppelt zur Beunruhigung ihres Publikums bei: indem sie eine wachsende Bedrohung behauptet und indem sie den Verdacht nahelegt, eine solche Bedrohung sei bislang gezielt verschwiegen worden. Das Vertrauen in etablierte Informationsquellen – Stichwort „Lügenpresse“ – und öffentliche Auskünfte schwindet, die Bereitschaft, „alternativen Wahrheiten“ Gehör zu schenken, wächst.

Maik Fielitz und Holger Marcks: „Digitaler Faschismus“. Die sozialen Medien als Motor des Rechtsextremismus. Dudenverlag, Berlin 2020. 256 S., br., 18,– €.


Maik Fielitz und Holger Marcks: „Digitaler Faschismus“. Die sozialen Medien als Motor des Rechtsextremismus. Dudenverlag, Berlin 2020. 256 S., br., 18,– €.
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Bild: Dudenverlag

Neben Alarmismus und Überzeichnung stellen die Autoren weitere Mittel rechtsextremer Aktivisten im Netz vor, etwa das Verbergen der Ideologie hinter Ironie und Doppeldeutigkeit oder Kommunikation „im Grenzbereich zwischen Ernst und Humor, zwischen Zynismus und eklatanter Menschenverachtung“. In dieser Erscheinungsform prägten nicht Stahlhelm, Runen und Reichskriegsflaggen, sondern „Frösche, Rauten und Neonfarben“ das Bild. Auch der Aufruf zum Handeln erfolge oft indirekt: „Gewalt nach Drehbuch“, schreiben Fielitz und Marcks, liege „nicht nur vor, wenn Terroristen durch explizite Direktiven ihre Sympathisanten zur Gewalt anleiten, sondern auch dann, wenn die extreme rechte Geschichten erzählt, deren Ende noch offen ist, deren bisheriger Verlauf aber Gewalt gegen bestimmte Ziele als die logische Weitererzählung erscheinen lässt“. Weil sich die Täter vor, während oder nach ihrer Gewalttat auf eine Ideologie berufen, wirkten ihre Aktionen „konkret nicht vorhersehbar, aber statistisch erwartbar“; so erhielten sie „den Anschein eines organisierten Charakters“.

Anfangs braucht es, wie die Autoren darlegen, nicht viel, um im Netz den Eindruck massenhaften Zuspruchs zu suggerieren: Schon wenige Online-Aktivisten könnten „mit multiplen Accounts, einer gut sortierten Excel-Tabelle und ein paar Lesezeichen zu besonders lebendigen Facebook-Seiten“ ein „beeindruckendes Stimmengewirr“ erzeugen, das die Interaktionswerte eines Beitrags nach oben treibt, für eine bessere Plazierung in den Feeds uneingeweihter Nutzer sorgt und so den Eindruck stärkt, hier fände etwas Zuspruch, was auch des eigenen Zuspruchs wert sein könnte.

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